spocksbeard oblivionparticleAuch im neuen Zeitalter wird die führende Formation des Retro Prog nicht müde. Nachdem sich das neue Line-Up mit Sänger Ted Leonard und Drummer Jimmy Keegan eingespielt hat, ist man für neue Taten gerüstet. Live konnte die Truppe ihre Fans auf der zurück liegenden Tour ebenfalls überzeugen. Der wichtigste Schritt dürfte allerdings die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln sein, welcher gut ankam und der Band verlorenen Boden zurück gab. Die turbulenten Zeiten nach dem Weggang von Neal Morse scheinen endgültig vorbei, SPOCK´S BEARD haben sich auch in der Form etabliert. So kann es mit Selbstvertrauen an das nunmehr zwölfte Studioalbum "The Oblivion Particle" gehen, welches nun in den Läden steht.

Kraftvoll beginnt "Tides Of Time", die Synthesizer und die Orgel jubilieren im Gleichklang und erzeugen wuchtige Fanfaren. So ist es der Gitarre vorbehalten, mit einem luftigen Riff in der Strophe ein wenig das Tempo heraus zu nehmen. Wenn der Opener wieder anzieht drückt der Bass eine an Achtziger-GENESIS angelehnte Melodie nach vorne, bevor sich Keyboard und Gitarre zum ersten Mal in den Soli duellieren. Dies tun sie öfter im Verlauf dieser Nummer, bis sie plötzlich zur Ruhe gebeten werden und sanfte Töne Einzug halten, welche am Ende in ein episches Finale münden. Kaum zu glauben, was man in knappe acht Minuten so alles packen kann, da herrscht mehr Vielfalt wie bei den meisten Longplayern, die auf den Markt kommen.

Nun kann man in jeden Song haufenweise Ideen einbauen, doch man muss es auch können, ohne Gefahr zu laufen, die Arrangements zu überfrachten. Diese Fünf beherrschen diese hohe Kunst wie kaum eine andere Formation, mühelos servieren sie einem abgefahrene Instrumentalschichten, als wäre es das Selbstverständlichste in einem Song. Hierzu stellen sie immer wieder gradlinigere Titel neben die ganzen Longtracks, welche leicht nachzuvollziehen sind.
Etwa „Hell´s Not Enough", welches balladesk mit einer sanft pfeifenden Orgel und akustischen Gitarren einsteigt, um dann im Refrain zu Hochform zu steigern. Die große Melodie schwillt an, wird von der Hammond getragen, kann so ihre volle Wirkung entfalten, ganz großes Emotionskino. Fehlen dürfen auch die BEATLES-Harmonien auf einem SPOCK´S BEARD-Album nicht, das leicht folkige „Bennett Built A Time Machine" liefert hier ab. Und das melodieselige „Get Out While You Can" ist trotz sphärischer Momente die straffste Nummer auf „The Oblivion Particle".

Ihre Klasse spielt die Band jedoch immer dann aus, wenn sie sich in die instrumentalen Abfahrten stürzt. „The Center Line" kommt nur mit sehr wenig Gesang aus, dafür wechseln sich jazzige Passagen und cineastische Landschaften ab. Auf dieser Einspielung hebt sich Ryo Okumoto ganz klar als Star hervor, seine Tasten sind weit präsenter als die sechs Saiten von Alan Morse. Großartig wie leichtfüßig er seine Pianolinien selbst mit Synthieschwaden unterlegt.
Bei „A Better Way To Fly", einem weiteren Epos zaubert er zuerst eine sehr ruhige, konzentrierte Atmosphäre, die immer wieder von wuchtigen Eruptionen durchschnitten wird. Nachdem das Stück immer weiter anzieht, soliert er sich ins Delirium, um dann die Dynamik zusammen brechen und den eigentlich fordernden Chorus sanft auf den Schwingen seines Mellotron dahin gleiten zu lassen. Und wenn sein Soundarsenal nichts mehr passendes hergibt, dann darf David Ragsdale von KANSAS bei „Disappear" an der Geige ran.

Mit dem neuen Werk manifestieren SPOCK´S BEARD weiter ihre Position in der Progszene. Zwanzig Jahre nach ihrem Debüt „The Light" gehören die einstigen Progerneuerer mittlerweile selbst zu den Altmeistern. Dabei ist „The Oblivion Particle" nicht mehr ganz so retro wie sein Vorgänger, streckenweise blitzen kurze modernistische Momente auf. Speziell wenn im durchaus witzigen „Minions" aus der atmosphärischen Grundrichtung ausgebrochen wird, kommen solche Klänge zum Tragen. Wobei ich allerdings nicht weiß, ob das Lied tatsächlich von den gelben Animationsfiguren handelt.

Diese entfernen sich allerdings nicht annähernd so weit von den Kernkompetenzen wie noch auf „Feel Euphoria" und „Octane". Da im Mouse House mit John Boegehold und Rich Mouser das eingespielte Team an den Reglern saß, sind auch die in das bekannte warme Soundgewand verpackt, das vor allem dem Bass von Dave Meros mehr Freiräume gibt. Nachdem man mit dem letzten Output Ted Leonard vorstellen wollte, und dabei auf Nummer sicher ging, geht die Formation hier wieder mutiger zu Werke. Das erwartet man auch von einer progressiven Speerspitze, der dann auch mit dem längsten Track „To Be Free Again" der stärkste gelingt. (Pfälzer)

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 66:28 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 21.08.2015

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015