Sepultura TheMediatorBetweenHeadAndHandsMustBeTheHeart

Was war es doch für ein Fest, als ich meine ersten Gehversuche mit SEPULTURA über das damalige Album „Beneath The Remains“ machte. Legendär könnte man es nennen, denn heutzutage hat sich an dem Status dieses Albums zumindest bei mir nichts geändert, wenn einem auch bewusst geworden ist, mit welchen simplen Methoden und Ideen dieses Werk angesetzt wurde. Lange stritten sich die Thrash-Helden SLAYER mit ihnen um den Platz auf dem Thron, obwohl ich den Vergleich immer scheute. SEPULTURA hatten ihren ganz eigenen Charme und ein Charisma, das ich bei kaum einer anderen Band damals so verspürte.
Und was ist heute? Die Brasilianer laufen bei mir höchstens noch nebenher, verdienen kaum meine Aufmerksamkeit und werden lediglich gebührend abgenickt. Seit des Ausstiegs von Max Cavalera ist nichts mehr, wie es mal war, auch wenn der musikalisch so gar nicht mein Interesse aufrecht erhalten konnte. Nun soll das neue Album mit dem überlangen Namen ja nun endlich das „back to the roots bloody roots“-Album sein, das sie so schon vor etlichen Alben angekündigt haben. Zumindest öffnet es ein kleines Adventstürchen bei mir zum Reinhorchen, wenn auch mit etwas Verspätung.

Oha, zum ersten Mal fühle ich mich von diesem Spruch nicht auf die falsche Fährte gelockt, SEPULTURA lassen es nochmal richtig krachen auf „The Mediator...“. Haben die Südamerikaner etwa wieder entdeckt, wie man schnörkellosen Thrash fabriziert? Und ich rede hier von Thrash Metal, nicht einfach schnell gespielte Pseudobrutalo-Riffs. Der Sound allein lässt einen schon nostalgisch werden, dann noch die klassischen Thrash-Elemente – da besteht Hoffnung für alte SEPULTURA-Hasen. Um die Euphorie im Zaum zu halten, es handelt sich hier nicht um ein Remake der Neunziger, aber dennoch kann das Album alte und neue Elemente so gut vereinen, dass sie authentisch wirken und immer noch eine unabhängige und fast zeitlose Variante der Grabesmänner demonstrieren. Ja, es gibt noch Tribal-Elemente, und ja, auch 2013 kann mich Derricks Gesang immer noch so gar nicht überzeugen, zumal fast jedesmal ein Verzerrungseffekt auf der Stimme ist, was ich eigentlich schon fast lächerlich finde. Aber Kisser und Co. haben sich beim Songwriting scheinbar wirklich Gedanken um die gute alte Zeit gemacht.

Auch wenn das Album durch teils übermäßige Soundauffrischungen und -ergänzungen schon wie eine Hollywood-Produktion wirkt, so kann man von „The Mediator...“ wirklich mehr von einer Old-School-Thrash'n'Groove-Granate reden als je zuvor. Zugegeben, ich habe der Phase zwischen „Roots“ bis heute nicht mehr allzu viel Beachtung geschenkt, aber was ich davon so gehört habe, vor allem live, kann sich vor dem neuen Material wirklich in acht nehmen. Die Gratwanderung zwischen klassischen und modernen SEPULTURA ist hiermit recht anschaulich gelungen. Die Brasilianer klagen das Ungleichgewicht ihres Landes auf politischer und religiöser Ebene weiterhin vehement an wie in Songs à la „Trauma Of War“ oder „Tsunami“, zeigen aber weiterhin ihre tiefe Verbundenheit zu ihrer Heimat, was sich in Songs wie „Manipulation Of Tragedy“ oder dem muttersprachlichen Schlusslicht „Da Lama Ao Caos“ niederschlägt.
SEPULTURA haben mein Interesse wieder ein klein wenig geweckt, man darf gespannt sein, wo die Reise hingehen wird. Die Richtung erfreut mich zumindest. (Jochen)


Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 47:09 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 25.10.2013

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