variousartists musicfromthefaroeislandsBereits vor einigen Jahren hat das färöische Label Tutl einen Sampler namens „Music From The Faroe Islands“ auf den Markt gebracht. In diesem Jahr ist nun der Nachfolger gleichen Namens (aber mit anderem Cover) erschienen. Wie schon auf dem ersten Sampler sind auch hier Stücke verschiedener färöischer Künstler enthalten, die natürlich allesamt beim Label Tutl unter Vertrag stehen. Dabei ist vom färöischen Kettentanz über Pop bis hin zu Doom Metal nahezu alles enthalten und zeigt, wie breitgefächert die Künstlerriege des Labels, aber eben auch der Färöer ist.

Den Auftakt macht AVE mit „Oyðin“ (hinter AVE verbirgt sich übrigens Benjamin Petersen, von dem der ein oder andere schonmal etwas gehört haben dürfte). Der traurig-depressive, ruhige Song mit wunderschöner Melodie setzt sich schnell im Ohr fest und macht Lust auf mehr. Da werde ich wohl demnächst wieder CDs von den Färöern bestellen müssen. Akustisch und ruhig geht es weiter. KÁRI SVERRISSONS „Lívið Er Júst Tað, Sum Tað Er“ ist zunächst etwas unauffällig, kann sich zum Ende hin, wenn auch andere Instrumente als nur die Gitarre einsetzen, aber steigern und rockt ruhig vor sich hin.

KVONNs „Wrigleys“ weckt Assoziationen zu mittelalterlicher höfischer Musik, getragen fröhlich wird auch dieses Stück erst zum Ende hin etwas intensiver. Geige und Klavier stehen hier im Mittelpunkt. Mit DÁNJAL wird es dann erstmal etwas flotter. Dazu singt er auf englisch, was das Verstehen für Nichtfäröischsprechende ungleich einfacher macht. Der Song geht mit seinem eindringlingen Rhythmus sofort ins Ohr. Er ist zwar nicht sonderlich kompliziert, aber ein schöner, guter Popsong.

HØGNI REISTRUP katapultiert den Hörer zurück in die späten 80er und frühen 90er, also solche Sounds noch modern waren. Die ruhige Stimme liegt über poppiger Musik, der färöische Gesang ist zwar reizvoll, ansonsten wirkt der Song aber etwas altbacken. Ganz anders dagegen ORKA, die vielleicht ungewöhnlichste Band der Färöer. Die Mitglieder wechseln gerne mal und fast alle bedeutenden Musiker der Inseln haben schon mit der Band zusammengearbeitet. Ihre Instrumente bauen sie sich größtenteils selbst aus landwirtschaftlichen Geräten. Und was so krude und wirr klingt, hört sich am Ende richtig gut an. Da ist es wirklich schade, daß „Sing“ so kurz geraten ist. Das hier führt auf jeden Fall zu einem weiteren Kreuz auf der Einkaufsliste.

MARIUS ZISKAs „Restless Mind“ erinnert etwas an SIMON & GARFUNKEL. Auch wenn mir persönlich die Keyboardsounds etwas zu abgespact sind, ist es ingesamt ein schöner, ruhiger und romantischer Song. Über EIVØR braucht man wohl keine Worte mehr zu verlieren. Die Königin der färöischen Musik ist mit ihrer Single „Remember Me“ vertreten und verzaubert den Hörer wieder einmal trotz negativer Grundstimmung mit diesem Stück.

Bei BUDAM geht es dann zur Abwechslung wieder etwas rockiger und schneller zu. Geflüsterte Parts unterstreichen die aggressive Stimmung des Songs und bilden eine gute Einstimmung auf die nachfolgenden HAMFERÐ. Daneben gibt es auch noch eine Rapeinlage, die sich wunderbar in den Song einfügt. Auch wenn das hier eigentlich nicht meine bevorzugte Musikrichtung ist, ist „The Man Who Knows Everything“ doch ein echt cooler Song geworden.

