moonspell extinctDie stolzen Iberer spielen in der Metalszene eigentlich gerade mal die dritte Geige, obwohl dort eine große Fanbase beheimatet ist. Aus Spanien schaffte es nie eine Band aus dem Underground heraus, lediglich im Rockbereich feierten die HEREOS DEL SILENCIO einst Erfolge. Im kleinen Portugal sind sie deswegen zurecht stolz auf MOONSPELL, die schon seit zwanzig Jahren des Geschehen im Dark Metal mitbestimmen. Die Band wurde zu der Zeit im Zuge der Gothic Metalwelle nach oben gespült und konnte als eine der wenigen die späten Neunziger mit den obligatorischen Elektronikexperimenten überleben. Seit „ The Antidote" 2003 sind sie wieder eine feste Größe in der Szene, auch wenn sie zuletzt nicht mehr die fleißigsten waren. Zwar kommen in regelmäßigen Abständen neue Scheiben, doch auf „Extinct" mussten die Fans auch wieder drei Jahre warten.

Am letzten Longplayer werkelten die Herren sogar noch länger, doch „Alpha Noir" war auch ein verhindertes Doppelalbum. Ohne den sehr keyboardlastigen, ruhigen, an TYPE O NEGATIVE angelehnten Zwilling „Omega White" funktioniert die verhältnismäßig harte Scheibe nicht ganz, auch wenn dieser nur als Special Edition erhältlich war. Heuer bewegen sich MOONSPELL wieder zwischen den beiden Polen, die sie zuletzt ausgereizt haben, man darf aber nicht annehmen, dass man hier beide Ansätze zusammen gewürfelt hat.

Dazu hat sich die Band immer zu sehr weiter entwickelt, auch wenn das Riff welches beim Opener nach einem getragenen Intro losbrettert durchaus hätte von „Alpha Noir" stammen können. Dies wiederholt sich im Laufe von „Breathe (Until We Are No More)" noch mehrmals, kann aber lediglich als Überleitung gewertet werden. Schon im Mittelteil drängen sich für die Verhältnisse der Portugiesen ungewöhnliche Keyboards auf, welche gegen Ende deutlicher zum Vorschein kommen.
Pedro Peixao setzt hier auf fast klassisch anmutende Orchestrierungen, die eine starke Filmscoreaffinität haben. Von den Tonlagen eher hoch angesiedelt wirken diese distanzierter und kühler als in der Vergangenheit, als die Tastentöne warm umschmeichelten. Auf die gewohnt starken Spannungsbogen wirkt sich das insofern aus, dass diese an Eindringlichkeit verlieren, dafür an Wucht gewinnen. So gibt es beispielsweise im sphärischen „Malingia" großes Breitwandkino zu bewundern.

Solche Weiterentwicklung ist aber immer von Nöten, um sich auch gegenüber der Konkurrenz weiter abzusetzen. Gerade ehemalige Weggefährten schimmern öfter durch, so mancher melodische Refrain, der auf bellenden Gesang folgt, wie im breit rockenden Titelsong, hat Spuren von CREMATORY. In Sachen Eleganz sind sie den Deutschen aber einiges voraus, was sie im schwebenden, mit vielen Akustikgitarren versehenen „Domina" beweisen.
Nicht leugnen können sie den Einfluss der SISTERS OF MERCY, schon weil die Gothic Rockanteile auf „Extinct" erhöht wurden. Auch hier bringen sie aber neue Ideen mit ein, „Medusalem" bietet orientalisches Flair sowie traditionelle Metalsoli und „Funeral Bloom" großes Drama. Gotisch gerockt wird weiterhin in „The Last Of Us", das an TIAMAT denken lässt, das blubbernde „The Future Is Dark" dafür eher an die progressive Phase der ehemaligen Labelgenossen.

Selbst wenn der nunmehr zehnte Longplayer gewisse Ähnlichkeiten zu anderen Bands aufweist, bleibt sich die Combo treu. Ihrem Hang zur konstanten Veränderung gehen sie weiter unbeirrt nach, hier werden wieder neue Ausdrucksmöglichkeiten erschlossen. Gerade die Keyboardparts kommen fast überall zum Tragen, so dass das Werk dicht und homogen wirkt. Dazu ist die Scheibe etwas straffer gehalten, einige Melodien hat einen leichten Popappeal. Und mit Fernando Ribeiros sinisterer Stimme haben MOONSPELL ohnehin einen hohen Wiedererkennungswert. Somit können ihre Fans auch hier bedenkenlos zugreifen, kein überragender, trotzdem starker Stoff einer der relevantesten Vertreter ihrer Zunft und ihrer Heimat. (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 45:58 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 06.03.2015

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