cäthe vagabundDie aktuell in Berlin lebende (geboren in Straßfurt, aufgewachsen in Baden-Württemberg) Sängerin CÄTHE gehört zu den besten und am meisten respektierten deutschen Singer/Songwriterinnen, um das böse Wörtchen „Pop" hier zu umgehen, welches prinzipiell zwar auch passen könnte, hier aber viel zu kurz greifen würde. CÄTHE steht für Anspruch, sowohl musikalischer Natur als auch hinsichtlich ihrer teils autobiografischen und selbstironischen Texte. Ihr Talent hat sich sogar zu den SCORPIONS herumgesprochen, die CÄTHE 2013 bei ihrem MTV Unplugged Auftritt für den Song „In Trance" als Gast engagierten, sozusagen als bunter Farbklecks in einem schwarz-weiß Portrait.

Mit ihrem am 02.10. erscheinenden dritten Studioalbum „Vagabund" beweist die Musikerin, dass sie von ihrem individuellen Pfad nicht abweichen möchte. Damit wird sie es nicht auf die Titelseiten der großen Magazine schaffen und die Clubs werden im Vergleich zur letzten Tour auch nur ein Stückchen größer werden, aber es ist eine ehrliche Herangehensweise und ein Beispiel für Musik als ernstzunehmende Kunstform. Im übertragenen Sinne ist „Vagabund" ein treffender, charismatischer Albumtitel, denn die 12 Songs stehen für musikalische Freiheit, die man sich als Künstler erst einmal trauen muss. „Die Zu Werden Die Wir Sind" geht als reinrassige, mitreißende Rocknummer durch, direkt danach folgt mit „Unter Palmen" ein Stückchen, das im Refrain einen gewissen, ursprünglichen Schlagercharme hat, der anfangs verwirrt. Und um das seltsame Trio zu vollenden, liefert CÄTHE mit „Junge Aus Sand" danach eine schöne, nachdenkliche Ballade ab, von denen es auf „Vagabund" überraschend wenige gibt. „Vagabund" hat auf jeden Fall eine sehr positiven Grundstimmung.

Insbesondere die erste Hälfte von „Vagabund" präsentiert eine Künstlerin, die sich selbstbewusst und dynamisch gibt, so als wäre sie vollkommen zufrieden mit ihrer Arbeit, wenig überraschend finden sich hier die Highlights, das wilde und fetzige „Halleluja" steht hier ganz oben, das mich sehr an die letztjährige Veröffentlichung von JUDITH HOLOFERNES (WIR SIND HELDEN) erinnert, aber eben um ein Vielfaches besser, weil CÄTHE hier nicht auf Klugscheißer macht. Auch das relaxte Titelstück, sowie im weiteren Verlauf das sehr persönliche „Foto Im Portemonnaie" verdienen eine extra Erwähnung.

Das dritte CÄTHE Album „Vagabund" besitzt viele positive Aspekte, kleinere Mängel sollten dennoch nicht verschwiegen werden, das chansonbeeinflusste „Yeah Yeah" bietet wenig Grund zu Jubeln und auch „Müder Drache" kann im hinteren Albumdrittel nicht überzeugen. Wie gesagt, CÄTHE wandert auf „Vagabund" textlich und musikalisch zwischen den Welten hin und her, da besteht natürlich die Gefahr, dass sie sich ab und zu verläuft, dafür ist „Scheitern Kann Ich Auch Alleine" am Ende des abwechslungsreichen Dutzend ein großartiger Schlusspunkt.

Mir persönlich fehlt bei „Vagabund" zusätzlich etwas das emotionale Element, weil CÄTHE über ihre Themen singt, die nicht zwingend meine Themen sind, es fällt nicht immer einfach, tief in die Poesie einzutauchen, aber das ist mein Problem und kann der Künstlerin nicht vorgeworfen werden. „Vagabund" klingt gemessen daran, dass es sich eigentlich um ein Album einer Einzelkünstlerin handelt, enorm vielseitig und lebendig, es war sicherlich die richtige Entscheidung die zwölf neuen Songs mit ihrer Live-Band unter Livebedingungen aufzunehmen und nicht ganz alleine nur mit einem Produzenten. Darf man sagen: CÄTHE ist das weibliche Pendant zu BOSSE? (Maik)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 45:00 min
Label: DEAG
Veröffentlichungstermin: 02.10.2015





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