heat tearingdownwallsHair Metal und Melodic Rock scheinen aktuell wieder Hochkonjunktur zu haben. So richtig weg waren diese Spielarten ja nie, aber nun gibt es endlich wieder junge Bands, die sich zum Teil schon in der Metalwelt etabliert haben. Dass die meisten davon aus Schweden kommen, dürfte angesichts der Vergangenheit des skandinavischen Landes niemanden überraschen, das Erbe von EUROPE verpflichtet. Waren bislang HARDCORE SUPERSTAR und CRASHDIET die Szenespitzenreiter, so haben sie nun in ihrer Heimat mit H.E.A.T. Konkurrenz bekommen. Bislang ging die Truppe an meinem Radar vorbei, doch nach dem Gig beim letztjährigen HiRock wollte ich mich näher mit ihr beschäftigen. Da kommt mir doch die vierte Scheibe „Tearing Down The Walls" gerade gelegen.

 

Sphärische Intros sind nun mal keine Seltenheit, aber beim Opener hier werden diese Motive auch später im Song nochmal verwendet. Ach ja, „Point Of No Return" rockt schön nach vorne, bevor es im Refrain hymnisch wird. Interessanterweise sind hier die Keyboardflächen, wie alle Tasteneinsätze von Jona Tee in den Hintergrund gemischt, was den Weichspülfaktor etwas senkt. Nur mit rudimentären Tasten kommt das groovige„A Shot At Redemption" aus, lässige Akustikgitarren leiten die beschwingte Nummer ein, bevor auch der Chorus äußerst mitsingkompatibel ist. Das hat was von späten Bands der Hochphase dieses Genres wie TYKETTO oder FIREHOUSE.
Richtig rappelt es bei „Inferno" im Karton, die dezenten Orgelklänge befeuern die riffrockigen Gitarren, eine Verbindung, die später auch bei „The Enemy In Me" ihre volle Wirkung entfaltet. Der Bass pumpt, und im flüssigen Refrain frischen „Uh, Uh"-Chöre die Sache noch mehr auf, bevor die Bridge losknallt. Wem es bei dem simplen, aber effektiven Drumming nicht den rechten Fuß durchs Bodenblech zieht, dem gehört der Führerschein entzogen – falls die Person überhaupt noch lebt.

Danach müssen H.E.A.T. erst mal den Fuß vom Gas nehmen. Wird der Titelsong noch akustisch eingeleitet, so entfaltet er bald diese breite, melodieselige Feuerzeugatmosphäre. Das macht einfach Laune, das kann man beim zweiten Chorus schon lauthals mitsingen. Die andere Ballade ist noch ruhiger gehalten, Erik Grönwall wird nur von Piano begleitet, ein ähnliches Arrangement hatten HARDCORE SUPERSTAR mal bei „Run To Your Mama".
„Mannequin Show" erweist sich als leicht atmosphärischer Stampfer der PRETTY MAIDS-Kategorie, bei dem sich Synthieflächen und Casio-Quietscher die Klinke in die Hand geben. Der Refrain mit seinen lang gezogenen „Aaah"-Chören läuft so derart süffig rein, das es den Hörer direkt packt. Die Fünf beherrschen die gesamte Bandbreite des Genres, „We Will Never Die" verbeugt sich mit seinen dramatischen Keyboardfanfaren vor MAGNUM, während „Eye For An Eye" moderne Anleihen besitzt. Und so nahe wie beim knalligen „Emergency" kommen sie den Helden ihres Landes wohl nie mehr.

Dabei ist es erstaunlich mit welcher Frische die Jungs ihre Hits hinaus hauen, und dabei noch mit erstaunlich reifer Songanlage punkten. Dazu wurde „Tearing Down The Walls" in ein sehr druckvolles und dickes Soundgewand gegossen, das vielleicht einen Tick differenzierter hätte ausfallen können. Da driftet manches auch mal über die Kitschklippe hinaus, oder kommt zu überdreht rüber, das tut dem Spaß aber keinen Abbruch. Natürlich gewinnen H.E.A.T. auch keinen Innovationspreis, aber so gut hört man solche Mucke heute nur noch selten. Quasi alter Wein in neuen Schläuchen, und Wein sagt man ja bekanntlich nach, dass er mit dem Alter immer besser wird. (Pfälzer)

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 45:09 min
Label: EAR Music
Veröffentlichungstermin: 11.04.2014

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