prettymaids_itcomesaliveBei einer Aufzählung an Bands die es trotz bester Vorraussetzungen nicht geschafft haben muss ganz vorne der Name PRETTY MAIDS fallen. Mitte der Achtziger schuf man mit „Red, Hot And Heavy" sowie „Future World" zwei Klassiker des melodischen Metals. Warum dennoch nicht der große Durchbruch gelang ist schwer zu sagen. Natürlich waren die vielen Besetzungswechsel Gift für die Karriere und die daraus resultierenden drei Jahre zwischen den Veröffentlichungen damals Welten. Dazu wurde das ominöse dritte Album „Jump The Gun" doch arg unter Wert geschlagen.
Nach der zeitweisen Orientierungslosigkeit der Neunziger backen die Frontfiguren Ronnie Atkins und Ken Hammer heute deutlich kleinere Brötchen, neuen Stoff gibt es nur alle paar Jahre. Das letzte „Pandemonium" kam 2010 und konnte durchaus überzeugen. Auf der Bühne können die Dänen immer noch von ihrer Vergangenheit zehren, so dass man sich damit über Wasser halten kann. Nun steht mit „It Comes Alive" die erste DVD ihrer langen Historie in den Läden.

Wie der Untertitel „Live in Switzerland" schon sagt wurde die Scheibe im Alpenstaat aufgenommen. Genauer im dortigen Metal-Mekka, dem Z7 in Pratteln, sicher eine gute Wahl für die Show, leider haben wir nur die CD-Ausgabe zum Besprechen. Der Gig wurde am 1. Oktober 2010 im Laufe der Tournee zum aktuellen Album aufgezeichnet und präsentiert die Band in starker Form, vor allem weil man mit 21 Songs wirklich ein mächtiges Set bietet.
Die Spielfreude ist schon von Beginn an zu spüren und überträgt sich sofort auf das Publikum. Dazu spult man nicht nur stumpf das Programm herunter, sondern improvisiert auch gerne mal und interagiert viel mit den Zuschauern. Die Musiker wirken gut aufeinander eingespielt und tun gut daran ihre Klassiker nicht gleich zu verheizen. Stattdessen demonstriert man immer noch Relevanz indem man mit zwei aktuellen Titeln eröffnet.

Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch und die wurde auf der Scheibe gut eingefangen. Auch in der Folgezeit feiert man Titel aus allen Phasen der Geschichte ab, während die Kracher eher gegen Ende gezockt werden. Viele Fans haben ihnen über die Jahre immer noch die Treue gehalten und wurden meist mit nicht viel schwächerem Material als in der Hochphase belohnt. Nun ist so eine Setlist bei der Fülle an Songs immer so eine Sache, PRETTY MAIDS lösen das durchaus geschickt, indem sie von fast allen Longplayern spielen.
Im Mittelpunkt stehen natürlich ganz klar die zwei Überscheiben und selbst hier fehlen mir „We Came To Rock" oder „A Place InThe Night". Ebenso unverständlich ist, dass man vom besten Album seit dieser Phase, dem 1997er „Spooked" keinen Titel brachte während der direkte Vorläufer sowie Nachfolger mit zwei Nummern bedacht wurden. Interessanterweise finden auch viele Mainstreamtitel wie „Another Shot Of Love" den Weg ins Set, die Skandinavier setzen nicht nur auf die härteren Sachen.

Aber gerade die machen richtig Laune und eignen sich gut für ausgedehnte Singalongs. Wie schon erwähnt sind die Publikumschöre lautstark zu vernehmen, hier wäre es toll mal die DVD zu sehen wie diese auch optisch eingefangen wurden. Technisch ist auf „It Comes Alive" alles auf dem selben hohen Niveau wie das Konzert. Der Sound ist recht rau gehalten, druckvoll aber nicht sehr voluminös, was ihn sehr authentisch wirken lässt. Trotz der Ecken und Kanten ist das Klangbild differenziert, auch die Keyboards von Morten Sadanger kommen gut zur Geltung.
Ebenfalls zugute kommt, dass eben ein komplettes Konzert aufgezeichnet wurde, was homogener wirkt als von mehreren Shows zusammen gestellt. Dadurch ist die spezielle Atmosphäre besser zu spüren. In der Verfassung kann man noch einiges von den Dänen erwarten, auch wenn andere den dicken Rahm abschöpfen werden. Angesichts solch eines gelungenen Live-Dokumentes ist es noch mehr verwunderlich, dass es für die Jungs nicht zu Größerem gereicht hat. (Pfälzer)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 21
Spielzeit: 113:56 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 23.03.2012


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