asia gravitasNach drei Alben ist die Reunion in Originalbesetzung wieder Geschichte. Steve Howe, der schon in den Achtzigern als Erster von Bord ging, will sich in Zukunft auf YES konzentrieren. Für ihn kam der sehr junge, unbekannte Gitarrist Sam Coulson zu den drei erfahrenen Herren. Der wurde bei den Konzerten im letzten Sommer direkt ins kalte Wasser geworfen, auf der ASIA voll überzeugen konnten und der neue Mann eine passable Figur abgab. Nun steht mit "Gravitas" bereits das erste Album in dem Line-Up in den Läden. Das frische Blut scheint sich positiv auf die Umtriebigkeit der Band auszuwirken, kann es auch musikalisch für neue Impulse sorgen?

Zwar trägt sein simples Riff den Eröffnungstrack, treibt ihn aber nicht voran, so dass dieser noch getragener rüber kommt als "Tomorrow The World", der Einstieg in den Vorgänger. Seine Gitarre steht gegenüber dem Tastenarsenal von Geoff Downes klar im Hintergrund. Dafür weiß dieser zu glänzen, wenn er fein getimte Pianoklänge durch Synthieschwaden schickt, was "Valkyrie" ebenso wie der wohlig-warme Bass eine gewisse Erhabenheit verleiht und die Melodien gut zur Geltung bringt. Eigentlich eine sehr schöne Nummer, wir denken aber an "Go", "Anytime" oder "Finger On The Trigger" und haben zum Auftakt etwas anders erwartet.

In dem Tempo geht es auch weiter, die Orgel verleiht dem Titelsong noch mehr Schwermut und die Keyboardorchestrationen lassen ihn zu einem Longtrack anwachsen. Die sind auf "Gravitas" öfter zu vernehmen wie beim Refrain der Pianoballade "The Closer I Get" oder "Heaven Help Me". Letzterer ist neben dem beschwingt rockenden "Nyctophobia" das einzige flottere Stück auf der Scheibe.
Insgesamt legt diese noch mehr Wert auf Atmosphäre, fällt somit noch gemäßigter als "XXX" aus, hat aber auch weniger allzu platte Popmelodien. Die Stärken offenbaren sich dann, wenn sich diese getragene Melancholie Bahn bricht wie in "I Would Die For You". Hier kann sich das Drama aus sorgsam eingestreuten, wuchtigen Riffs und einem großen Chorus so richtig entfalten. Solche Lieder sind wie gemacht für die nach wie vor traumhafte Stimme von John Wetton.

Genau diese Tatsache macht deutlich, dass es mal wieder an den Interpreten liegt, "Gravitas" aus dem roten Bereich zu hieven. Hier sind einfach brillante Musiker am Start, die es mit ihrem Geschmack, ihrem pointierten Spiel und ihrer Stilsicherheit verstehen, dem Song jene Würze zu geben, die er benötigt. Da sitzt einfach jeder Ton, das Zusammenspiel funktioniert blind und auch die Produktion ist nicht so glatt poliert wie noch zuletzt. Dennoch ist es schade, da die Herren so viel mehr können, allen voran Carl Palmer, die Grinsekatze hinterm Drumkit. Man wartet einfach darauf, dass er einmal eine seiner grandiosen Breaks raus haut, doch bis auf das abschließende folklastige "Till We Meet Again", bei dem er ordentlich die Pauke haut, bleibt er blass.

Da stört es auch kaum, dass Coulson nicht dieses feingliedrig verspielte, jazzige Feeling besitzt, denn das wird hier gar nicht so sehr benötigt. Proggigen Tönen haben ASIA endgültig entsagt, es bleibt nur noch, wenn auch gutklassiger Melodic Rock. Und da passt dieses warme, melodische Spiel, welches er bei seinen gekonnten Soli zeigt, hervorragend rein. So bleibt am Ende ein Werk, das sich prima auf langen Autofahrten im Skandinavienurlaub eignet, doch kann das der Anspruch sein? (Pfälzer)

Bewertung: 6,5 / 10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 48:23 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 21.03.2014

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