U.D.O. - Mission No. X Seitdem sich das deutsche Metal-Urgestein ACCEPT 1996 endgültig aufgelöst haben, ist das bekannteste deutsche Reibeisen Udo mit seiner eigenen Band U.D.O. einer der Verlässlichsten, was neue Alben angeht. Nicht nur die Regelmäßigkeit der Veröffentlichungen, sondern auch deren inhaltliche Qualität ließen kaum Wünsche offen. Nun gut, ob der Split von ACCEPT nach den diesjährigen Festivalauftritten wirklich „endgültig“ bleibt, darf gerne diskutiert werden, Fakt ist jedenfalls, dass nun das mittlerweile zehnte (!) U.D.O.-Album – passenderweise „Mission No. X“ betitelt – ins Haus steht. Mit dem Opener und Titeltrack „Mission No. X“ lassen sich Udo, Stefan & Co. zunächst viel Zeit und bauen den Spannungsbogen über anderthalb Minuten sehr langsam auf, bevor sie dann schlagartig zu einem straighten Midtempo-Dampfhammer übergehen. Mit den folgenden – und von der Vorab-Single bereits bekannten „24/7“ sowie „Mean Streets“ drehen U.D.O. dann richtig zu gewohnter Klasse auf. Insbesondere „24/7“ besitzt alle typischen Trademarks von knackigen Riffs, ohrwurmverdächtigen Refrain und frischer Sirenenstimme, die beim Opener noch etwas gedrungen klingt. „Mean Streets“ geht etwas ruhiger zu Werke, überrascht vielleicht durch Udos zeitweiligen Sprechgesang, kann aber vor allem durch das extrem fette Riff überzeugen.
Auf hohem Level und erfreulich vielschichtig präsentiert sich ein weiterer Kracher namens „Primecrime On Primetime“, der verwandt zu dem Material klingt, was ACCEPT auf ihrem letzten Album „Predator“ ablieferten – und auch mit dem majestätisch balladesken „Eye Of The Eagle“ verbuchen U.D.O. weitere Punkte. Balladen sind für viele (Fans und Bands) ein schwarzes Tuch und die „Quotenballade“, die viele Bands auf ihre CD pressen entpuppt sich vielfach als ein ungeliebter Griff in den Schmalztopf.
Schon mit ACCEPT und „Writing On The Wall“, spätestens aber seit „Azrael“ auf der U.D.O.-„No Limits“ von 1998 haben aber gerade U.D.O. den Bogen raus und liefern wirklich druckvolle und in sich schlüssige Balladen ab, die das Album gar aufwerten können – und mit dem Gänsehautrefrain von „Cry Soldier Cry“ übertreffen sich die Jungs selbst – und greifen zudem auch textlich mal wieder ein heißes Eisen an. Apropos „No Limits“ – warum die Band ihren damaligen eher durchschnittlichen Titel „Way Of Life“ für das vorliegende Album covert und eher etwas reduziert präsentiert, bleibt leider offen.
Dafür springt „Shell Shock Fever“ genauso wie „Breaking Down The Borders“ wieder ohne Kompromisse zur Wiedergutmachung ein und auch das gemäßigtere, dafür aber mit entsprechend massigerem Riff versehene „Stone Hard“ punktet voll. Zum Abschluss haben sich U.D.O. dann mit „Mad For Crazy“ noch einen rasanten und frischen Rocker ausgesucht, der ohne Weiteres auch wieder aus der historischen ACCEPT-Feder stammen könnte.

Jetzt habe ich in diesem Review so oft auf ACCEPT verwiesen – aber U.D.O. beweisen mit „Mission No. X“ einfach, dass ACCEPT insgeheim weiterlebt – entwickelt sich der Stil der Band doch immer mehr dahin, wie man sich ACCEPT heute wohl vorstellen würde. „Mission No. X“ ist ein fast perfektes klassisches Heavy-Metal-Album in zeitgemäßer Aufmachung, wie man es sich anders von den Herren Dirkschneider und Kaufmann kaum wünschen kann – abgesehen vielleicht von dem Cover eigener Songs und der viel zu kurzen Spielzeit – wobei U.D.O.-Alben ja eigentlich nie lang genug sein können…

Note: 8,5 / 10

Anspieltipps: „24/7“, „Stone Hard“, „Cry Soldier Cry“

Spielzeit: 47:20 min.
Titel: 11
Label: AFM Records

(Naglagor)
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