heat liveinlondonSie scheinen aktuell die Hair Metalband der der Stunde zu sein, während die Konkurrenz etwas auf der Stelle tritt geht es bei den Schweden immer weiter bergauf. Okay, aus Schweden stammen sie alle, das Erbe von EUROPE, die demnächst auch wieder etwas Neues veröffentlichen verpflichtet eben. Dabei ließen sich H.E.A.T. auch nicht von ein paar Line-Up-Wechseln aufhalten, der neue Frontmann Erik Grönwall ist mittlerweile etabliert und erwies sich als Glücksgriff. Der letzte Longplayer "Tearing Down The Walls" konnte sich hierzulande in den Charts platzieren, und auch in England scheint die Truppe angesagt, auch wenn es die Musikfans von der Insel normalerweise erdiger mögen. So konnte man eine gut besuchte Headlinertour durch ganz Europa fahren, welche die Truppe auch in "The Garage" in London führte. An diesem 16. Mai 2014 wurde dort das nun erscheinende "Live In London" mitgeschnitten.

Und jener Grönwall gibt von Beginn den Ton an, direkt nach dem Intro kommt er raus und feuert die Menge unentwegt an. Auf diesem Konzertmitschnitt ist dies förmlich spürbar, man sieht den Mann vor dem geistigen Auge des Hörers am vorderen Bühnenrand entlang sprinten, und um jeden Zuschauer kämpfen. Dabei ist das gar nicht nötig, die Fans machen sich von der ersten Sekunde an bemerkbar. Bereits der erste Song wird lauthals mitgesungen, immer wieder von dem Frontmann dirigiert.
Was gab es da Kritik an seiner Verpflichtung, aber Castingopfer werden ja aus künstlerischer Sicht gerne ein wenig belächelt. Und so nahm niemand den überdrehten Blondschopf ernst, doch ebenjene Eigenschaft ist es, die ihn auf der Bühne zum formidablen Entertainer mutieren lässt. So frisst ihm das Publikum aus der Hand, während er die große Show abzieht, aber solche Typen braucht es im Rock´n´Roll, Neunzigerlangweiler gab es jetzt genug.

Dieser Power wollen seine Nebenleute in nichts nachstehen und geben auch entsprechend Gas, ihr Spiel gerät ungeheuer druckvoll. Das Drumming von Crash ist es, welches die Stücke voran treibt, aber auch der Rest spielt sehr geschlossen zusammen. H.E.A.T. versprühen eine ungeheure Frische, die selbst auf einem Audiomitschnitt noch ankommt. Sogar die Soundlöcher, die der zweite Gitarrist Dave Dalone hinterließ, sind Eric Rivers mit seinem Keyboarder Jona Tee in der Lage zuzustopfen.

Dabei klingt das alles sehr direkt, der Livesound, welcher mehr Ecken und Kanten offenbart, wurde gut eingefangen. Alles ist differenziert heraus gemischt, auch ohne alles zu glatt zu produzieren, was das Klangbild sehr lebhaft erscheinen lässt. Natürlich sind Nummern wie „Tearing Down The Walls" oder „In And Out Of Trouble" mit so einem dicken Zuckerguss überzogen, dass so mancher Konditor wegen Rohstoffknappheit um seine Existenz fürchten muss. Da dies dennoch nicht den rauen Charme des Tondokumentes stört, muss man einfach konstatieren, dass so etwas beim Hair Metal einfach dazu gehört.

Bewiesen haben es die Jungs mit ihrem letzten Studiowerk ohnehin, dass sie ihre Direktiven auch in erwachsenere Arrangements verpacken können. Leiden tut diese angenehme Naivität jedenfalls nicht darunter, was in „Mannequin Show" oder „Emergency" bewiesen wird. Im Londoner Set steht jenes auch im Vordergrund, während nur je ein Titel aus den Alben mit Kenny Leckremo zum Besten gegeben wird. Bei den Stücken ist Grönwall einfach zuhause, und kann die Meute am meisten mitreißen. Diese wurde ebenfalls optimal eingefangen, so dass man sich auf „Live In London" wirklich mittendrin im Geschehen wähnt.
Es war ja schließlich ein Liveauftritt, der mich auf die Combo aufmerksam machte, und die Qualitäten wurden hier beeindruckend festgehalten. Regelrecht greifbar ist der Spannungslevel zwischen Band und Publikum, man hat nie den Eindruck, dass sich da nur ein paar Hunderte im Saal befinden, vielmehr würde man den Gig in eine Arena verorten. Deswegen muss diese Scheibe gekauft werden, und alle anderen von H.E.A.T. auch. Damit sie ganz groß werden, denn diese Songs gehören ins Stadion. (Pfälzer)

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 15
Spielzeit: 66:52 min
Label: EAR Music
Veröffentlichungstermin: 20.02.2015

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