whitesnake purplealbumAls Jon Lord 2012 traurigerweise von uns ging, hatten David Coverdale und Ritchie Blackmore das erste Mal seit langen wieder engen Kontakt. Ein gemeinsames Projekt der beiden ehemaligen DEEP PURPLE-Mitglieder stand im Raum. Dabei wurde die Idee einer Mark III-Reunion schon länger diskutiert, doch Ian Paice, das letzte verbleibende Mitglied dieser Besetzung wollte seinen aktuellen Mitstreitern nicht in den Rücken fallen. Aus der Zusammenarbeit von Blackmore und Coverdale wurde wegen rechtlicher Probleme ebenso wenig, Dinge, die ich nie verstehen werde, das ist kein Rock´n´Roll. Doch bei diesen Überlegungen setzte sich der WHITESNAKE-Frontmann wieder mit den Klassikern seiner alten Band auseinander und kam auf die Idee jene mit seinem runderneuerten Line-Up neu einzuspielen. Dabei konnte der Mann schon öfter mit Neuaufnahmen seiner Vergangenheit glänzen, wie schlägt sich seine Truppe auf „The Purple Album"?

Gut, dem ewigen „Burn" noch etwas Neues abzugewinnen dürfte schwierig sein, weswegen es „The Cov" erst gar nicht versucht und sich hier sehr stark ans Original hält. Was allerdings sofort auffällt, ist dass der Sound zwar durchaus zeitgemäß ist, das Spiel aber ein paar Nuancen weicher als es ein Blackmore pflegt. Hier macht sich schon der Background bei einer Melodic Rockband wie NIGHT RANGER beim neuen Gitarristen Joel Hoekstra bemerkbar.
Zwar verzichtet er auf allzu aufdringliches Geschredder wie sein Vorgänger Doug Aldrich, doch dessen Stil war deutlich markanter. Lediglich in "You Fool No One" gibt es heftige Staccatos, wodurch der typische, hynotische Groove der Nummer auf der Strecke bleibt. Auch die bluesigen Schattierungen gelingen weder ihm noch Reb Beach so ganz, was prägnante Leadpassagen wie in "The Gypsy" oder "Love Child" auch etwas weichgespült ausfallen lässt.

Sicher kann man WHITESNAKE nicht vorwerfen, dass sie nicht versuchen würden, den Stücken eine neue Identität zu geben. Würde man die Originale nicht kennen, so käme man durchaus zur Annahme, dass das Material von der Band selbst stammt. Coverdale und seine Mitstreiter schaffen es, alles sehr homogen klingen zu lassen, was sich soundtechnisch ungefähr zwischen "Slide It In" und "Slip Of The Tongue" mit einer aktuellen Produktion niederschlägt.
Leider verfügt diese zwar über reichlich Druck, doch viele Arrangements leiden unter dem nicht sehr differenzierten Mix, wobei ich hoffe, dass dies nur an der MP3 liegt. Die eher weichen Anklänge gehen wohl nicht auf jenes Konto, denn das obliegt, wie erwähnt dem Spiel der zwei Sechssaiter. Da diese sehr in den Achtzigern agieren dürfen ein paar Gitarrenheldensoli nicht fehlen. Hier fällt noch negativ ins Gewicht, dass sie damit ausgerechnet die geniale, ruhige Überleitung in "Mistreated" wegdudeln.

Ein wenig mehr Mut hätten die beiden Herren ruhig beweisen können, da gefallen die Beiträge von Brian Ruedy an den Keyboards deutlich besser. Auf der einen Seite fehlt das ganz große Gefühl, auf der anderen die aggressiven Spitzen, und mit anderen Mitteln können sie wenig Akzente setzen. Nicht, dass sie ihre Sache schlecht machen, a den Vorgaben bissen sich schon ganz andere Saitendehner die Zähne aus. Da muss man den guten alten Tommy Aldridge schon eher hervor heben, der so manchem Titel wie "Lady Double Dealer" mit seinem trockenen Punch die nötige Würze gibt.

Interessant wird "The Purple Album" dann, wenn WHITESNAKE nicht nur die Lieder wie WHITESNAKE spielen, sondern sie umarrangieren. Das Slideintro bei "Might Just Take Your Life" ist so ein Fall, noch weiter geht man bei "Sail Away" und "Holy Man", welche akustisch dargeboten werden. Zwei meiner Lieblingsstücke hätte ich gerne anders gehört, doch bei erstem blieb die Melancholie erhalten, wenn auch leider nicht dieser schwere Funk, was die tollen Gesangsarrangements nicht wettmachen können. Und die ehemalige Glenn Hughes-Nummer kommt mit Coverdales Vocals besser und ist akustisch noch weiter an LED ZEPELLIN als es das Original eh schon war.

Ob dieses Album Sinn macht, muss jeder für sich selbst beantworten, besser werden die Songs nicht, aber eine frische Brise tut ab und an gut. Mir gefällt eben die Geschlossenheit, die vielen Coverversionen fehlt, wobei hier mit Coverdale als Co-Komponist auch die Adaption leichter fiel. Über weite Strecken lassen sich die allesamt großartigen und gut ausgewählten Titel gut hören, auch wenn da noch mehr drin gewesen wäre. Und ein neues reguläres Album wäre mir auch lieber gewesen. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 66:25 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 15.05.2015

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