crystalball dawnbreakerZu Beginn des Jahrtausends als traditionelle Formen des Hard´n´Heavy ihr Revival feierten, gehörten auch CRYSTAL BALL zu den Hoffnungsträgern der Szene. Die Schweizer Hardrocker schickten sich an zu ihren Landsleuten von GOTTHARD und KROKUS aufzuschließen. Das gelang mit starken Alben wie "Hard Impact" oder "Hellvetia" auch teilweise, dennoch kam man nur selten über den Status einer Vorband hinaus. In den letzten zehn Jahren ereilte den Fünfer das gleiche Schicksal wie SHAKRA, trotz weiterer guter Scheiben ließ das Interesse nach. Nach dem sechsten Longplayer "Secrets" kam dann die große Zäsur, Sänger Mark Sweeney verließ die Band und startet mit Michael Voss WOLFPAKK. Vom ursprünglichen Line-Up blieben nur noch Gitarrist Scott Leach und Drummer Marc Sardella übrig. Doch nun will man es in der neuen Formation noch einmal wissen, nach sechs Jahren erscheint "Dawnbreaker".

Auch auf ihrem siebten Album weichen die Eidgenossen kaum von ihrer Linie ab, die in ihrer Heimat ja schon Tradition hat. Etwas weniger riffrockig zwar wie die beiden Szeneführer, und zum Großteil im stampfenden Midtempo angesiedelt, bietet die Combo ansonsten genau das, was man erwarten konnte. Zwar nimmt man nach einer rockigen Version des alten „Zarathustra"-Themas mit dem Quasi-Titelsong „Break Of Dawn" ordentlich Fahrt auf und präsentiert sich verhältnismäßig hart, doch im weiteren Verlauf geht es in der Skala nur noch selten in diese Bereiche. Etwa bei „Back For Good", das mit einer metallischen Legierung überzogen wurde oder „Touch The Sky", in dem schnelle Läufe zu gefallen wissen.

Richtig überzeugen können CRYSTAL BALL vor allem dann wenn sie ihre eingängigen Melodien schön nach vorne treiben. Im von flotten Leadgitarren eingeleiteten „Anyone Can Be A Hero" gelingt das sehr gut oder auch in „Sun Came Out", dessen Chorus nach Stadion schreit. Ähnlich gestrickt ist auch der Rausschmeißer „Bond Of Love", trotz seiner Kürze der wohl epischste Song auf dem Album. Nach einer getragenen Strophe explodiert der Refrain und erinnert an beste Bandtage mit Krachern wie „Queen Of The Night". Ebenfalls von einer interessanten Dynamik ist „The Brothers Were Right" mit seiner vertrackten Riffstruktur geprägt, dessen Bridge einen Touch von DIO hat.

Mit „Eternal Flame" will die Truppe am nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teilnehmen. Doch die Akustikballade wirkt zu bieder und dröge, ohne mit tollen Melodiebogen aufzuwarten. Da hätte „Stranded" die bessere Wahl dargestellt, die Powerballade wäre in den Achtzigern das ideale Radiofutter gewesen. Mit weiteren Leadfills und deutlich mehr Schmiss hat sie auf der Scheibe die Nase vorn.
Egal wie, den Innovationspreis gewinnen die Fünf damit nicht, doch das war auch nicht beabsichtigt. Vieles hat der geneigte Hörer schon irgendwo mal vernommen und auch selbst zitiert man sich öfter. Da sind die paar modernen Riffs, wie etwa bei „Walls Fall Down" zu wenig, um sich von der Konkurrenz abzusetzen, zumal diese so etwas auch im Gepäck haben.

Schwach ist „Dawnbreaker" deswegen keineswegs, denn es liefert den Fans genau den Stoff, den sie hören wollen. Dazu kommt eine gute und druckvolle Produktion von Stefan Kaufmann, der den Dreher in dessen Roxx-Studios aufgenommen hat. Zwar ist das Klangbild ein bisschen zu geschliffen, doch im Gegensatz zu den letzten U.D.O.-Werken, die er betreute zeigt er sich stark verbessert. Gerade das Schlagzeug bekommt wieder Raum und die Beckenarbeit wurde gut abgemischt.
Auch die Neuzugänge wissen zu überzeugen, der Wuppertaler Steven Mageney kommt zwar nicht ganz an die Höhen von Mark Sweeney ran, verfügt aber über eine typische, kraftvolle Rockstimme. An den Äxten ergänzt Markus Flury das Urgestein Scott Leach sehr gut, die Soli halten die beiden eher ruhiger mit mehr Atmosphäre, Fingerübungen bleiben außen vor. Ein ordentliches Comeback von CRYSTAL BALL, das die Anhänger freuen wird, aber nicht an die oben genannten Großtaten heran reicht. (Pfälzer)

Bewertung: 6,5 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 51:10 min
Label: Massacre Records
Veröffentlichungstermin: 29.11.2013

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