Deep Purple-InConcert72DEEP PURPLE live anno 1972? Da gibt es doch nur das magische „Made In Japan"-Album, oder? Nicht ganz, es wurden zur Veröffentlichung des Albums „Machine Head" wohl noch andere Konzertmitschnitte auf Tonträger gebannt, allerdings auch mehr oder weniger offiziell.
„In Concert 1972" ist ein Remix von 2012 der Aufnahmen im Londoner Paris Theatre, einem gemütlichen Club, der einen etwas anderen Charme vorweist als große Hallen, die DEEP PURPLE damals überwiegend füllten. Angeblich soll die Authentizität dieser Atmosphäre die von „Made In Japan" übertreffen – was sich noch herausstellen soll.

Prompt fällt mir da schon ein Manko auf: Die Songs werden fast alle von einem Moderator angesagt, hat also eher was von Fernseh- oder Radioshow. Etwas steril wirken die Aufnahmen, sauber und arrangiert, nicht so wild wie bei einer typischen Rockshow. Allerdings kommt das dem Gesamtsound zugute, endlich hört man auch mal Roger Glovers Bassspiel etwas heraus. Dennoch kommt mir die Performance etwas lahm vor, man geht nicht so wirklich aus sich raus, das Publikum ist auch kaum außer beim Applaus nach den Songs kaum zu hören. A propos Publikum: Welcher Hippie bringt bitteschön eine Quietscheente zu einem Rockkonzert und benutzt sie auch noch über Gebühr??

Die Ansagen zwischen den Songs machen nicht unbedingt eine flächendeckende Liveatmosphäre spürbar, auch die aufklärenden und informativen Kommentare von Ian Gillan zu den jeweiligen Songs sind nicht unbedingt Bestandteil einer musikalischen Live-Darbietung, sondern haben schon fast was von einem Interview, eben wie in besagter Talkshow.
Doch es gibt nicht nur Schelte. „Maybe I'm A Leo" ist ein Song, den man später nicht mehr allzu oft live gehört hat, da er auch etwas aus der Art schlägt, aber eben diese Art macht z.B. den Reiz einer heutigen Band wie CLUTCH unsterblich. „Never Before" in der Mitte des Sets ist ebenso ein eher rarer Live-Hit, der hier sehr cool und schmissig präsentiert wird.
Die Live-Garanten „Lazy" und „Space Truckin'" dürfen natürlich nicht fehlen. Auch wenn die Hammond anfangs etwas stark übersteuert, so ist die Hinführung zu dem Killer-Riff von „Lazy" immer wieder hörenswert. 22 Minuten lang ist danach „Space Truckin'" angesagt und überbietet damit auch noch die Spiellänge auf „Made In Japan". Kein Wunder, wenn nacheinander die einzelnen Musiker ihr Können in Solo-Eskapaden ausleben. Aber das können sie und dürfen sie auch, immerhin ist ein John Lord oder Richie Blackmore nun mal für eine legendäre Spielweise bekannt. Die Rückkopplungen der Hammond oder der typische Strat-Sound von Blackmore sind Huaptbestandteil des Sounds von DEEP PURPLE. Dem Publikum gefällt es, und mit zunehmendem Warmwerden der Band nimmt auch die Stimmung der Zuschauer zu.
Als Bonus-Track gibt es noch eine Fortsetzung der Live-Performance in Form des LITTLE RICHARD-Klassikers „Lucille", der eindrucksvoll dargeboten wird und wieder Lust auf das Original macht.
Zum Abschluss des Bonus-Programms auf der mir vorliegenden CD gibt es noch die Soundcheck-Version von „Maybe I'm A Leo", die allerdings verzichtbar wäre, aber dennoch gerne mitgenommen wird.

Alles in allem also ein feines dick geschnürtes Paket Livemucke aus den legendären Siebzigern, das zwar Meilensteine wie „Made In Japan" meines Erachtens nicht das Wasser reichen kann, aber dennoch für über 70 Minuten Spielzeit bestimmt sein Geld wert ist. (Jochen)


Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 79:37 min (inkl. Bonus-Tracks)
Label: Warner
Veröffentlichungstermin: 13.06.2014

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