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eivor roomEivør Pálsdóttir ist hierzulande eigentlich nur einem eingeweihten Kreis bekannt. Die Ausnahmekünstlerin ist oft nur Liebhabern der Färöer bekannt und ich muß gestehen, daß auch ich ansonsten wohl kaum auf sie aufmerksam geworden wäre. Und das ist schade. Denn auch wenn EIVØR jetzt nicht gerade die Musik spielt, die ich normalerweise präferiere, so fällt es nicht schwer, die Klasse dieser Musikerin zu erkennen.

Übrigens stimmt das, was ich da in der Einleitung geschrieben habe, doch nicht (mehr) ganz. Denn wer aufmerksam HAMFERÐs letztes Album genossen hat, der konnte auch dort EIVØR hören (in „Sinnisloysi“). „Room“, ihr mittlerweile siebtes Solo-Studioalbum ist auf den Färöern (und einigen anderen nordischen Ländern, wo sie deutlich bekannter ist als hier) bereits 2012 erschienen, seit letztem Jahr gibt es das Album aber auch bei uns offiziell zu kaufen, was ein echter Fortschritt ist, denn bei ihren alten Alben ist man oft auf teuren Import angewiesen.

„Room“ ist ein Album, das ausschließlich englischsprachige Songs enthält, was ich irgendwo etwas schade finde, denn ich mag die färöische Sprache und ihren Klang. Mit „I Know“ führt EIVØR auch eine weitere Tradition fort, denn der Song ist eine Übersetzung ihres färöischen Stückes „Eg Veit“, das schon vor einigen Jahren erschienen ist. Alle Stücke und Texte auf dem Album wurden von EIVØR selbst geschrieben, mit Ausnahme von „Night's Body“ und „True Love“. Bei beiden Stücken stammen die Texte von Marylin Bowering, bei „Night's Body“ basiert auch die Musik auf Ideen der kanadischen Schriftstellerin und Dichterin.

Wenn ich die Musik von Eivør Pálsdóttir in eine Schublade pressen müßte, dann würde ich wohl am ehesten Pop/Rock wählen (obwohl das viel, viel zu eng gegriffen ist). Jetzt haftet Pop ja oft der Makel der Retortenmusik an – das kann man hier jedoch ganz vergessen. Die Musik von EIVØR ist zu 100 % handgemacht und das hört und fühlt man. „Room“ ist noch dazu ein sehr persönliches Album geworden, das die Künstlerin ihrem Vater gewidmet hat und auf dem sie viele Erfahrungen der vergangenen Zeit verarbeitet hat (wie z.B. in „Boxes“ den Auszug aus ihrem Haus auf den Färöern). Im Speziellen hat sie den Song "Far Away" für ihren Vater geschrieben, zu dem es auch ein sehenswertes Video gibt.

Überhaupt wurden für „Room“ viele Videos gedreht, bis jetzt für drei Songs. Auch "True Love", das einem einfach nicht mehr aus dem Ohr geht, wenn es einmal drin ist und  seit neuestem auch "Rain" haben bisher ein Video bekommen (weil ich so nett bin, hab' ich euch die alle mal verlinkt, damit ihr euch einen ersten Eindruck machen könnt). Die neue Scheibe ist ein Album geworden, bei dem es schwer fällt, einen Favoriten herauszupicken. Am ehesten wären das wohl noch die schon angesprochenen „True Love“ und „Far Away“, aber auch der Opener „Green Garden“ besticht durch wunderschöne Melodien und EIVØRs überragende, über allem liegende Stimme.

Der einzige Song, der mir nicht so gut gefällt, ist „Boxes“. Das liegt jedoch weniger an der Qualität des Songs (ganz im Gegenteil, viele Sängerinnen würden töten für das, was  EIVØR da mit ihrer Stimme macht), sondern eher daran, daß er mir persönlich dann doch einen Ticken zu jazzig ist. Das ist einfach nicht mein Ding.

Ansonsten bewegt sich EIVØR auch auf „Room“ wieder zwischen vielen Stilen, sei es ruhig akustisch wie in „I Know“, rockig wie in „Night's Body“ oder gar in die elektronische Richtung gehend wie im Titelsong „Room“, der auch schonmal phasenweise an DEPECHE MODE oder neuere ROXETTE erinnert. Immer aber ist es handgemachte, wunderschöne Musik auf höchstem Niveau und es bleibt nur zu hoffen, daß es  EIVØR gelingt, nun auch internationaler etwas erfolgreicher zu werden. Verdient hat sie es auf alle Fälle. (Anne)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 42:14 min
Label: Tutl
Veröffentlichungstermin: 27.09.2013

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