alicecooper 2erboxDer Backkatalog des Schockrockaltmeisters ist so umfangreich und fast nicht merh übersichtlich, dass er sich geradezu für irgendwelche Boxen und ähnliche Zusammenstellungen anbietet. Bei immerhin 26 Studiowerken wird es allerdings nie eine komplette Vinyl-Box geben, da hätte die Berufsgenossenschaft der Logistikdienstleister wegen zu hoher Gewichtsbelastung bestimmt was dagegen. Aber neben einer Fünfer-Box der ersten Alben gibt es ja auch schon eine Dreierpackung von den Frühneunzigerscheiben. Nun werden noch neuere Werke im Rahmen der "2 in 1"-Serie wieder veröffentlicht. In einer Doppel-CD-Box sind "The Eyes Of Alice Cooper" sowie "Dirty Diamonds" erhältlich, mit denen ALICE COOPER nach zwei sehr modernen Werken zu seinen Wurzeln zurück kehren sollte.

Den Anfang macht das 2003er-Werk "The Eyes Of Alice Cooper", in dessen Folge das Bühnentheater nach langer Abstinenz auch wieder in Europa zu sehen war. Tief in den Siebzigern ist die 2003er Aufnahme verwurzelt, aber dennoch nicht so richtig in der Vergangenheit von „The Coop". Hier gibt es keine theatralischen Auswüchse, sondern viel eher ein Schwenk zum Punk der späten Siebziger. Dieses Genre, spielte in dem eklektischen Gesamtwerk bislang keine Rolle, doch hier bedient sich der Mann vieler Versatzstücke. Nie zuvor und auch danach klang ALICE COOPER so roh, so räudig und so direkt. Schon alleine der trockene und kraftvolle Sound überrascht von Beginn an, KISS-Schlagzeuger Eric Singer treibt die Songs dazu mächtig an. Gerade das hatte man auf der letzten reinen Rockscheibe „The Last Temptation" vermisst.

Fällt der Auftakt mit „What Do You Want From Me", das von Gitarrenleads flankiert wird, noch melodischer aus, so stiefelt spätestens der „Man Of The Year" sehr rustikal nach vorne. Und gegen Ende lassen es die Jungs mit „I´m So Angry" und „Backyard Brawl" noch einmal richtig krachen. Dazwischen fallen „Bye Bye, Baby" und das beschwingte „Detroit City" mit Saxophoneinsatz auf. Dennoch haben auch die beiden Stücke die für Vincent Damon Firnier, wie der Herr im richtigen leben heißt, ungewöhnliche Aggressivität.
Ein wenig Dampf nimmt er es bei den etwas Mainstreamkompatibleren Songs wie „Love Should Never Feel Like This" oder dem sehr lässigen „Novocaine" raus. An seinen typischen Siebziger-Stil erinnert auf „The Eyes Of Alice Cooper" nur das schräge „This House Is Haunted". Noch krasser kommt der bunte Psychedelictitel „The Song That Didn´t Rhyme" rüber, während „Be With You Awhile" die einzige Ballade darstellt. Auch diese Lieder sind alle sehr knapp gehalten und kommen ohne große Schnörkel auf den Punkt.

Anfangs scheint der zwei Jahre später erschienene Longplayer in dieselbe Richtung zu tendieren, „Woman Of Mass Distraction" haut auch eher in die trockene Kerbe. Doch spätestens beim folgenden abgehangenen „Perfect" ertönt ein komplett anders Bild. Die Nummer könnte locker von den ROLLING STONES stammen, und auch sonst sind die Siebziger allgegenwärtig.
Dem Glam frönte die Rocklegende schon immer, wenn auch in seiner sehr eigenen Weise. Auf „Dirty Diamonds" lassen sich aber klare Querverweise zu den Formationen eben jener Dekade ausfindig machen. „Sunset Babies (All Got Rabies)" tönt mit seinen Chören eindeutig nach SLADE und auch SWEET glaubt man heraus zu hören. Das gilt speziell für „Your Own Worst Enemy" und das flotte, dezent riffrockende „Steal That Car"

Zwar ist die Scheibe nicht so knackig wie ihr Vorgänger, was vor allem am Fehlen von Eric Singer liegt. Da kann selbst ein Mann wie Tommy Cufetos, der heute bei BLACK SABBATH auf der Bühne die Stöcke schwingt, nicht ganz heran kommen. Der Härtegrad geht nur noch beim metallischen Titelsong und dem schwerfällig stampfenden „Run Down The Devil" nach oben. Die Stärke liegt hier eindeutig in der größeren stilistischen Bandbreite, welche aber erst bei „Welcome 2 My Nightmare" wieder voll erstrahlen sollte. Dazu hat „Dirty Diamonds" die besseren Einzelsongs, während „The Eyes Of Alice Cooper" kompakter wirkt.

Vor allem die ruhigen Tracks haben es in sich und sind an Coolness kaum zu überbieten. Die augenzwinkernde Country-Nummer „The Saga Of Jesse Jane" nimmt das eigene Image auf die Schippe. Ebenso lässig präsentiert sich das loungige „Six Hours" mit Streichern und Bar-Piano. Im Blues ist zudem noch der „Zombie Dance" verwurzelt, bei dem der Meister höchstpersönlich tolle Mundharmonikaparts beisteuert. Mit „Pretty Ballerina" hat sich auch hier etwas psychedelisches versteckt, während der Bonustrack „Stand" komplett aus dem Rahmen fällt. Bei diesem sehr funkigen Lied steuert der Rapper XZIBIT, der kürzlich auch mit WITHIN TEMPTATION zusammen arbeitete die Vocals bei.

Die beiden Rundlinge erscheinen als Doppel-CD in klassischer Jewel Case-Hülle. Beide Originalfrontcover bleiben erhalten, ebenso sind die kompletten Booklets abgedruckt. Diese findet man in einem Wendebooklet wieder, bei dem man ab der Mitte die andere Seite auf dem Kopf stehend wieder findet. So kann jeder sein Lieblingsartwork vorne hin drehen. Da beide Scheiben einzeln empfehlenswert sind und das Set im Midprice-Sektor auf den Markt kommt, sollten hier nicht nur Sammler und Fans zugreifen. (Pfälzer)

Bewertung: - / -

Anzahl der Songs: 13 / 13
Spielzeit: 44:19 min / 46:46 min
Label: Armoury Records/Eagle Rock
Veröffentlichungstermin: 17.01.2014

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