NapalmDeath ApexPredatorWo soll man bei NAPALM DEATH anfangen? Die Bedeutung dieser Ausnahmeband ist nicht in ein paar Sätze zu fassen, und es gibt kaum einen, der sich für Musik im Allgemeinen interessiert und diese Band nicht kennt. Auch nach 30 Jahren lassen uns die britisch-amerikanischen Mannen nicht im Stich und hauen „nur" drei Jahre nach dem letzten Output „Utilitarian" ihr aktuelles Werk „Apex Predator – Easy Meat" um die Ohren, mit neuem Titelkonzept, neuartigem Artwork und einer neuen, wenn auch nicht ganz unbekannten musikalischen Herangehensweise. Dabei ist diese Combo allgegenwärtig, ununterbrochen auf Tour und ständig in Nebenprojekten aktiv. Hier scheint eine ungebrochene Begeisterung neu definiert werden zu müssen.

Ist es nun wirklich ein neues Kapitel in der Geschichte von NAPALM DEATH? Man kann ihre Diskografie ja schon in verschiedene Phasen unterteilen. Von der reinen Knüppelkapelle über handfesten Death Metal bis rüber zum Experimentellen und wieder zurück zum Deathgrind haben die Jungs auch hier kräftig alle zahlreichen Einflüsse ihrer Karriere in die Grundsubstanz ihrer Musik eingerührt und einen neuen scharf-kritischen Weltspiegel vertont.
2015 schmeckt man diese Einzelzutaten weiterhin heraus, aber noch um einiges intensiver, ohne dabei das Gesamtaroma zu verdrängen.

Ist man mal über das Intro hinaus, ist man auch gleich wieder mit voller Wucht in die graue Welt von NAPALM DEATH katapultiert. Aber gerade dieser Titeltrack stellt einen wirklich schwer verdaulichen Brocken dar. Auch wenn man mittlerweile so einiges gewohnt ist, ist dieses Extrem doch recht befremdlich und schürt Bedenken über den Verlauf der restlichen 13 Songs. Es erinnert doch sehr an ihre Vorbilder SWANS oder auch KILLING JOKE der Anfangstage. Dann ist der Einsteiger auch schon fast das längste Stück auf dem Album. Allerdings wird man auch direkt wieder mit Erleichterung belohnt, sobald die Video-Auskopplung „Smash A Single Digit" durch die Boxen donnert, und auch die restlichen Hassbatzen folgen dieser Vorgabe mehr oder weniger. Hier ist bei allem Geballer kein Song dem anderen ähnlich, und jedes Stück birgt eine Menge Überraschungs- und Innovationsmomente. Von Stagnation kann also hier gar keine Rede sein, und für mich grenzt das schon an Genialität, dass sich eine Band nach 30 Jahren und 15 Studioalben immer noch so stark neu definieren kann, und das in einem Genre, dessen Grenzen eigentlich von oben betrachtet sehr eng gesteckt sind.

Das tägliche Leben und Erleben auf unserem Planeten liefert allerdings ausreichend Material, neue musikalische Eindrücke zu schaffen und Wut, Raserei und Chaos zu erzeugen und in eine neue Form zu gießen. Wie abwechslungsreich das dann letztendlich klingen kann, beweist „Apex Predator – Easy Meat" mit jedem Durchlauf. Eine Steigerung des Extremen scheint für NAPALM DEATH kein Problem zu sein, und gerade das Paradoxon von Gegensätzlichem oder auch sich gegenseitig Ausschließendem beherrscht die geballte Ladung Grind in den rund 40 Minuten Spielzeit. Abgesehen vom Titeltrack erwarten einen noch weitere Überraschungen, die die Kritiker vorheriger Alben wohl weiterhin skeptisch begutachten; es wird im mittlerweile gewohnten fulminanten Soundgewand von Langzeitkamerad Russ Russell mit Stimmvariationen experimentiert, mit Tempovariationen, mit Bestandteilen aus artfremden Genres und untypischen Songstrukturen. NAPALM DEATH darf das.

NAPALM DEATH sind eine uneinnehmbare Festung, die niemals ihre Herkunft verleugnen werden und schmerzhaft ehrlich ihr Ding durchziehen, unaufhaltsam und unüberhörbar. Sie strotzen vor Kreativität und musikalischem Antrieb und erlauben sich alles, weil sie sich nicht in eine Schublade einsperren lassen.
Ein weiteres Meisterwerk einer der einflussreichsten und meines Erachtens respektabelsten Bands der Szene meldet sich zurück, massiver denn je, und trotzen allen Gerüchten der musikalischen Instabilität. Die neu gesammelten Erfahrungen und Ereignisse werden auch bei Album Nummer 15 musikalisch verarbeitet und authentisch reflektiert, mit einem hohen Maß an Brutalität und unerbittlicher Härte, dabei aber weiterhin überaus sympathisch und todesehrlich. Je suis Easy Meat! (Jochen)


Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 40:04 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 26.01.2015

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