freedomcall beyondGerne werden die Franken mal als Schlager Metal abgetan, was ihnen aber nicht allzu viel ausmacht, schließlich ist ihnen allzu düsteres Gedankengut fern. FREEDOM CALL haben es sogar geschafft, die Happy Metalattitüde von HELLOWEEN auf die Spitze zu treiben. Kein Wunder, ist doch schließlich Frontmann und Bandgründer Chris Bay ein alter Spezi von J.B.O., und bei denen geht es auch nicht so bierernst zu. Und so fern ist ihnen die Schlagerszene auch gar nicht, schließlich sorgte das Quartett  in der Metalszene für Aufsehen, als man für DSDS-Sternchen Annemarie Eilfeld die Backingband gab. Dass sich Spaß und harte Arbeit nicht ausschließen, zeigt sich daran, dass der Vierer alle zwei Jahre ein neues Album auf den Markt wirft. Mit "Beyond" kommt demnächst der bereits achte Longplayer auf den Markt.

Und warum sollte es auf diesem großartig anders zugehen als bisher? Nein, an der Ausrichtung wird bei den Herren nur marginal gefeilt und so drücken die zwei Eröffnungsnummern mächtig auf das Gaspedal. Vor allem "Union Of The Strong" tut sich da als typische Hymne hervor, dabei ist die neue Scheibe sogar ein Stück weit typischer für die Band als etwa der Vorgänger "Land Of The Crimson Dawn". Vor allem die darauf zu hörenden dezenten modernen Anleihen wurden hier klar zurück geschraubt. Stattdessen geht man deutlich zurück zu den Vorbildern und zur eigenen Vergangenheit und fährt die traditionellere Kante, was ja schon der DoubleBass-Kracher "Knights Of Taragon" andeutet, dessen Titel auf "Tears Of Taragon" vom Debüt anspielt.

Das zuletzt allzu oft exerzierte Unterlegen der Keyboards mit der Doublebass ist hier ebenso seltener zu vernehmen. Natürlich dürfen die melodieseligen, schunkelverdächtigen Lieder im Stile von "Come On Home" nicht fehlen, doch die sind aufgrund der gestiegenen Metalattitüde nicht mehr so zahlreich. Auf "Beyond" übernehmen die Gitarren ganz klar die Führungsrolle, so gibt es schöne, knackig bretternde Riffattacken wie in "Heart Of the Warrior" oder "Among The Shadows" auf die Ohren. Dazu überzeugt das flotte "Follow Your Heart" mit feinen Leadgitarren und im Solobereich glänzen die Herren Rettkowitz und Bay desöfteren.

Profitieren kann der gestiegene Axteinsatz auch von der tollen Produktion, welche Oberhaupt Chris Bay mit Stephan Ernst in dessen Seperate Sound Studio hingezaubert hat. Gerade in der Disziplin, in denen die nationale Konkurrenz wie U.D.O. oder GAMMA RAY zuletzt ordentlich Federn ließ, können FREEDOM CALL punkten. So sind die Sechssaiter schön rau und nahe im Livesound abgemischt, dennoch fällt der Gesamtsound voluminös aus. Das liegt auch daran, dass man das Drumkit von Ramy Ali mächtig donnern lässt und dabei dessen ursprünglichen Klang einfängt. Die Truppe kommt auch direkter auf den Punkt und wirkt ungemein frisch.
Auch in Sachen Arrangements wertet man die Songs mit vielen kleinen Ideen auf. Die Art, wie das Tempo bei "Heart Of The Warrior" mit ein paar Drumschlägen in der Strophe anzieht, läuft richtig gut rein. Man beachte auch das perlende Piano im Refrain von "Among The Shadows" oder die a capella-Passagen in der tollen Fanfare "Paladin". Gerade diese wissen deutlich besser zu gefallen als die zu plakativen, gewollt auf Mitsingkompatibilität getrimmten Gesangsarrangements des Vorläufers. Und bei "Dance Off The Devil" bedient man sich eher ungewöhnlichen Rhythmusstrukturen, welche das Stück ein wenig nach SAIGON KICK klingen lassen.

Auffällig ist auch, dass "Beyond" bei dem nicht zu verhehlenden Kitschfaktor keine einzige Ballade beinhaltet. Es gibt zwar Tracks, wie beispielsweise "Colours Of Freedom", die ruhig beginnen, sich aber dann oft rasant steigern. Da fällt vor allem das epische Titelstück mit seinem wuchtigen Refrain auf. Eine der stärksten, weil vielschichtigsten FREEDOM CALL-Kompositionen überhaupt weiß auch mit seiner Atmosphäre zu bestechen. Da stört es kaum, dass man auf den ein oder anderen Rohrkrepierer wie "Rhythm Of Light" nicht verzichtet hat, da wäre weniger sogar noch mehr gewesen. Aber im Power Metalbereich muss erst mal ein Release in diesem Jahr an diese Scheibe rankommen, mit der Band hatte ich seit ihrem Referenzwerk "Crystal Empire" nicht mehr so viel Spaß! (Pfälzer)

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 59:18 min
Label: Steamhammer/SPV
Veröffentlichungstermin: 21.02.2014

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