amulet thefirstWer sich auf Promofotos mit einem Ford Capri ablichten lässt, hat entweder Stil oder hängt bedingungslosen vergangenen Zeiten nach. Im Falle der britischen Metalnewcomer dürfte vor allem zweites ausschlaggebend sein, denn musikalisch orientieren sie sich ganz klar an der NWOBHM der frühen Achtziger. Im Zuge diverser Retrobewegungen hat auch der traditionelle Metalunderground ordentlich Zulauf. In dem sind die Jungs auch sehr aktiv, Gitarrist Heathen Steven ist neben Fenriz von DARKTHRONE Mitveranstalter des Live Evil-Festivals, bei dem der Untergrund alljährlich aufspielt. Ein weiteres Indiz für die Do-it-yourself-Attitüde ist Bassist Bill Dozer, der als professioneller Tätowierer auch die Cover der Band zeichnet. Nach der EP „Cut The Crap" vor drei Jahren steht jetzt mit dem etwas einfallslos betitelten „The First" das Debüt von AMULET in den Läden.

Doublebasssperrfeuer, pfeilschnelle Leads und polternde Riffs, der Opener überfällt den Hörer direkt ohne Umschweife. Eine gewisse Affinität zu ANGELWITCH kann die Nachwuchshoffnung mit „Evil Cathedral" nicht verleugnen. Alleine der Songtitel reicht, um zu sehen wie sehr AMULET sich auch in den Klischees jener Zeit suhlen. Der Sound ist so räudig wie der Straßenkater aus Guiseppe Guareschis Pinocchio. Und das soll er auch sein, roh, schmutzig, kantig, kompromisslos, ohne Schnörkel, direkt auf den Punkt. Hier werden weder Gefangene gemacht, noch irgendwelche Zugeständnisse an andere Hörerschichten.

Die Briten fühlen sich voll und ganz dem Underground verpflichtet, was sich durch ihr ganzes Auftreten zieht. Natürlich verwehrt das vielen den Zugang zu ihrer Musik, aber man will einfach unter sich bleiben, will die Essenz des Heavy Metal weiter tragen. Da dürfen Anleihen an die Riffmeister schlechthin, BLACK SABBATH nicht fehlen. Im folgenden „Glint Of The Knife" wird das Tempo zugunsten schwerer Riffs gedrosselt, aber auch im Rhythmusbereich erinnert einiges an Iommi und Co.. Immer wieder tauchen diese typischen, rollenden Drumbreaks auf, welche die Altmeister in den Seventies häufig verwendeten.

Im weiteren Verlauf werden immer wieder typische Stilmerkmale aus dieser Zeit verwendet. Beim ebenfalls schleppenden „The Gauntlet" oder dem rockigen „Bloody Night" ist dieser klimpernde Bass sehr präsent, wie ihn die Untergrundhelden SLEDGEHAMMER häufig benutzten. Gerne dürfen die Refrains auch mal hymnenhaft sein wie beim Up-Tempo-Banger „Wicked ´n Cruel". Dieses hymnische haben auch die melodischen Leads im Instrumental „Talisman".
Warum man zwei Songs ohne das sirenenartige Organ von Jamie Elton direkt hintereinander stellt, weiß ich auch nicht so genau, denn mit „The Flight" geht ein reines Keyboardintro voran. Dies fällt aber ebenso karg und reduziert aus wie der Rest der Scheibe. Über die gesamte Spielzeit bringen sie die komplette Bandbreite des Genres an den Start, von Stampfern wie „The Sacrifice", bis treibenden, an BLITZKRIEG angelehnten Stücken wie „Black Candle".
Doch nicht nur deren Einfluss ist hier allgegenwärtig, vieles hat man schon so ähnlich irgendwo gehört. IRON MAIDEN oder TYGERS OF PAN TANG lugen immer mal wieder hervor, doch insgesamt gelingt es dem Fünfer eine eigene Note einzubringen. Der Zielgruppe wird es ohnehin egal sein, ob die Klänge allzu vertraut sind. Schließlich meidet der wertekonservative Traditionsmetaller ja Experimente wie der Teufel das Weihwasser und kann dementsprechend die mangelnde Weiterentwicklung verschmerzen.

Man muss „The First" zugute halten, dass hier die Attitüde einfach stimmt, dass die Jungs nicht nur reden, sondern auch das Ding wirklich durchziehen. Die Power und das Ungestüme, mit dem AMULET hier zu Werke gehen, sind schon überzeugend. Hier ist kein Ton zuviel, auch bei den Soli beschränkt sich Nippy Blackford auf das Wesentliche, die durchschnittliche Songlänge übersteigt kaum die drei Minuten. Mir persönlich wäre ein wenig Musikalität lieber gewesen, die Vorbilder haben einfach die besseren Songs am Start. Für Szenejünger und Kuttenträger ist das Album auf jeden Fall eine Empfehlung wert. (Pfälzer)

Bewertung: 6,5 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 41:16 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 19.09.2014

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