berniemarsden shineEs gibt kaum einen Rockfan, der nicht eine Platte im Schrank stehen hat, auf welcher der Brite nicht mitgespielt hat. Seine Karriere begann bei UFO noch bevor Michael Schenker dorthin wechselte. Richtig bekannt wurde BERNIE MARSDEN Ende der Siebziger als ihn David Coverdale zu WHITESNAKE holte. Zusammen mit Micky Moody bildeten sie mit ihren melodischen Twinleads das Herz der Hardrocker. Auch nach dem Ausstieg der beiden spielten sie noch oft miteinander, sei es bei ALASKA, in den Neunzigern als MOODY MARSDEN BAND oder mit Bassist Neil Murray als drittem „M" unter dem Banner COMPANY OF SNAKES. Dazwischen fand der Mann immer wieder Zeit ein paar Soloalben aufzunehmen. Gerade im Zuge des Blues-Revivals steht er aktuell wieder hoch im Kurs, beim Classic Rockfestival auf der Loreley wurde er abgefeiert, nun steht mit „Shine" der sechste Soloausflug in den Regalen.

Dass ein so renommierter Musiker bei so einem Unterfangen natürlich auf eine ganze Reihe prominenter Gäste zählen kann, versteht sich von selbst. Während er selbst fast alle Gitarren und zum Teil auch die Bassläufe einspielt, rühren unter anderem Jimmy Copley (MAGNUM, MANFRED MANN) und kein Geringer als Ian Paice von DEEP PURPLE die Kessel. Sein Kollege Don Airey konnte für ein paar Orgelsoli gewonnen werden. Und das Solo beim Titelsong steuerte die derzeitige Blues-Eminenz JOE BONAMASSA bei. Damit revanchiert er sich für den Song „A Place In My Heart", welchen er von BERNIE MARSDEN auf seinem letzten Album coverte.

Zum größten Teil setzt der Bluesrocker auf Eigengewächse, beim Auftakt „Linin´ Track" handelt es sich jedoch um eine Bearbeitung des traditionellen Blueschants „". Den haben 1987 bereits AEROSMITH in „Hangman Jury" erfolgreich neu interpretiert. Dabei gefällt mir die Version der Bostoner wegen des höheren Melodiegehaltes besser, hier wird zu viel mit Effekten gearbeitet. Generell hält sich der Altmeister bei der Produktion wenig an klassische Vorgaben und überrascht über die gesamte Länge mit einem modernen Anstrich. Auch das folgende „Wedding Day" mit seinem funkigen Groove wartet mit sehr modernem Klangbild auf.

Dies ist eigentlich nicht verkehrt und beweist den Mut des Künstlers, doch ausgerechnet bei „Trouble" stößt dem Hörer eben jener Sound auf. Das Titelstück des Debüts der weißen Schlange wurde ja von Marsden gemeinsam mit „The Cov" verfasst, der es sich hier nicht nehmen lässt, den Song einzusingen. Hier übertreibt man es allerdings mit dem zeitgemäßen Anstrich, die Drums wirken recht steril.
Problematisch im Gesamtkontext wirken auch die sehr melodischen Lieder wie „Walk Away", bei dem die schönen Leads zum Zuge kommen, oder das elegische „Who Do We Think We Are?". Die straffen, fast poppigen Arrangements passen nicht zum Rest des Materials, es fehlt die klare Linie. Obwohl „Shine" von der modernen Produktion bestimmt wird, vermag diese dem Songmaterial keinen roten Faden zu geben.

Dabei sind die reifen und gekonnten Kompositionen durchweg feinfühlig eingespielt, die Klasse der Akteure scheint oft durch. Alles Meister ihres Fachs, die stets den richtigen Ton finden. Im atmosphärischen „Ladyfriend" spielt Mark Feltham eine düstere Mundharmonika, wie sie bei BRUCE SPRINGSTEEN in der Depressionsphase Ende der Siebziger oft zum Einsatz kam. Ebenso in die sphärische Richtung geht der Slow Blues der FLEETWOOD MAC-Nummer „Dragonfly". Noch cooler präsentiert sich das loungeige „Bad Blood", in dem Cherry Lee Mewis die tolle, fast soulige Croonerin gibt.

Als Meister an der akustischen Slidegitarre erweist sich BERNIE MARSDEN in „NW8". Ob eine neuerliche Version des lässig treibenden „Kinda Wish She Would" nötig war, sei mal dahin gestellt. Immerhin hat er den mit seinem alten Kumpel Moody schon auf „Real Faith" verbraten und nochmal auf das bärenstarke COMPANY OF SNAKES-Werk „Burst The Bubble" gepackt. Die Scheibe hier ist nicht ganz so gelungen, aber die vielfältigen Einflüsse und das Bestreben nach Weiterentwicklung lassen den Mann immer noch relevant erscheinen. Kein Meisterwerk, aber eine vielfältige Liedersammlung für Kenner. (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 57:07 min
Label: Provogue / Mascot
Veröffentlichungstermin: 15.08.2013

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