lunaticsoul flashlightbeamIn den letzten Jahren mauserten sich RIVERSIDE zum vielversprechendsten Rockexport Polens. Vor allem die Kritiker überschlagen sich immer mit Lob für ihre tolle Mixtur aus Art und Progressive Rock. Während man auf den beiden letzten Alben gradliniger und rockiger wurde, gingen die sphärischen Anteile an ihrer Musik etwas zurück. Da diese Ideen weiterhin aus Chefdenker, Bassist und Sänger Mariusz Duda heraus sprudeln, nutzte er diese für sein Soloprojekt LUNATIC SOUL. Die ersten drei Veröffentlichungen waren miteinander verbunden, neben dem schwarzen und weißen Album gab es noch „Impressions", die instrumentale Resteverwertung dieser Sessions. Die derzeitige Pause bei seiner Hauptband nutzte er nun, um wieder etwas völlig Neues, unter dem Titel „Walking On A Flashlight Beam" zu erschaffen.

Dabei sind die alten Parameter alle vorhanden, diese ätherischen Momente, die so unberührt vor sich hin fließen, der samtweiche Gesang Dudas und die sparsame Instrumentierung. Im Gegensatz zu RIVERSIDE werden die Arrangements nicht vollgepackt, sondern den Tönen mehr Raum gegeben. Zu Beginn perlen sie nur vereinzelt aus der völligen Stille hervor, Synthietupfer, die irgendwo umhergeistern. Mehr noch als bei PINK FLOYD werden die Motive ausgereizt, die sich nur sehr langsam entwickeln.
Geschlagene fünf Minuten dauert es bis zum ersten Mal das unverkennbare Bassspiel des Polen auftaucht. Ein paar Töne auf der Akustikgitarre, flirrende Synthesizer und verhallter Gesang, mehr braucht es nicht, um eine immense Stimmung zu erzeugen. Und doch kommt bei den zum großen Teil langen Tracks nie Langeweile auf, LUNATIC SOUL gelingt es immer die Spannung hoch zu halten, den Hörer mit geringen Mitteln zu fesseln. Die Scheibe lässt immer den Eindruck entstehen, dass man in den mäandernden Läufen eine Biegung verpasst.

Die zweite Nummer „Cold" taucht noch tiefer in psychedelische Weiten ein, wobei der Bass latent fordert. Diese unterdrückte Intensität wartet eigentlich nur auf den Ausbruch, doch der Song verlässt seine ruhige Bahn nie, was noch mehr in den Bann zieht. In der Art hätte der Titel auch auf „Rapid Eye Movement" stehen können. Ähnlich funktioniert auch das vom Piano dominierte „Treehouse", welches aber nicht so düster wie große Teile des Werkes daher kommt und an PORCUPINE TREE in ihrer mittleren Phase erinnert.
Es ist immer wieder erstaunlich wie reif die Kompositionen von Duda mittlerweile sind, er kann die ganzen Emotionen in seiner Musik gut kontrollieren. Die ersten Scheiben seines zweiten Standbeines klangen noch eher wie Outtakes, nun wirkt alles durchkonzipiert. Auf „Walking On A Flashlight Beam" wird die Atmosphäre minutenlang aufgebaut, die langsamen Steigerungen erzeugen eine hypnotische Wirkung, die einen völlig gefangen nimmt. Brillant wird das Spiel mit den unterschiedlichen Klangfarben in „The Fear Within" umgesetzt, wenn die Akustikgitarre schleichend die Basslinie übernimmt.

Ebenso sehr reduziert geht es in „Gutter" zu, bei dem nur der Gesang und der Bass als führend zu vernehmen sind, die Klangcollagen sind völlig im Hintergrund. Hier singt der Mastermind auch wieder wunderbar betörend, wie man es von ihm liebt. Zum Ende der Scheibe hin öffnet sich dann alles in raumgreifende, ambiente Flächen, alles zerfließt noch vielmehr. Man versinkt völlig und treibt der Coda des abschließenden Titelsongs entgegen. Traumwandlerisch schöne, einzeln angeschlagene hohe Gitarrentöne, die von genau getimten Drumschlägen getragen werden, das ist Art Rock in Vollendung.

Die Songs stehen zwar für sich alleine, es wäre aber vielleicht noch größer gewesen, wenn, man die cineastischen Klanglandschaften zu einem durchgehenden Stück verbunden hätte. Das würde noch mehr Spannung aufbauen und wäre durchaus der Arrangierweise von MIKE OLDFIELD näher gekommen, die ab und zu durchscheint. Mit „Walking On A Flashlight Beam" emanzipiert sich Mariusz Duda endgültig von seinem Hauptbetätigungsfeld und gibt LUNATIC SOUL eine eigene Relevanz. Nur der charakteristisch verzerrte Sound erinnert noch an RIVERSIDE. Vor allem Fans, welche mit deren zuletzt eingeschlagenen Weg nicht so gut können, dürften hieran ihre Freude haben. (Pfälzer)

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 64:01 min
Label: KScope/Edel
Veröffentlichungstermin: 17.10.2014

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