anapopovic blueroomEs ist immer wieder interessant zu erfahren, wie Musiker überhaupt zu ihrer Leidenschaft gekommen sind. Meist sind die Vorlieben schon früh in der Kindheit verankert, viele werden von ihren Eltern inspiriert, was mir nun mal gar nicht passieren könnte. Auch die in den Niederlanden beheimatete Serbin entdeckte durch ihren Vater die Liebe zum Blues. In ihrer Wohnung im elften Stock in einem Belgrader Vorort gab es ein blaues Zimmer, in dem sich ANA POPOVIC in ihrer Jugend durch Platte aus sämtlichen Bluessparten hörte. Dorthin lud auch ihr Vater Milutin immer gerne Freunde zu gemeinsamen Jamsessions ein. Nun erfüllte sich eine der derzeit bekanntesten Blueschanteusen einen ganz persönlichen Traum und nahm mit ihrem Vater die Lieder auf, welche sie so oft gemeinsam gespielt haben. Und wie sollte das unter dem Banner ANA & MILTON POPOVIC veröffentlichte Werk anders heißen als „Blue Room"?

Familienangelegenheiten, gerade so erfreuliche sind her eine beschauliche Sache, so gehen auch Tochter und Vater den Auftakt erst mal langsam an. „Catfish Blues" bietet lässige Akustikgitarren und eine ebensolche Atmosphäre, in welcher die Jüngere mit tollen Slides brilliert. Bereits hier zeigt sich, wie gut die beiden harmonieren, ob abwechselnd oder im Gleichklang, ihre Stimmen ergänzen sich großartig. Akustisch gehen sie auch in „Grant Spivey" zu Werke, bei dem das Piano einen Bar-Touch vermittelt und die gute Ana überaus lasziv singt. Und am Ende interpretieren sie „Tupelo" des großen JOHN LEE HOOKER dermaßen staubtrocken, dass die Wüste Gobi wie ein Quell des Lebens anmutet.

Harmonie und Atmosphäre stehen auch auf dem Rest des Longplayers im Vordergrund, bei der JOHN LENNON-Nummer „I´m Losing You" kommen schöne Leadfills zum Tragen. Ein federnder Bass treibt an, während Milton hier ein bisschen mehr seine Seele offenbart. Von der Stimmung auch im Solobereich erinnert diese Fassung an CHRIS REA. Noch mehr Raum zur Entfaltung von Emotionen bietet das luftige „Evening Shadow" aus der Feder von VAN MORRISON. Spärliche Licks begleiten Strophe und Refrain, bevor auch der Vater einen Teil des starken Solos beisteuern darf. Durch die direkte Aufeinanderfolge der jeweiligen Spots hört man die Blutsverwandtschaft noch deutlicher heraus.

Es sind diese ruhigen Momente, in denen die Zwei ihre ganze Ausdruckskraft unter Beweis stellen können. Die Arrangements sind eher spärlich, so dass die einzelnen Töne mehr Raum bekommen, und sich ihr ganzes Feeling entfalten kann. Besonders die beiden Slow Bluestunes von TONY JOE WHITE erlauben das tiefe Eintauchen, wobei „Rainy Night In Georgia" mit seinen Pianotupfern getragener rüber kommt als „Did Somebody Make A Fool Out Of You" mit seiner leisen Orgel. Die darf beim JETHRO TULL-Cover „We Used To Know" etwas lauter heulen, aber auch die sechs Saiten spielen bei dieser grandiosen Version euphorisch auf. Auch beim beschwingten Boogie „Red River Blues" und dem kraftvollen Chicago-Blues „Baby, What´s Wrong" rocken ANA& MILTON POPOVIC die latente Tristesse des Blues weg.

Dabei war es ein schwerer Weg zu diesem Werk, denn Ana musste ihren Vater erst überreden, der sah sich immer als Hobbymusiker und wollte nie Platten aufnehmen. Schade, denn so ist der Welt vielleicht das ein oder andere Kleinod durch die Lappen gegangen. Die Dame schwärmt vor allem von seinem sehr charakteristischen Gesang, der in der Tat außergewöhnlich ist. Technisch manchmal ein bisschen wackelig, aber von der Stimmfärbung sehr interessant, ähnlich Jack Bruce, mit dem typisch brüchigen von Mark Knopfler. Auch sein Spiel ist fast so beseelt und sauber wie das seiner Ältesten, die hier und da mal eine tolle Soulröhre auspackt.

Das alles wurde unter der Regie des Stammproduzenten Jim Gaines brillant eingefangen, die sehr warmen Klangfarben arbeiten jeden Ton vollmundig heraus. Die perfekt getimte Rhythmusfraktion hält sich ebenfalls angenehm zurück, und stärkt so noch mehr die Führungsrolle des Familiengespanns. Dieses geht so tiefenentspannt zu Werke, dass das dezent hardrockige „Somebody" fast wie ein Fremdkörper wirkt. Seine wunderbare Schönheit zieht „Blue Room" aus eben diesem Unspektakulären. Einziger Fehler ist das ausschließliche Verwenden von Coversongs, eine gemeinsame Komposition von ANA & MILTON POPVIC wäre das Sahnehäubchen gewesen. (Pfälzer)

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 42:02 min
Label: ArtistXclusive/In-Akustik
Veröffentlichungstermin: 22.05.2015

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