keemarcello_judaskissManchmal eröffnen sich einem im Leben Chancen, die man auf keinen Fall ausschlagen kann. Der schwedische Gitarrist bekam im Oktober 1986 so eine, als er gefragt wurde, ob er John Norum bei EUROPE ersetzen wolle. Zwar hatte er mit EASY ACTION die neben HANOI ROCKS hoffnungsvollste skandinavische Glam-Band am Start, doch wie war das mit ausschlagen können? Die folgenden sechs Jahre waren eine einzige Erfolgsgeschichte, KEE MARCELOO spielte „Prisoners In Paradise" und mein Alltime-Fave „Out Of This World" mit den damaligen Superstars ein.
Doch jede Story hat ihr Ende und in den Hochzeiten des Grunge konnte und wollte die Truppe dem Zeitgeist nicht mehr folgen. Nach einer Scheibe mit dem Projekt RED FUN 1993 hörte man jahrelang nichts mehr von dem Gitarristen. Erst bei der legendären Millenium-Show in Stockholm stand er wieder mit EUROPE auf der Bühne, war trotzdem nicht bei der Reunion 2004 dabei. In der Folgezeit nahm er einige Soloalben auf und reanimierte seine erste Band für ein paar Shows. Nun erschien ein weiterer Alleingang mit dem Titel „Judas Kiss".

Hierauf übernahm der Mann neben den sechs Saiten auch den Gesang und die Keyboards. Ihm zur Seite standen lediglich sein alter Kumpel Ken Sandin am Bass und Trommel-Tausendsassa Mike Terrana (AXEL RUDI PELL, RAGE, etc.). Folglich eher schwer anzunehmen, dass KEE MARCELLO sich weit von seinen Wurzeln entfernt, die im traditionellen Hardrock liegen. Und in der Tat bietet er genau den Stoff, den man von ihm erwartet, wenn auch ein wenig zeitgemäßer ausgerichtet. Doch keine Angst, die Neunziger sind fast vollständig an ihm vorbei gegangen. Ähnlich wie seinen ehemaligen Kollegen auf den ersten Scheiben nach dem Comeback gelingt ihm diese Mischung aus Groove und knalligen Arrangements.

Am nächsten kommt er ihnen bei dem starken „Dead End Highway", welches auch auf „Start From The Dark" hätte stehen können. Hier passt die Mixtur aus hohem Melodiegehalt und groovenden Riffs am besten, doch auch weitere Titel wie das schwere „I´m Stoned" oder das riffrockende „Dog Eat Dog" schlagen in die Kerbe. Aber der Saitendehner weitet seinen Horizont aus, das sehr forsche „Get On Top" hat eine noch größere AC/DC-Schlagseite, während der Opener „Zombie" eher nach BILLY IDOL klingt.
Wer sich fragt, wo seine bluesigen Ansätze geblieben sind, die vor allem den vierten EUROPE-Dreher aufgewertet haben, der muss etwas suchen. Die verstecken sich bei Nummern wie „Dead Give Away" eher hinter dem Groove und erinnern so an Sachen wie „Yesterday´s News". Einen weiteren Einfluss kann er ebenso wenig leugnen, „Love Will Tear Us Apart" kommt von der Melodieführung THIN LIZZY recht nahe. Und wer es noch ein bisschen melodiöser will, der kommt bei Balladen wie „Starless Sky" oder „And Forever More", dem Duett mit Liv Moon auf seine Kosten.

„Judas Kiss" erweist sich als runde Angelegenheit, die vor allem durch den Abwechslungsreichtum zu glänzen weiß. KEE MARCELLO und seinen Mitstreitern gelingt es dennoch alles unter einem roten Faden zusammen zu halten, so dass das Werk nicht zu zerfahren wirkt. Neben dem guten Songwriting und seinem Spiel, das vor allem bei den Soli Akzente setzt, weiß sich der Mann auch als Produzent zu behaupten. Der druckvolle Sound schiebt gut nach vorne, vor allem weil es gelungen ist, die Drums gut einzufangen. Da er auch als Vokalist eine solide Figur abliefert, gibt es kaum etwas an der Scheibe auszusetzen. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 58:44 min
Label: 7 Hard / 7 Us
Veröffentlichungstermin: 05.04.2013

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