jessymartens touchmybluesawayWie es der Zufall so wollte, hatte ich letztes Jahr im Sommer die Möglichkeit bei einer dieser vielen „umsonst & draußen" Veranstaltungen JESSY MARTENS live zu sehen, Zufall deshalb, weil sie kurzfristig als Ersatz für die eigentlich geplante Band einspringen durfte/musste. Trotz widriger Begleitumstände (frühe Uhrzeit, mäßiger Sound, wenig begeisterungsfähiges Publikum) legte JESSY MARTENS samt ihrer Band einen bärenstarken zweistündigen Gig hin, der in einem gemütlichen Club sicherlich etwas ganz besonderes gewesen wäre. Genau ein solcher Clubgig findet sich nun in Ausschnitten auf „Touch My Blues Away", welches am 24.11.2014 im Downtown Bluesclub Hamburg aufgezeichnet worden ist.

Sängerinnen im Bluesgenre oder nennen wir es lieber Bluesrock gibt es hierzulande leider eher wenige, von daher hat die junge Dame aus Hamburg mit dem auffälligen Sidecut ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, die ganzen Preise, die sie in den letzten Jahren gewonnen hat, hängen vielleicht auch damit zusammen, und sollen hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. 2012 gab es den deutschen Rockpreis, 2012 und 2014 jeweils den German Blues Award, als übliche Referenzen werden AMY WINEHOUSE, JANIS JOPLIN und TINA TURNER herangezogen, aber was helfen alle diese Vergleiche und Auszeichnungen, wenn die Musik nicht kickt und emotional nicht berührt?

Vor diesem Hintergrund befindet sich JESSY MARTENS in guter Gesellschaft mit BETH HART, die in den letzten Jahren vom Insidertipp vollkommen zu Recht zur Chartstürmerin geworden ist, bei beiden passt eben das Gesamtpaket aus Stimme, Songs und Leidenschaft; im direkten Vergleich hat JESSY MARTENS weniger Soul in ihrem Repertoire, dafür versprühen die ausgewählten zehn Songs einiges mehr an rockiger Energie. Neben JESSY MARTENS stehen unter anderem zwei Gitarristen auf der Bühne!

„Touch My Blues Away" ist also ein Livealbum, wenn man so will eines mit Stärken und Schwächen, letztere liegen darin begründet, dass, warum auch immer, kaum so etwas wie Livefeeling in Bezug auf die anwesenden Zuhörer entstehen wollte, am ehesten findet man dieses noch in den Improparts bei der beeindruckenden Coverversion von „I Don't Need No Doctor" sowie bei „Little Mama Don't Play", zweiter Nachteil vorliegender Platte ist die kurze Spielzeit von nicht einmal einer Stunde. Man bekommt also wirklich nur einen Ausschnitt aus dem Schaffen von JESSY MARTENS geboten, sozusagen eine Best Of der beiden Studioalben „Break Your Curse" (2013) – vertreten mit 3 Songs – und „Brand New Ride" (2011) – vertreten mit 5 Songs.

„Touch My Blues Away" ist demnach sicherlich kein perfektes Livedokument, auch hätte man ruhig noch eine DVD beilegen können, aber eines, das trotzdem wahnsinnig viel Spaß bereitet, weil JESSY MARTENS hier das gesamte Spektrum der rockigen Bluesmusik abdeckt und weil bei den eigenen Songs von stark bis sehr stark (insbesondere „Touch My Blues Away" und das grob-energische „Pack Of Lies") alles dabei ist, was das Herz begehrt. Zudem trägt „Touch My Blues Away" nicht zu Unrecht den Schriftzug JESSY MARTENS & BAND, denn Dirk Czuya (Gitarre), Christian Adameit (Bass), Markus Schröder (Keys), Christian Kolf (Schlagzeug) sowie Keile (Gitarre) sind inzwischen seit Jahren ein eingespieltes Team und weit mehr als eine reine Backing Band einer authentischen Sängerin, das sollte man nicht unterschätzen.

Nimmt man alle Aspekte zusammen, dann ist „Touch My Blues Away" für sehr viele Menschen interessant und empfehlenswert. Wer JESSY MARTENS noch nicht kennen sollte, wird mit vorliegendem Album eine prima Einstiegsdroge finden, die im positiven Sinne süchtig machen wird, und auch wer JESSY MARTENS und ihre Band bereits von Platte oder live kennt, wird eine Menge Freude an diesem Tondokument haben. Sollte das Musikbusiness nach logischen Regeln funktionieren, dann wird JESSY MARTENS mit ihrem nächsten Studioalbum weit über das Bluesgenre hinaus durchstarten. (Maik)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 55:42 min
Label: Jayfish Records
Veröffentlichungstermin: 24.04.2015

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