HAMFERÐ im Anschluß sind die düsterste und härteste Band der Scheibe und waren auch schon auf dem ersten Sampler der Reihe vertreten. Es ist immer wieder beeindruckend mit welcher Macht sie ihre düstere Stimmung aufbauen – ebenso wie Jón Aldarás Wechsel zwischen Cleangesang und Growls immer wieder beeindrucken. Zu hören gibt es hier mit „Evst“ den Titelsong des letzten Albums. Ich persönlich hätte ja eher „Sinnisloysi“ gewählt, aber im Grunde bin ich mit jedem Song der Band zufrieden. Für mich eine der besten, wenn nicht DIE beste färöische Gruppe in den letzten Jahren.

Insbesondere für Deutsche interessant ist wohl MPIRI, die mit „Náttarfriður“ Goethe in der Übersetzung von J.H.O. Djurhuus im A-capella-Chor darbieten. Wunderschön, aber mit knapp zwei Minuten auch sehr kurz geraten.

Etwas aus dem Rahmen fällt ÓLAVUR JAKOBSEN, der zum einen gleich mit zwei Songs auf dem Sampler vertreten ist zum anderen sehr progressive, jazzige Musik zum besten gibt, in der eine Melodie nur schwer auszumachen ist. Wildes Zupfen an den Gitarrensaiten, häufige Wiederholungen und fehlender Gesang machen seine beiden Stücke zu schwer verdaulicher Kost. Sorry, nein, das hier ist so gar nicht mein Ding.

Da freut man sich, wenn BENDAR SPÓNIR wieder etwas rockiger daherkommen, ingesamt wandelt die Band wohl auf den Spuren der 70er. Typische Sounds und Tonfolgen erinnern an das glorreiche Jahrzehnt, ansonsten ist „Hin Nýggji Sangurin“ ein doch sehr experimentelles, teilweise recht schräges und an manchen Stellen etwas chaotisches Instrumental, das aber doch irgendwie Spaß macht.

Mit „Dímun“ von der letzten YGGDRASIL-Scheibe ist auch Labelgründer Kristian Blak wieder auf dem Sampler vertreten. Zu Beginn ist nur das Klavier zu hören, später kommt auch Angelika Nielsens Geige hinzu. Hier hört man deutlich den Einfluß der Violinistin mit deutschen Wurzeln. Ein wunderschönes, ruhiges, instrumentales Stück zum träumen. Wer mehr davon hören möchte, dem sei dringend das letzte YGGDRASIL-Album, desen Titelstück wir hier hören, empfohlen.

DÁVUR JUUL MAGNUSSENs „Gesture“ beginnt sehr düster und erinnert mit seinen Bläsern etwas an die “Herr der Ringe“-Filmmusik, kann aber nicht wirklich begeistern. Das letzte Stück auf dem Album ist mit mehr als 17 Minuten Spielzeit auch zugleich das längste. Der DANSIFELAGIÐ Í HAVN präsentiert die Ballade „Jómsvíkingar“ in voller Länge, was für Liebhaber färöischer Balladen äußerst interessant ist. Für alle, die damit entweder nichts am Hut haben oder aber noch keinen Kontakt mit färöischen Balladen hatten, könnte dieses Stück auf Dauer jedoch langweilig werden.

Insgesamt bietet der Sampler wieder eine schöne Sammlung zeitgenössischer färöischer Musik aus fast allen Sparten. Auffällig ist, dass sich sehr viele ruhige Songs auf dem Album finden, die etwas rockigeren Momente sind doch selten. Schade finde ich, dass die aktuellen Überflieger BYRTA nicht auf dem Album vertreten sind, von denen hätte ich doch gerne einen Song gehört. Sehr schade finde ich, dass keine Texte enthalten sind; das wäre eine schöne Ergänzung zur Musik gewesen. Alles ins allem ist dieser Sampler aber auf jeden Fall sein Geld wert und auch ein schönes Mitbringsel von einer Färöerreise. (Anne)


Bewertung: - / -

Anzahl der Songs: 17
Spielzeit: 57:36 min
Label: Tutl
Veröffentlichungstermin: 30.03.2015

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