Marty Friedman - Tokyo JukeboxMARTY FRIEDMAN,  eigentlich bringt man den Namen automatisch mit einer Band und einer Person in Verbindung, welche immer mal wieder für viel Unruhe sorgt. Gerade vor kurzem erst wegen der Aussprache gegen die Homoehe in den U.S.A., gemeint ist natürlich niemand anderes als Dave Mustaine und MEGADETH, die sich musikalisch momentan wieder auf Kurs befinden und auch live wieder viel Boden gut gemacht haben. Eigentlich verwunderlich, dass Mr. Mustaine nach der Aussprache mit David Ellefson nicht auch gleich seinen alten Brother in Arm MARTY FRIEDMAN zurückgeholt hat, um eine weitere „Rust In Peace“ einzuspielen. Aber hier soll es nicht um MEGADETH gehen, zumal MARTY FRIEDMAN nach der Risk-Tour 1999 der Band den Rücken zugewendet hat und seither auch nur wenig Anzeichen gemacht hat, zu ihnen zurück zu kehren. Stattdessen ist er nach Tokio ausgewandert und feiert dort Erfolge mit verschiedenen musikalischen TV-Sendungen, welche er persönlich moderiert. In Japan ist er dadurch mittlerweile zu einem erfolgreichen Star mutiert und wird geradezu vergöttert.

Nach längerem Warten erscheint nun auch in Europa sein aktuelles Album, allerdings gleich in doppelter Form. „Bad D.N.A.“ und „Tokyo Jukebox 2“ erscheinen nämlich gemeinsam als Doppelalbum. Bei beiden Alben handelt es sich um Instrumental-Alben. Mit MEGADETH hat das alles nicht mehr so viel zu tun und mit jedem Song wird etwas deutlicher, weshalb Friedman nur noch solo unterwegs ist. Musikalisch bewegt sich das Album sehr in experimentellen Bereichen. So wechseln sich Speed Passagen mit harten Rhythmuspassagen ab, dazu gibt es noch viele Effekte, welche die Songs sehr abwechslungsreich gestalten, teilweise aber auch sehr poppig wirken lassen. Gitarrentechnisch ist Friedman natürlich klasse, dass er daher aber gutes Songmaterial entstehen lässt,  ist schwer zu sagen, einige Passagen wie zum Beispiel bei „Glorious Accident“ gehen sehr gut ins Ohr und man könnte sich diese auch sehr gut mit Gesang vorstellen. Allerdings ist das Doppelalbum eher etwas für Gitarrenpuristen und die, die sich auch 2 Stunden auf ein Konzert stellen würden, nur um einer Person beim Gitarrenspielen zu zusehen.

Die ganze Platte hindurch wird allerdings deutlich, dass sich Friedman sehr für die japanische Kultur interessiert, nicht nur an den Titeln „Canon A La Koto“ oder „Mata Kimi Ki Noi Shiteru“ sondern auch die Klänge der einzelnen Songs passen sehr gut in die japanische Kultur, immer wieder natürlich mit unglaublichen Solos gespickt. Neben den schnellen Songs werden aber auch etwas ruhigere Töne angeschlagen, so ist „I Love You“ zum Beispiel eine sehr schöne Power-Ballade. Der letzte Song des Albums „Bad D.N.A.“ dürfte jedem bekannt sein, „Time To Say Goodbye“ klingt in der Marty Friedmann Version sehr gelungen und interessant.

Der Sound ist super, teilweise klingt er allerdings sehr nach japanischen Rollenspielen. Das Schlagzeug klingt vereinzelt zu klinisch und auch die eingesetzten Effekte können auf Dauer durchaus zu poppig sein und den Zuhörer vergraulen.
Um ehrlich zu sein, fällt es hier ein wenig schwer eine Bewertung für das Album abzugeben, da rein von der Gitarrenarbeit her gesehen sich das Album natürlich auf einem sehr hohen Niveau befindet. Songwriting kann jedoch nur schwerlich bewertet werden, zwar gibt es Songs, die durchaus richtige Strukturen hervor bringen, wie zum Beispiel „Random Star“ teilweise wirken die Songs aber wie ein ellenlanges Solo. Ein ellenlanges großartiges Solo! Da ich das Album aber als das ansehen möchte, was es ist, ein Soloalbum/Instrumentalalbum, bekommt es auch seine verdienten acht Punkte. Interessant wäre es jedoch trotzdem zu wissen, wie MEGADETH anno 2012 mit MARTY FRIEDMAN klingen würden, bitte nicht falsch verstehen Chris Broderick. (Pascal)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 21
Spielzeit: 77:29 min
Label: Verycords/Soulfood
Veröffentlichungstermin: 11.05.2012

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