manowar_lordsofsteelDie größte Enttäuschung meines doch schon langen Lebens im Zeichen des edlen Stahls stellen sicherlich die amerikanischen Metalhelden dar. In einer Zeit, in der ich mich noch nicht vollständig dem Metal verschrieben hatte erspielten sich MANOWAR unbeobachtet von meinem Radar mit sechs legendären Scheiben einen exzellenten Ruf. Mit "Kings Of Metal" wurde ich dann auf die Truppe aufmerksam, die damals als das heißeste Ding gehandelt wurde. Doch dann kam der Abstieg, nicht nur weil man sich immer ein gutes halbes Jahrzehnt Zeit ließ um nachzulegen.
Dazu war die Qualität nicht das was man erhoffen konnte, "Triumph Of Steel" geriet völlig überambitioniert und "Louder Than Hell" unfassbar steril. Mit "Warriors Of The World" vom gleichnamigen Album landete man einen Hit, der sich aber schnell abnutzte und die zugehörige Scheibe war doch sehr unausgewogen. Dann kamen noch die ganzen Skandale auf diversen Festivals dazu, mit denen MANOWAR ihren Ruf in der Szene ruinierten. Mit dem 2007 veröffentlichten "Gods Of War" war der Tiefpunkt erreicht, uninspirierte Klassikparts zuhauf, nur fünf dünn produzierte Metalsongs und "Warrior´s Prayer" wird irgendwann langweilig, wenn man es zigmal wiederholt. Eine neue Scheibe ist schon länger angekündigt, nun steht die Veröffentlichung bevor, als Download ist sie bereits erhältlich. Doch entgegen ersten Ankündigungen ist "The Lord Of Steel" keine Weiterführung der Asgard-Saga, das lässt hoffen.

Es beginnt durchaus viel versprechend. Schnelle Gitarrenläufe leiten den Titelsong ein, dann mahlt die Doublebass unablässig los. Eine aggressive Strophe führt über die aufbrausende Bridge zu einem typischen, wenn auch nicht sonderlich spektakulären Chorus. Klassisches Futter für die Fans, die erst einmal aufatmen können. Richtig räudig geht es bei dem plakativ betitelten „Manowarriors" zu, so ursprünglich klangen die Amerikaner seit ihrem Debüt selten. Kantige Riffs treiben die Nummer voran, im Refrain setzt es Gangshouts, das sollte vor allem live funktionieren. Dazu duellieren sich im Solo Karl Logan und Joey DeMayo ganz ordentlich, wobei sich das Sprachrohr angenehm zurück nimmt.

Beim folgenden „Born In A Grave" darf er dann richtig ran, sein pulsierender Rhythmus stampft gut nach vorne hin zum hymnischen Chorus. Wer nun an den großen Hit vor zehn Jahren denkt, liegt so falsch nicht, das hier könnte der Nachfolger sein. Von welcher Ballade „Righteous Glory" der Nachfolger ist, lässt sich schwerer sagen. Akustische Anklänge dominieren, bevor dann Pathos und Bombast ausgepackt werden. Doch zu vergangenen Großtaten wie „Master Of The Wind" fehlt doch die letzte Eindringlichkeit. Danach pumpt es wieder schön, wenn auch ein gutes Stück flotter, „Touch The Sky" kann mit rockiger Attitüde glänzen. Hier gelingt die stärkste und flüssigste Melodieführung auf „The Lord Of Steel".

Leider lässt es im Anschluss ein wenig zu Wünschen übrig, auch wenn die Idee zu „Black List" nicht schlecht ist. Doch die schwerfälligeren, doomigen Anklänge schleppen sich zu sehr dahin, ohne Spannung aufbauen zu können. Auch der Mittelteil wirkt uninspiriert, wobei gesagt sein muss, dass die Songs alle zu sehr in die Länge gezogen wurden. Hätte aber von der Machart auf „Into Glory Ride" stehen können. Neuland betritt der Vierer hingegen mit „Expendable", welches von den Riffstrukturen erstaunlich modern ausfällt, ohne überzeugen zu können.
Mit „El Gringo" finden sie wieder in die Bahn zurück, ein simples Staccato treibt im zweiten Teil der Strophe nach vorne und weckt Erinnerungen an „Louder Than Hell". Auch die beiden Schlussnummern könnten von diesem Werk stammen, fallen aber nicht so stark aus. Chöre, Glocken und Keyboardflächen schlagen nämlich eine im Titel angedeutete Brücke zu Morricone-Sountracks, was „El Gringo" ein cooles Flair verleiht. Gerade weil er dennoch ein klasssicher Song ist, nur wird hier der Hörspielcharakter geschickt eingebunden, was bei „Gods Of War" völlig fehl schlug.

Nein, die erhoffte triumphale Rückkehr der selbst ernannten „Kings Of Metal" ist es nicht, die letzten zwei Alben können übertroffen werden, aber das sollte nicht die Meßlatte sein. Es hapert einfach in der Umsetzung, vieles könnte ausgefeilter sein. Ich werde den Eindruck nicht los, dass es sich hier um Überbleibsel verschiedener Sessions handelt, denn die Scheibe wirkt nicht sehr homogen. Das macht sich sogar in der Produktion bemerkbar, wo „Touch The Sky" mit tollen Arrangements aufwartet, sind diese bei „Hail, Kill And Die" ziemlich lustlos. Ein paar feine Soli liefert Logan ab und muss sich nicht so oft hinter dem Bass verstecken, aber das zieht sich auch nicht durch die komplette Spielzeit.

Und Eric Adams hat auch schon mit mehr Enthusiasmus gesungen, auch wenn er seine Klasse hier und da aufblitzen lässt. Dazu könnte der Sound druckvoller und wuchtiger ausgefallen sein, vor allem unter dem Hintergrund, dass MANOWAR angeblich immer so lange arbeiten, bis sie den Fans das Optimale präsentieren können. Das sehe ich hier nicht so, sondern wie so oft, dass ein externer Produzent aus den Songs hätte mehr rausholen können. Nur sind MANOWAR wohl die Letzten, die Ideen von außen zulassen werden. Damit werden sie kaum Fans zurück gewinnen können, aber viel weitere werden sie auch nicht verlieren. (Pfälzer)

Bewertung: 6,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 48:02 min
Label: Magic Circle
Veröffentlichungstermin: 16.06.2012 als Download / 07.09.2012 als CD

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