prettymaids_motherlandMit ihren ersten beiden Alben schlugen die Dänen wie eine Bombe in der Szene ein, viele sagten ihnen eine große Zukunft voraus. Doch durch Krankheiten und Besetzungswechsel streckte sich der Zeitraum zwischen den Veröffentlichungen immer auf drei Jahre, zuviel für eine junge Band in der Zeit. Mit dem völlig unterbewerteten dritten Album begann der Abstieg, in den Neunzigern versuchten sich PRETTY MAIDS gar an Akustikalben und vor zehn Jahren stand man kurz vorm finanziellen Kollaps. Doch man besann sich eines Besseren und liefert bis heute immer ordentliche Qualität ab, auch wenn man nur mit "Spooked" 1997 an die Klasse der Frühwerke heran reichte. Vor drei Jahren modernisierten sie ihre Mischung aus Melodicmetal und Hardrock mit "Pandemonium" etwas, wo führt der Weg mit "Motherland" hin?

Schon die ersten Töne stellen klar, dass man sich auf dem selben Pfad befindet wie beim Vorgänger und die Modernisierung noch forciert. Das treibende "Mother Of All Lies" pumpt in den Strophen kraftvoll nach vorne, immer wieder garniert von Keyboardeinsprengseln. Im Refrain harmonieren diese gut mit den Gitarren, wie man es von der Truppe gewohnt ist, ansonsten tauchen die typischen Fanfaren und Flächen nur selten auf. Morten Sandager setzt auf kleine Details und Einfälle, viel Gefiepe und noisige Ausflüge, alles in sehr zeitgemäßem Sound.
Die Vocals sind oft mit Effekten beladen, am deutlichsten bei den Backgroundchören von "Hooligan" zu hören. Auch die Stimme von Ronnie Atkins wird das ein oder andere Mal verfremdet, wobei die Melodielinien doch sehr klassisch gehalten sind. Aber die Gitarren sind meist in den tieferen Regionen zu finden, statt schnellen Läufen haut Ken Hammer lieber Staccatos wie in "Why So Serious?" raus. Richtig düster erscheinen PRETTY MAIDS im schwer pumpenden "The Iceman", das von seiner Atmosphäre lebt.

 

Das klingt jetzt erstmal schwerer verdaulich für den alten Fan, doch wenn man hinter die sehr moderne, äußerst druckvolle Produktion blickt, so erkennt man vieles, was man einst lieb gewonnen hat. Da dürfen mainstreamige, locker rockende Nummern im Stile von "Hell On High Heels" wie "Sad To See You Suffer" oder "Bullet For You" nicht fehlen. Ebenso selbstverständlich ist natürlich Balladenkost, wie man sie von "Infinity" oder "Wasted" serviert bekommt. Wer auf sphärische Momente wie bei "Die With Your Dreams" steht, kommt bei "To Fool A Nation" auf seine Kosten, während der Titelsong für alle geeignet ist, die sich bei schnellen Stücken gerne die Rübe runterschrauben.

In einem Klanggewand wie bei "Jump The Gun" oder "Scream" würden die Anhänger "Motherland" problemlos da einsortieren. Aber die Herren haben kein Interesse daran sich ständig zu wiederholen, und das ist absolut verständlich. Man muss als Künstler immer nach neuen Inspirationen suchen, auch wenn man diese erst bei der Arbeit im Studio findet. Über manche Strecken wirkt das zu dick aufgetragen, die Dynamik leidet unter der Wucht, manches kann sich nicht entfalten.
Durch die ziemlich straffe Ausrichtung werden auch einige Feinheiten zugedeckt. Auf der anderen Seite entstehen bei "Who What Whre When Why" auch wieder tolle Kontraste zwischen Synthieschwaden und tiefen Riffs. Wenn man sich erstmal an daran gewöhnt hat, findet man auf dem Album eine Reihe starker Kompositionen, dennoch finde ich, dass PRETTY MAIDS die Balance auf dem Vorläufer besser hinbekommen haben. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 51:03 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 22.03.2013

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