fish feastofconsequencesNoch heute wird Derek William Dick, besser bekannt als FISH als Ex-MARILLION-Sänger beworben, während sein Nachfolger Steve Hogarth ewig der neue sein wird. Dabei ist der Split von den Neo-Proggern schon ein Vierteljahrhundert her, während seine Zeit bei der Band keine zehn Jahre dauerte. Mittlerweile hat der Mann acht Studioalben veröffentlicht, seine früheren Mitstreiter sogar zwölf. Gemeinsamkeiten gibt es aber auch heute noch mehrere, nämlich dass man sich musikalisch nie auf einen Stil festlegen will, in den letzten Jahren die neuen Scheiben rarer wurden, dafür die Konzertdichte zunahm und man auch mal zur Akustischen griff. Die Phase ist bei ihm aber mittlerweile wieder vorbei, es wird wieder der volle Sound aufgefahren. Da gelangen dem Schotten in letzter Zeit aber keine Glanzlichter mehr, vor allem die letzte Scheibe "13th Star" war nicht nur wegen der dezenten Modernisierung schwer verdaulich. Nun will er mit "Feast Of Consequences" zurück zu alter Stärke.

Zumindest vom Aufbau her, erinnert die Scheibe mit ihrer Epik an die monumentalen Frühwerke. Als Herzstück fungiert die fünfteilige "High Wood Suite", welche alle Stärken des Albums in sich vereint. Und in der Tat setzt FISH wieder auf die typische Dynamik, diese tiefe Spannung welche seine größten Taten auszeichnete. Der achtminütige Opener "Perfume River" braucht seine Zeit, um auf Touren zu kommen, sphärische Keyboards, sehr sparsam arrangiert, dazu fallen immer wieder akustische Anklänge ein. So langsam baut sich die Nummer auf und weiß dabei zu fesseln, bis die immer noch dezent angeschlagenen Gitarren losrocken. Doch zum ganz großen Ausbruch kommt es nicht, was dem Song seine Dichte bewahrt.

Den liefert das folgende "The Beautiful People", das unbeschwert daher kommt, von seiner flüssigen Melodie lebt und ein Stück weit an "The Rookie" von "Field Of Crows" erinnert. Wo seine alte Band immer den getragenen Weg geht, schwimmt sich ihr früherer Kollege gerne mal frei und wirkt dadurch lebendiger. Beim Titeltrack kommt die hervorragende Verquickung von elektrischen und akustischen Gitarren am deutlichsten zum Zuge. Nach bedächtigem Beginn zieht schon die Bridge ein wenig an, bevor dann sich dann der Refrain mit all seiner Hymnik aufbaut.
Dieses Zusammenspiel der Sechssaitigen entlehnt FISH auch viel aus seiner Vorliebe für den Folk, der bei besagter "High Wood Suite" zum Tragen kommt. Vor allem "The Gathering", welches fast eine reine Folknummer in der Tradition von "Internal Exile" geworden ist. Jener zentrale Longtrack ist gespickt mit Spoken Words-Passagen in deutscher Sprache, solche Wortspiele gefielen dem Hünen schon immer. Dazu fällt er gegenüber dem Rest von "A Feast Of Consequences" ein wenig düsterer aus, ohne jedoch so stark in die Richtung abzudriften wie der Vorgänger.
Das liegt auch daran, dass die heftigeren Riffs etwa bei "Thistle Alley" besser in den Song integriert wurden. Vor allem der Abschluss in Form von "The Leaving", einer weiteren wunderbar anschwellenden Nummer profitiert davon. Hier wird auch ein weiteres Stilelement benutzt, ähnlich wie im pulsierenden "High Wood" arbeitet man mit einem Streichquartett zusammen, welches eine eigene Klangfärbung mit einbringt. Diese Streicher verzieren ebenso "The Graet Unraveling", den atmosphärischen Schlusspunkt der Scheibe.

Trotz der vielfältigen Instrumentierung und den vielen Details wirkt das neunte Studioalbum von FISH nie überladen, eher im Gegenteil. Der sparsam arrangierte Eindruck des Openers hält sich über die komplette Spielzeit, selbst in so wuchtigen Stücken wie "The Crucifix Corner". Klang "13th Star" mit seinem undifferenzierten Sound irgendwie zerfahren, so gelingt es Calum Malcolm hier alles plastisch einzufangen. Durch die Reduzierung werden große Spannungsbogen aufgebaut, welche den Hörer stets in ihren Bann ziehen und ihn auf eine Entdeckungsreise in die musikalische Welt des Derek W. Dick schicken.
Auch seine Mitstreiter haben einen großen Anteil an dem Werk, allen voran Co-Komponist Steve Vantsis, sein langjähriger Bassist. Auch schon länger an seiner Seite ist Backgrounddame Elisabeth Troy Antwi, mit der er sich öfter, wie etwa bei "Other Side Of Me" schöne Duette liefert. Neu dabei ist Gitarrist Robin Boult, der den jüngst ausgestiegenen Frank Usher ersetzte, bislang die einzige Konstante in der Band von FISH. Er kann ebenso Akzente setzen wie Keyboarder Foss Paterson, der vor allem mit seinem unprätentiösen Pianospiel glänzt. Damit gelingt dem Schotten eines seiner stärksten Werke, das mir auch besser gefällt als der letzte Output seiner früheren Kollegen. (Pfälzer)

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 66:38 min
Label: Chocolate Frog Records
Veröffentlichungstermin: September 2013

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