boy wewerehereOb man wollte oder nicht, über den Song „Little Numbers" dürfte so ziemlich jeder in den letzten Jahren gestolpert sein, ohne genau zu wissen, was es damit auf sich hat oder wer diesen Ohrwurm produziert hat. Sei es als Titelsong für diverse Fernsehformate oder als akustische Untermalung zu einem Spot eines großen deutschen Konzerns, das deutsch-schweizerische Duo BOY hat nicht nur wegen seiner interessanten Namenswahl Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auch wegen diesem Lied war das Debütalbum „Mutual Friends" 2011 und 2012 einigermaßen erfolgreich gewesen, aber wirklich im Fokus der Öffentlichkeit standen Valeska Steiner (eine Sängerin aus Zürich) und Sonja Glass (eine Musikerin aus Hamburg) nie und das ist auch gut so, denn die beiden jungen Damen haben sich auch so ihre eigene musikalische Nische gebastelt.

Nun liegt, vier Jahre nach „Mutual Friends", das zweite Album des Duos vor, es heißt „We Were Here", drei kurze Worte, die stellvertretend für das gesamte Album stehen, für die besonderen Momente, die man in seinem Leben erleben darf, die Situationen, über die man voller Freude sagen kann, „wir waren dabei". Für die beiden Damen dürften seit dem Debüt sicherlich die beiden Nordamerika Touren etwas ganz Spezielles gewesen sein. Es gibt nicht allzuviel an mitteleuropäischer Popmusik, die in USA, Kanada oder Japan erfolgreich ist.

„We Were Here" mag es zwar nur auf eine Spielzeit von läppischen 35 Minuten bringen, die haben es allerdings in sich, weil alle Songs spannend, tiefgründig und einfach wunderbar sind. „Tiefgehende Harmonien und Arrangements werden von direkten und berührenden Texten komplettiert. Die Lieder sind durchwoben von Wärme, Empathie und der Möglichkeit, sich in den Geschichten wiederzufinden." Viel besser kann man es nicht auf den Punkt bringen, gerade die Texte, bei denen viel mit Wortspielen und Metaphern gearbeitet wird, heben sich wohltuend positiv aus dem normalen Pop Einheitsbrei heraus.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, Valeska Steiner und Sonja Glass haben auf ihrem zweiten Album nicht nur das auf „Mutual Friends" Gebotene weiterentwickelt, sondern eigentlich ihren eigenen Stil bereits perfektioniert. So darf das gerne weitergehen, viele akustische Momente treffen sich hier mit Synthie-Sounds und laufen um die Wette, am Ende einigt man sich auf ein faires Unentschieden. Dezent überproduziert ist „We Were Here" allerdings schon, ein weniger an Effekten wäre ein noch mehr an Qualität gewesen. Trotzdem klingt vieles rund und einigermaßen natürlich, wenngleich man nach meinem persönlichen Gusto gerade die Percussions noch mehr personalisieren könnte, sprich den Drumcomputer durch einen Menschen aus Fleisch und Blut ersetzen. Live wird das sicherlich der Fall sein, da darf man gespannt sein, wie die Songs dann auf einen wirken werden.

„We Were Here" passt perfekt in den Sommer, passt perfekt in den Herbst, ist ein Album für den Tag und für die Nacht, man findet melancholische Momente direkt neben freundlichen Melodien. Man kann „We Were Here", das ganz am Anfang ein alles überstrahlendes Titelstück besitzt, sowie ganz zum Schluss mit „Into The Wild" ein nachdenkliches Ende, das einen gleichzeitig ratlos und zufrieden zurücklässt, zum Träumen nutzen oder zum Entspannen oder ganz einfach nur zum Hören ohne jegliche Hintergedanken. Wenn das hier Popmusik ist, dann ist „We Were Here" mit Sicherheit eines der besten Alben dieses Genres in diesem Jahr. (Maik)

Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 34:20 min
Label: Grönland
Veröffentlichungstermin: 21.08.2015

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