beardfish_thevoidDa sind sie ja schon wieder meine Lieblings-Schweden-Progger, mit Review Nummer Vier führen sie die Liste der meist besprochenen Bands bei mir an. Die Jungs sind ja auch wahre Kreativdinosaurier, die im Rhythmus von eineinhalb Jahren eine randvolle Wundertüte an progressiver Tonkunst servieren. Klar, haben BEARDFISH mit einem gleich bleibenden Line-Up auch keine großen Probleme zu bewältigen. Leider auch wenig Live-Konzerte, welche die Zeit rauben könnten, doch zumindest da wollen sie im Herbst nachbessern. Das neueste Output der kauzigen Skandinavier steht nun unter dem Titel „The Void" in den Läden.

Nach einem gesprochenen Intro von Andy Tillison, mit dessen Musikerkonglomerat THE TANGENT sie ja schon einmal getourt sind geht es mit „Voluntary Slaves" ziemlich metallisch los. Das frickelige Eingangsriff ist ein Stück weit prägend für den Rest des Longplayers. Der einsetzende Gesang entlarvt dagegen sofort seinen Urheber, die Melodielinien von Mastermind, Sänger und Keyboarder Rijkard Sjöbolm sind unverkennbar. Wie bei vielen anderen Titeln, die alle um die sechs bis acht Minuten gehen, so birgt auch der Opener einige Wendungen wie ruhige Passagen und die groovefreie Schlagzeugarbeit bei den Soli.

Mit viel mehr Groove beginnt dann „Turn To Gravel", der mit seiner Schwere an die modernen RUSH erinnert. Doch nicht nur hier, sondern auch im verschachtelten Lauf von „This Matter Of Mine" scheinen die kanadischen Prog-Überväter immer wieder durch. Überhaupt gibt man sich vielfach betont hart und zeitgemäß, ohne auch nur einen Deut an Integrität einzubüßen. Die Siebzigereinflüsse von GENESIS, CAMEL oder KING CRIMSON sind immer noch zu vernehmen, aber BEARDFISH haben aus den Vorgaben längst eine eigene Welt gebastelt.
Die jazzigen Retro-Prog-Sounds mit wundervollen Pianolinien gibt es vor allem im hinteren Teil der Scheibe zu entdecken, aber auch schon bei „They Whisper" sind sie am Start. Lässige Riffs duellieren sich mit der Orgel, während immer wieder Leadfills die Führung übernehmen. Beim Gesang, der im Refrain mehrstimmig zu gefallen weiß, schimmert dann wieder diese Canterbury-Relaxtheit durch, die schon immer ein Fixstern ihres Kosmos war.

Dennoch herrschen bei den ersten Tracks doch eher die deftigeren Töne vor, eine Entwicklung, die nicht von ungefähr kommt. „Sleep In Traffic – Part 2" war 2008 noch stark in den Seventies verwurzelt und fiel sehr theatralisch aus. Das wurde mit dem offen zur Schau gestellten Zappa-ismus auf dem knallbunten „Destined Solitaire" auf die Spitze getrieben. Zu Beginn des letzten Jahres war „Mammoth" wieder geerdeter und deutlich rockiger, nun setzen sie da einfach noch einen drauf. Nicht nur durch den Einsatz von Grunts geben jene Metal-Einflüsse „The Void" einen düstereren Anstrich als von der Band gewohnt, was in der Cover-Photographie manifestiert wird. Diese steht in deutlichem Gegensatz zu den PopArt-inspirierten Paintings der Vergangenheit.

In den Bereich der Longtracks begibt sich das Quartett mit dem sechzehnminütigen "Note", welches fast ein reines Canterbury-Stück darstellt. Bei der langen Instrumentalphase in der Mitte wird von klassisch angehauchten Pianos, konzertanten Passagen bis hin zu Moog-Sounds alles geboten, was das Progherz begehrt. Natürlich ist das alles nicht leicht verdaulich, wie auch der Rest des Albums und braucht eine gewisse Zeit, um sich voll zu entfalten. Man agiert wieder ein Stück weniger songdienlich als auf "Mammoth", doch dafür wird man immer wieder mit neuen Details belohnt, wenn man sich die Mühe macht hinzuhören. Wer bereits in das Universum der Bartfische vorgedrungen ist, der wird auch von "The Void" begeistert sein, denn trotz leichter Kurskorrekturen bleiben sie sich treu. (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit 69:42 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 24.08.2012

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