reddragoncartel reddragoncartelEines der meistgefeierten Gitarrentalente der Achtziger war jahrelang untergetaucht, nun meldet er sich zurück. Die Karriere von Jake E. Lee begann, als er den Zuschlag erhielt bei OZZY OSBOURNE den leider allzu früh verstorbenen Randy Rhoads zu ersetzen. Mit seinem Spiel prägte er die beiden Klassiker "Bark At The Moon" und "The Ultimate Sin", von denen sich bis heute Songs in der Setlist des Madman halten. Nach seinem Ausstieg 1987 startete er mit dem ebenfalls nicht mehr unter uns weilenden, vormaligen BLACK SABBATH-Frontmann Ray Gillen und Eric Singer, der heute bei KISS die Stöcke schwingt, die Formation BADLANDS. Ihr selbstbetiteltes Debüt war eines der Highlights im bluesigen Hairmetal der späten Achtziger. Doch die beiden Nachfolger "Voodoo Highway" und "Dusk" fielen deutlich ab, so dass der Saitenhexer Ende der Neunziger sich sang - und klanglos zurück zog. Wie aus dem Nichts fand er sich mit seiner neuesten Combo RED DRAGON CARTEL auf dem Billing des SwedenRock wieder. Doch bevor er die europäischen Bühnen unsicher macht gibt es erstmal neues Material in Form eines Albums, welches erneut den Bandnamen trägt.

Für seine neueste Kollaboration trommelte der Mann bislang völlig unbekannte Musiker zusammen, zumindest, was die Stammmannschaft angeht. Am bekanntesten dürfte noch Ronnie Mancuso von BEGGARS & THIEVES sein, während mir weder Drummer Jonas Fairley noch der aus England stammende Sänger D.J Smith etwas sagen. Dafür liest sich die Liste an Gastmusikern doch ein wenig besser: Scott Reeder (KYUSS/THE OBSESSED), Todd Kearns und Brent Fitz (SLASH) oder Jeremy Spencer (FIVE FINGER DEATH PUNCH), um nur einige zu nennen. Dazu gesellen sich noch ein paar Gastvokalisten, dazu später mehr.

Den Opener, der einem noch recht vertraut vorkommt hat jedenfalls der etatmäßige Frontmann eingesungen. Das Eingangsriff von „Deceived" klingt wie ein Hybrid aus den beiden Titelstücken der OZZY-Scheiben, welche Jake E. Lee eingezockt hat und drückt auch ebenso auf das Tempo. Was für die Gitarrenarbeit gilt, trifft auch so auf die Melodieführung zu, auf den Alben wäre die Nummer nicht aufgefallen.
Wer nun auf klassischen Stoff gehofft hat, wird vom folgenden „Shout It Out" ziemlich geschockt sein. Da fragt man sich schon, ob dies noch dieselbe Band ist. Moderne Riffs, sehr verzerrter Sound, alternative Melodien, die weniger stören, sehr abgehackter Gesang im Refrain, die doch verstören werden einem um die Ohren gehauen. Das vom IN THIS MOMENT-Frontbalkon Maria Brink gesungene „Big Mouth" setzt da noch einen drauf und erinnert an LITA FORDs Machwerk „Wicked Wonderland".

Sicherlich ist das Material von „Red Dragon Cartel" von einem anderen Kaliber, letztgenannter Song rockt entschieden mehr. Doch für seine alten Fans dürfte das doch schon gewöhnungsbedürftig sein, selbst wenn alte Helden den Liedern ihre Stimme leihen. Sowohl das ruppige „Wasted" mit Paul Di´Anno als auch das von Robin Zander von CHEAP TRICK gesungene „Feeder" tendieren klar in Richtung Grunge. Als groben Anhaltspunkt würde ich da mal SOUNDGARDEN nennen, die Ballade „Fall From The Sky" und das atmosphärische „Slave" bestätigen diesen Einfluss noch mehr.
An seinen frühen Förderer erinnert lediglich der Sound, der von Kevin Churko gemischt wurde, welcher ja auch schon bei OZZY OSBOURNE an den Reglern saß. Und auch hier schneidert er wieder ein druckvolles Soundkostüm für den aktuellen US-Markt zurecht. Ganz ohne Vergangenheitsbezug geht es dann doch nicht, „War Machine" erinnert sehr stark an BLACK SABBATH. Und auch das bluesige „Redeem Me", bei welchem die bekannte Kanadierin Sass Jordan singt, hätte in der Form von BADLANDS stammen können.
Das große Manko, welches RED DRAGON CARTEL zu schaffen macht ist sicherlich die mangelnde Homogenität und das nicht nur aufgrund der vielen Gastbeiträge. Jake E. Lee kann sich hier irgendwie nicht für einen Stil entscheiden. Das hat zwar alles seine Handschrift und klingt sehr nach Neunzigern, doch ich vermag keinen roten Faden zu erkennen. Auch ein wirkliches Wunderwerk an Eklektizismus stellt das Debüt nicht dar, dazu ist es nicht ausgefallen genug. Auch die einzelnen Titel können nur phasenweise begeistern, hier eine tolle Melodie, da ein gutes Riff, aber über die komplette Länge schafft der Mann keinen Kracher. Wie bei der stilistischen Ausrichtung ist also auch sonst vieles Stückwerk auf der Scheibe. Ein Comeback nach Maß sieht anders aus! (Pfälzer)

Bewertung: 4,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 45:02 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 24.01.2014

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