jimihendrix thecryofloveEr musste erst nach England gehen, wo in der Mitte der Sechziger Jahre ein Bluesrock-Boom herrschte, um seine Karriere anzuschieben. Dort gründete JIMI HENDRIX seine EXPERIENCE und wurde mit dem Debüt zum Star. Seine Rückkehr in die Staaten 1968 glich einem Triumphzug, als Höhepunkt zündete er beim Monterey Festival während „Wild Thing" rituell seine Gitarre an. Doch nicht nur dieser Moment sorgte dafür, dass in der Rockmusik danach nichts mehr war wie zuvor. Noch im selben Jahr erschienen zwei weitere bahnbrechende Alben, bevor er sein Trio auflöste und die BAND OF GYPSIES gründete. In Woodstock wurde er endgültig zur Legende, während er musikalisch immer auf der Suche nach neuen Horizonten war. Sein Schaffen endete am 6. September 1970 beim Fehmarn Open Air, zwölf Tage später war JIMI HENDRIX tot. Seitdem sind mehr Alben von ihm erschienen als zu seinen Lebzeiten, den Anfang machte „The Cry Of Love" 1971, das nun neu aufgelegt wurde.

Seinerzeit wurde das Material von Tontechniker Eddie Kramer und EXPERIENCE-Drummer Mitch Mitchell zusammen gestellt. Ursprünglich waren diese Lieder für das Doppelalbum „First Rays Of The New Rising Sun" gedacht, das nicht mehr erscheinen konnte. Kramer und Mitchell konnten auch nur die vorhandenen Fragmente zusammenfügen, welche Vision der Meister dahinter wirklich sah, konnten sie nur erahnen. Eingespielt wurden diese von Mitchell und dem Bassisten Billy Cox, dazu gesellten sich Gastmusiker wie Steve Winwood oder der Bassist der EXPERIENCE, Noel Redding.
Die Neufassung wurde von Bernie Grundmann von den originalen Masterbändern remastert und ist als CD oder LP erhältlich. Das Mastering fällt differenzierter aus als die ursprüngliche Version, wobei die klangliche Gewichtung erhalten bleibt. Gerade das vorliegende 180g Vinyl bringt den Songs mehr Tiefe. Das Cover wurde ebenfalls beibehalten, inklusive aller Photos im Inneren der Gatefold-Hülle. Auf Bonusmaterial oder Liner-Notes wurde zugunsten der Authentizität verzichtet.

Natürlich sind die Endversionen wohl nicht so wie sich Hendrix das gedachte hatte, dennoch ist es schön, dass diese Aufnahmen nicht in irgendwelchen Archiven verstaubt sind. Klar klingen einige Stücke etwas unfertig, doch befeuern sie dadurch noch mehr die Theorien, was da hätte noch kommen können. Ob die relativ konventionellen Titel so auch bei der Legende selbst aus dem Studio gegangen wären, darf bezweifelt werden. „Freedom" vielleicht, ein straighter Bluesrocker mit ganz typischen Leadgitarren, der das Album eröffnet. Bei „Angel" bin ich mir da weniger sicher, denn die Nähe zum Klassiker „Little Wing" ist doch deutlich. Im Studio hätte er es sicher noch weiterbearbeitet, die Klangflächen am Ende geben eine ungefähre Richtung vor.

„Drifting" hingegen ist so ein Song, der die ganze Innovationskraft von JIMI HENDRIX deutlich aufzeigt. Für seine Verhältnisse sehr melodisch und atmosphärisch sind es die gleissenden Leadfills, die aufhorchen lassen. Hier kommt eine psychedelische Note mit herein, aber auf andere, weniger abgedrehte Weise. Hier wird fast die Entwicklung von PINK FLOYD vom Psychedelic hin zum Prog vorweg genommen. Entweder waren diese eher unbekannten Tracks immer noch prägend genug, oder gebar die stilistisch sehr freie und produktive Ära an zwei Orten eine ähnliche Idee.

Derartige Überlegungen muss man bei „Ezy Rider" gar nicht anstrengen, wie wegweisend das Stück ist, hört man am besten bei „Are You Gonna Go My Way" von LENNY KRAVITZ. Sowohl das Grundriff als auch das Drumshuffle dürften beim weitaus populäreren Hit Pate gestanden haben. Das Wechselspiel aus druckvollen Riffs und aggressiven Soli in „In From The Storm" hingegen, wurde so zur Blaupause für viele Hard´n´Heavy-Acts.
Auch sonst schien die Kreativität des Mannes zu blühen, dem Slow Blues „My Friend" verpasste er eine witzige Note. Der Text dazu ist der einzige, der auf der Rückseite der Platte abgedruckt ist. Ebenso reduziert bluest sich der Gitarrenmagier durch den Rausschmeißer „Belly Button Window". Hier agiert er ohne Begleitung nur auf seiner Akustischen, der Clou dabei ist, dass er diese durch ein Wah-Wah spielt, was bislang unbekannte Sounds zu Tage fördert.

Ein Jammer, dass Hendrix diese Sachen nicht mehr fertig stellen konnte, er hätte sicher noch ein paar neue Facetten dazu experimentiert. Was aber bleibt, ist sein explosives, überragendes Spiel, das hier glücklicherweise für die Nachwelt eingefangen wurde. Und wenn auch nur, um aufzuzeigen, welchen Einfluss er auf alle möglichen Genres hatte. Selbst wenn die „The Cry Of Love" nicht an die Qualität der EXPERIENCE-Alben heran kommen kann, so ist es doch ein wichtiges Zeitdokument, welches dem wohl größten Gitarristen aller Zeiten zu Ehren gereicht. Die sorgfältig erneuerte Version rückt dieses Vermächtnis noch ein bisschen besseres Licht. (Pfälzer)

Bewertung: - / -

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 39:48 min
Label: Legacy Recordings/Sony Music
Veröffentlichungstermin: 17.10.2014

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