Mehrfach-Wertung der RedaktionfirebirthAm 5. Oktober 2010 schockte ein Ereignis unsere eidgenössischen Nachbarn bis ins Mark. Bei einem Motorradausflug in den USA kam Steve Lee, der Sänger der Schweizer Hardrock-Helden GOTTHARD ums Leben. Viele sahen schon das Ende der Band gekommen, doch der Rest der Truppe wollte nicht aufgeben. Kämpferisch zeigten sie sich trotz eher zahmer Mucke schon immer, so auch als sie zu Beginn ihrer Karriere mitten im Grunge-Boom unbeirrt auf klassische Rockklänge setzten. Der Erfolg gab ihnen recht, kaum eine andere Band rettete das Genre so durch diese Zeit. Dann geriet das Schiff nach schwächeren, pop-orientierten Scheiben ins Schlingern, doch auch hier riss man sich wieder zusammen und konnte in die Spur zurück gelangen. Und nun galt es einen neuen Frontmann zu finden, mit dem man die Geschichte weiter führen kann. Die ist es wert, denn mittlerweile erzielte man in der ganzen Welt große Erfolge. In dem aus der Schweiz stammenden, aber zwischenzeitlich nach Australien ausgewanderten Nic Maeder fand man einen geeigneten Mann für die Position und das erste Video "Remember It´s Me" hörte sich schon gut an. Nun legt man mit "Firebirth" im Albumformat nach, wie wird dieses bei den Fans ankommen?

Schon "Starlight" macht es deutlich, der Sound wurde merklich entschlackt. Waren "Domino Effect" und "Need To Believe" noch allzu geschliffen ausgefallen, so dröhnt der Opener trotz der "uhuh"-Chöre wesentlich rauer aus den Boxen. Die Gitarren haben wieder mehr Ecken und Kanten, wenngleich der Härtegrad nicht unbedingt gesteigert wurde. Aber dieses abgehangene Blues-Feeling kommt wieder mehr zum Vorschein.
Das folgende "Give Me Real" drückt trotz des etwas abgehackten Riffs schön nach vorne und versprüht ein wenig das Feeling der ersten Alben. Gleiches gilt für "Fight", bei dem in der Strophe der Bass schön pumpt und Leo Leoni fulminant soliert. Der vorab veröffentlichte Song beginnt ruhig und sorgt für den ersten Feuerzeugalarm, obwohl da heutzutage eher das Handydisplay herhalten muss. Nach dem Solo zieht die Dynamik kurz an und lässt die Nummer da noch mehr nach WHITESNAKE klingen, aber die waren bisher schon immer ein Haupteinfluss der Schweizer.

Wenn schon mit einem leichten Hauch von Coverdale das Gespräch auf den Gesang kommt, muss man direkt die Frage stellen, wie sich der junge Maeder macht. Neben der Ähnlichkeit zum Grandseigneur des Hardrock ist er stimmlich auch nicht weit von seinem Vorgänger entfernt. Daher können Fans erstmal aufatmen, denn große Verschiebungen der Marschrichtung wird es auch in der Besetzung nicht geben. Was ihm aber fehlt, ist das ganz große Charisma, dass Steve Lee auszeichnete, mit dem er den Liedern immer noch etwas mehr geben konnte. Auch in Sachen Stimmgewalt war er seinem Nachfolger ein wenig voraus, da scheint sich der Neue noch nicht viel zuzutrauen.

Es sind natürlich große Fußstapfen, die er ausfüllen muss und das fördert oft eine gewisse Ehrfurcht zutage. Die gilt es aber abzulegen, spätestens wenn die Liveauftritte anstehen. Das Vertrauen seiner Mitmusiker hat er auf alle Fälle, denn sie haben angekündigt, aufzuhören wenn es mit ihm nicht klappen sollte. Das kann aber für so einen Mann auch zur Belastung werden. Doch das Selbstvertrauen kommt oft mit dem Erfolg und da könnten ihm umjubelte Konzerte weiterhelfen. Ein Springsteen, Hetfield oder Stewart waren zu Beginn auch sehr schüchtern und sind heute überlebensgroße Charaktere. Aber er muss nicht nur durch die Musik überzeugen, er muss die Fans für sich gewinnen, eine Aufgabe an der viele wie Tim Owens und Blaze Baley gescheitert sind.

Mit "Yippie Aye Yay" fangen dann die Probleme von "Firebirth" an, country-geschwängerte BONFIRE der Neunziger schauen kurz mal vorbei. Die Songs zünden nicht über die volle Länge, starke Parts mischen sich zusehends mit Belanglosigkeiten und manchmal biederen Arrangements. Vielleicht ist der Steve Lee gewidmete Rausschmeisser "Where Are You" eine Ballade zuviel. Nichts gegen ruhige Songs, solange die Melodien stimmen, das hier ist aber nur Lagerfeuerromantik. Wer weiß, ob der Verstorbene den Songs ein wenig mehr Charakter hätte geben können, wie ich oben bereits angedeutet habe.
Doch an Nic Maeder liegt es beileibe nicht, dass alles nicht mehr greift, denn am Songwriting haperte es bereits auf "Need To Believe". Da müssen die Jungs mal wieder eine Schippe drauf legen, damit der neue Frontmann eine reelle Chance hat. Dennoch kommt die Scheibe besser rüber als der Vorgänger, weil der arg polierte Sound zurückgefahren wurde. Nur muss ich wie schon bei GREAT WHITE darauf hinweisen, dass in dem Genre dieses Jahr EUROPE das Maß aller Dinge sind, vor allem eben klangtechnisch. Da Kevin Shirley nicht alles produzieren kann, muss man in der Schweiz selbst sehen wie man sich beim nächsten Mal wieder ein bisschen steigert. (Pfälzer)

 

Bewertung: 7 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 49:18 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 01.06.2012

Wertung der Redaktion
David Kevin Simon Maik Jannick Pascal Anne
7,5 7 7,5 8 7 8,5 8
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