eivor bridgesSind wirklich schon wieder 3 Jahre vorbei? Gut, für uns Deutsche waren es nur 2 Jahre, seit Eivør Pálsdóttirs letztes Album „Room“ erschienen ist, im skandinvischen Raum sind es eben 3 Jahre. Nichtsdestotrotz ging diese Zeit irgendwie ziemlich schnell vorbei. Aber immerhin hatte man auch hierzulande Gelegenheit, EIVØR live zu sehen. Und nun legt sie auch schon ihr nächstes - das mittlerweile achte - Studioalbum vor. Wie eigentlich all ihre Alben besteht der Titel wieder nur aus einem Wort.

Der Blick in die Songliste enttäuscht zunächst etwas. Wieder nur englischsprachige Songs; es ist wieder kein färöischer dabei. Ich kann nur wieder betonen, wie schade ich das finde. Aber sei's drum, hören wir uns einmal an, was die bekannteste färöische Künsterlin dieses Mal zu bieten hat.

Das Album beginnt mit „Remember Me“, einem Song, der Gedanken aufgreift, die wohl den meisten schon einmal durch den Kopf gingen: Was bleibt, wenn ich einmal nicht mehr bin? Für eine Musikerin passend fragt EIVØR natürlich „Will you sing my songs?“. Trotz seiner eigentlich traurigen Grundstimmung ist das Stück, das musikalisch an das Vorgängeralbum anknüpft, wunderschön und meiner Meinung nach das beste der Scheibe und völlig zurecht die erste Singleauskopplung.

Der zweite Song ist – typisch EIVØR – sehr stark autobiografisch geprägt und eine Hommage an all die treuen Freunde der Sängerin, die auf den Färöern oder wo auch immer zurückbleiben, während sie selber durch die Welt tourt und manchmal vergißt ihren Freunden zu sagen, wieviel sie ihr eigentlich bedeuten. Der Titelsong „Bridges“ ist sehr ruhig gehalten, meist hört man nur EIVØR und ihre Akustikgitarre und die Sängerin betört mit ihrer klaren Stimme.

Wie schon auf dem letzten Album, hat EIVØR teilweise Texte anderer Künstler vertont. So stammt der Text zu „Tides“ von Randi Ward und der Text zu „The Swing“ von Marjun S. Kjelnæs. Durch die eingesetzten Chöre und Streicher sowie EIVØRs klare, fast schon kindliche Stimme wirkt „Tides“ sehr sanft, aber auch leicht experimentell. Richtig experimentell wird man bei „On My Way To Something“ mit vielen Sounds, die man gar nicht so richtig einordnen kann. Andererseits ist dieser Sound aber auch absolut typisch für die Färingerin.

Einer meiner Favoriten auf dem Album ist „Morning Song“, ein wunderschönes Stück, das den perfekten Soundtrack für einen Sonnenaufgang nach verregneter Nacht abgibt und der – auf gewisse Weise – das weibliche Pendant zu CAT STEVENS' „Morning Has Broken“ abgibt. Nachdem EIVØR auf dem letzten Album ihrem Vater ein Stück gewidmet hat, ist dieses Mal wieder ihre Mutter an der Reihe. „Purple Flowers“ ist ja nicht der erste Song, den die Sängerin ihr widmet. EIVØRs sanfter Gesang macht diesen Song zu einer echten Liebeserklärung.

„The Swing“ ist wieder etwas experimentell ausgefallen, nimmt den Hörer aber sofort gefangen. EIVØR setzt ihre betörende Stimme oft als reines Instrument ein, doch spätestens beim Ohrwurmrefrain muß man einfach mitsingen. Damit ist „The Swing“ bei den Albumfavoriten auch ganz vorne mit dabei. Den Abschluß des Albums stellt das ruhige „Stories“ dar, bei dem EIVØRs Stimme klar im Vordergrund steht, während sich Klavier bzw. Keyboard sehr im Hintergrund halten. So klingt „Bridges“ sanft aus und man wundert sich, daß es schon vorbei ist. Und das ist auch das einzige wirkliche Manko dieses Albums: Noch nicht einmal 40 Minuten Spielzeit sind einfach zu wenig  EIVØR.

„Bridges“ geht den Weg, der auf „Room“ schon beschritten wurde, konsequent weiter. Allerdings fehlt „Bridges“ die leicht depressive Grundstimmung von „Room“ - was nun auch nicht das schlechteste ist. War „Room“ in gewisser Weise ein Abschluss eines Lebensabschnittes, so ist „Bridges“ nun der Aufbruch zu einem neuen Abschnitt – ohne sich jedoch selbst zu verleugnen. „Bridges“ ist auch komplexer als das Vorgängeralbum. Während mir „Room“ von Anfang an gefiel, mochte ich „Bridges“ nach dem ersten Hören nicht so sehr. Doch viele der Stücke entfalten ihren Zauber erst nach mehrmaligem Hören und nun muß ich doch sagen, daß mir das neue Album besser gefällt als „Room“, was ich anfangs nicht für möglich gehalten hätte. Wem „Room“ schon gefallen hat, der sollte sich „Bridges“ auf jeden Fall anhören.  (Anne)


Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 38:11 min
Label: Tutl
Veröffentlichungstermin: 27.02.2015

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