jimihendrix rainbowbridgeWenn von Gitarrenhelden gesprochen wird, dann kann man fast alle Namen, die genannt werden eindeutig im Blues verorten. Egal ob nun Chuck Berry, Keith Richards, Jeff Beck oder Jimmy Page, alle haben sie ihre Wurzeln im wohl ursprünglichsten Stil der Rockmusik. Und auch heute ist die junge Garde der großen Sechssaiter um Joe Bonamassa und Derek Trucks in der Musik des schwarzen Mannes beheimatet. So ist es nicht verwunderlich, dass der wohl größte Saitenartist aller Zeiten ebenfalls als Blueser angefangen hat. Dieses Korsett wurde JIMI HENDRIX schnell zu eng, doch vor seinem Tod konnte er nur wenig von dem umsetzen, was noch alles möglich gewesen wäre. Vieles aus seinen letzten Aufnahmen wurde postum veröffentlicht, die beiden ersten Scheiben sind gerade neu gemastert wieder aufgelegt worden. Neben der bereits besprochenen „The Cry Of Love" erschien auch „Rainbow Bridge" noch einmal.

Das Material wurde seinerzeit von Tontechniker Eddie Kramer und EXPERIENCE-Drummer Mitch Mitchell zusammen gestellt, als Studioassistent fungierte John Jansen. Ursprünglich waren diese Lieder für das Doppelalbum „First Rays Of The New Rising Sun" gedacht, mit dem JIMI HENDRIX die EXPERIENCE wieder an den Start bringen wollte. Da dies leider nicht mehr erscheinen konnte fügten Kramer und Mitchell die vorhandenen Fragmente zusammenfügen. Welche Vision der Meister wirklich dahinter sah, konnten die beiden nach seinem Tod nur erahnen. Eingespielt wurden diese zum großen Teil von Mitchell und dem Bassisten Billy Cox, einmal ist mit Mitchell und Noel Redding das ursprüngliche Three-Piece vereint.

Die Neufassung wurde von Bernie Grundmann von den originalen Masterbändern remastert und ist als CD oder LP erhältlich. Das Mastering fällt differenzierter aus als die ursprüngliche Version, wobei die klangliche Gewichtung erhalten bleibt. Gerade das vorliegende 180g Vinyl bringt den Songs mehr Tiefe. Das Cover wurde ebenfalls beibehalten, inklusive aller Photos im Inneren der Gatefold-Hülle, die abgedruckten Lyrics lassen sich allerdings nur schlecht lesen. Auf Bonusmaterial oder Liner-Notes wurde zugunsten der Authentizität verzichtet, und die Credits fallen umfangreicher aus als bei „The Cry Of Love".

Durch den Untertitel wird die Scheibe als Soundtrack zum gleichnamigen, experimentell-dokumentarischen Musikfilm angepriesen. In Wirklichkeit fanden keine von den ein Jahr zuvor dazu gedrehten Aufnahmen Verwendung in dem Film. Lediglich ein paar Schnipsel, von dem was auf der Scheibe zu hören ist, stammt auch tatsächlich von dem Album. Wem dieser Marketing-Gag nun mehr nützte, lässt sich schwer beantworten, aber ich denke, dass es den Film ein wenig gefördert hat, dass JIMI HENDRIX mitgemischt hat. Mit seinem Namen wurde nach seinem Tod noch viel Geld verdient, geändert hat sich daran bis heute nichts.

Leider sank die Qualität des aus den Archiven hervor gekramten Materials zusehends, was man vor allem an den zwei Veröffentlichungen aus diesem Jahrzehnt sieht. Auf „Rainbow Bridge" hingegen sind noch die Ergebnisse von Aufnahmen vorhanden, an denen der Meister selbst gearbeitet, und nicht schon lange verworfen hat. Dabei gelang es Kramer und Mitchell aus den vorhandenen Songs zwei differenzierte Scheiben zusammen zu stellen, denn die zweite posthume Veröffentlichung war anders als „The Cry Of Love".

Während sich da rockige Songs und sehr ruhige Nummern ablösten, kommen hier die eher funkigen und abgefahrnen Stücke zum Zug. Ein tiefer Bass bringt den treibenden Rhythmus für den Opener „Dolly Dagger", dem es ein wenig an Linie fehlt. Die beiden Produzenten haben die psychedelische Note nicht komplett mit dem Rest vereinbart bekommen, auch hier taucht wieder das Problem auf, dass keiner wusste, in welche Richtung der Komponist letztlich hätte gehen wollen.
Konsistenter fällt da im Anschluss der „Earth Blues" aus, bei dem Hendrix mit viel Leadeinsatz brillieren kann. Interessant ist vor allem die Soulschlagseite, für den Backgroundgesang konnte er noch einmal die RONETTES zusammentrommeln. Ebenfalls sehr funky präsentiert sich „Look Over Yonder", welches mit mehr Drive ein bisschen an „Crosstown Traffic" erinnert.

Mit dem Instrumental „Pali Gap" versuchte sich der Saitenhexer ein wenig an Weltmusik. Ein gewisser Latino-Appeal lässt an SANTANA denken, doch seine Art zu spielen war sehr anders, hier bringt er viele sphärische Effekte ein. Das ebenfalls nicht vollständig durchdachte „Room Full Of Mirrors" kommt ausgesprochen fröhlich rüber. Flirrende, psychedelische Soundexperimente stehen den weltmusikalischen Einflüssen gegenüber. Was man von dieser Version von „Star Spangled Banner" halten soll, weiß ich nicht so recht, die Frage ist, ob er das ernst meinte. Schließlich zerlegte er eben jene Nationalhymne auf der Bühne von Woodstock, eine Version, die dem geneigten Hörer wohl so im Ohr ist, dass einem das hier befremdlich vorkommt.

Mit „Hear My Train A Comin´" beinhaltet "Rainbow Bridge" den sicher bekanntesten Titel, der nach dem Tod des Gitarristen erschien. Hier zeigt der Song, der einem Dokumentarfilm den Namen gab, dass er das Feld, des Slow Blues, das er oft ignorierte auch beherrschte. Der Bass spielt das typische Bluesschema über die elf Minuten durch, Hendrix soliert dazu großartig, variiert das Tempo, was eine unglaubliche Dynamik erzeugt. Der Rausschmeißer „Hey Baby (New Rising Sun)" funktioniert ähnlich, spielt aber mit progressiven Noten. Das rockige Intro wurde vor kurzen von JOE BONAMASSA auf dessen neuer Scheibe gecovert. Mir persönlich gefällt „The Cry Of Love" noch ein wenig besser als „Rainbow Bridge", aber beides sind wohl die beiden postumen Alben, mit denen JIMI HENDRIX am zufriedensten gewesen wäre. (Pfälzer)

Bewertung: - / -

Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 42:22 min
Label: Legacy Recordings/Sony Music
Veröffentlichungstermin: 17.10.2014

 

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