evergrey hymnsforthebrokenEVERGREY scheinen ja schon immer ein Faible für außergewöhnlich häßliche Plattencover zu haben (mit Grauen denke ich zurück an die letzte Scheibe „Glorious Collision“) und so sieht auch das Cover zur neuesten Scheibe der Schweden aus, als hätten sie das Design von einem 50er-Jahre-DDR-Wahlplakat gemopst. Zum Albumtitel „Hymns For The Broken“ paßt es jedoch wieder und von daher wollen wir das mal grade noch so durchgehen lassen.

Gleichzeitig hoffen wir, daß die Scheibe besser wird als die letzte, schließlich ist das Cover auch nicht ganz so grausam. Und was soll ich sagen? Das Intro „The Awakening“ ist ganz typisch für EVERGREY, zeigt das, was mich schon immer an der Band etwas störte: Zu viele Soundsamples. Ist ja ganz nett, nervt aber auf Dauer. Beim Spoken Word-Part kann man dagegen schön Stimmung aufbauen, die dann im ersten Song, „King Of Errors“ mündet.

Und da muß ich sagen: Hut ab! Einen solchen Song hätte ich von der Band ehrlich gesagt nicht erwartet, da ich die letzten Alben immer eher als Mittelmaß empfand. Aber „King Of Errors“ hat so ziemlich alles, was ich mir von einem guten EVERGREY-Song erwarte: Schöne Gitarrensoli, einen Ohrwurmrefrain, ein wenig erinnert er an die alten Sachen der Band und überhaupt ist das einfach ein guter Song.  Sehr sehenswert ist auch das Video dazu (werden die eigentlich von Stena Line gesponsert?).

Und so stark, wie „King Of Errors“ begonnen hat, so stark geht es mit „A New Dawn“ weiter. Zwar ist der Gesang – für EVERGREY typisch – in den Strophen etwas sperrig, der Song begeistert aber dennoch mit starkem Refrain und schönen harten Gitarren. „Wake A Change“ hat einen leicht poppigen Einschlag, läßt aber dennoch nicht die notwendige Härte vermissen und ist ebenfalls ein gelungener Song, der sofort ins Ohr gehtUnd so geht es eigentlich weiter bis zum Ende der Scheibe. Ich muß ja gestehen, daß ich mit den meisten Scheiben der Band nach „The Inner Circle“ wenig anfangen konnte. Gefiel mir einfach nicht. Aber „Hymns For The Broken“ kann meine alte Begeisterung für die Band wieder wecken. Schlechte Songs sucht man auf diesem Album vergebens, einzig „The Fire“ fällt unter „Durchschnitt“. Und dann gibt es natürlich noch die Quotenballade „Missing You“, die mir dann doch einen Tick zu schnulzig ausgefallen ist, aber dafür ist es auch der kürzeste Song der Scheibe.

Daneben gibt es aber auch Songs wie das großartige „Black Undertow“, das neben einer guten Portion Härte auch jede Menge sphärische, ruhige Parts bietet und bei dem Mainman Tom Englund zeigt, was er so alles kann. Wirklich großartig. Auch ansonsten findet man auf dem Album alles, was man als EVERGREY-Fan so braucht. Schöne harte Gitarren, um ordentlich abrocken und bangen zu können, ruhige Parts zum Träumen, ein wenig sperriges Material zum Nachdenken und so einige Spoken Word-Einspielungen und auch den ein oder anderen Chor.

Die Band, die nun wieder fast im alten Line-Up besteht, liefert damit das beste Album der letzten Jahre ab. „Hymns For The Broken“ kann – mit einigen leichten Abstrichen – von vorne bis hinten begeistern. Hätte ich den Schweden so nicht unbedingt zugetraut, aber es freut mich natürlich umso mehr. Die letzten Alben fand ich immer etwas langweilig und fad, dieses hier kann ich mir ohne Probleme mehrmals hintereinander anhören, ohne daß ich dessen überdrüssig werde. Da hoffe ich nur, daß es bald auch eine Tour zum Album geben wird.  (Anne)


Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 60:49 min
Label: AFM Records
Veröffentlichungstermin: 26.09.2014

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