freedomcall_landofthecrimsondawnFREEDOM CALL. Zum ersten Mal bewußt in mein Leben trat diese Band am 26.02.2002. An jenem historisch bedeutsamen Tag eröffneten die Deutschen für die mächtigen BLIND GUARDIAN in Saarburg. Und ich fand sie mal so richtig kacke. So kacke, daß ich sie seither gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser. Und jetzt, fast auf den Tag genau 10 Jahre später sitze ich hier und soll „Land Of The Crimson Dawn“ reviewen. Da wird sich so manch einer fragen, wie denn das kommt. Nun – ich bin selber schuld. In einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn, gepaart mit zuviel Freizeit, dachte ich, daß so ’ne schöne Power Metal-Platte zwischendurch ja sicher ganz nett wäre und daß FREEDOM CALL sich in den vergangenen Jahren bestimmt enorm verbessert haben. Außerdem sollte man irgendwann mal seine alten Traumata aufarbeiten.

Also nix wie ran an den Speck und die Scheibe eingeschmissen. Und – ich bin geplättet. Was da aus den Lautsprechern schallt, macht mich einfach nur fertig (und beim Autofahren extrem aggressiv, aber das ist eine andere Geschichte). Wow – mir fehlen die Worte. Tagelang überlege ich: Meinen die das ernst oder soll das eine Parodie sein?  Oder sind FREEDOM CALL einfach gar furchtbar lustige Gesellen? Ich entscheide mich für letzteres, denn anders ist das hier einfach nicht zu ertragen.

Ich meine, musikalisch sind FREEDOM CALL wirklich nicht schlecht, eigentlich sogar ziemlich gut – aber die Texte, die Texte! Selig seien die, die nie Englisch gelernt haben, denn die können diese Scheibe ungehemmt genießen. Leider gehört man schon zu den Verdammten, wenn man nur ein bißchen englisch spricht. Die Band treibt in ihren Texten klassischen Power Metal-Kitsch in ungeahnte Höhen und zeigt dabei besondere Vorlieben für die Worte „(Heavy) Metal“, „sword“, „warrior“, „victory“, „universe“, „king“, „rainbow“, „sun“, „light“, „battle“, „fight“, „sign“, „power“, „glory“ usw. Also textlich bewegt man sich ganz klar auf dem Niveau eines der Meilensteile des Power Metals mit peinlichen Texten: MIDNIGHT SUN – „Metal Machine“. Dabei bietet man dem Hörer auch lyrische Perlen wie „Now it’s time to release our sword from the disease“ (oder so ähnlich). Selten wurden heldenhaftere Texte geschrieben.

Unterstützt wird der Kitsch-Overkill von zahlreichen Chören, die mal richtig gut sind, mal ziemlich unmotivierte „Ohohos“ von sich geben und manchmal einfach nur peinlich sind. Wenn man aber genauer drüber nachdenkt, liegt „Land Of The Crimson Dawn“ eigentlich relativ nah an Luca Turillis „King of the Nordic Twilight“, was eigentlich auch verdammt panne ist und trotzdem hat man’s seinerzeit gehört. Aber das war noch im letzten Jahrtausend. Nun ja. Damals wäre „Land Of The Crimson Dawn“ bestimmt groß rausgekommen.

Aber genug gejammert. Wenn man sich beim Hören einfach vorstellt, man könnte kein Englisch, und sich dann noch die Chöre und den Kitsch wegdenkt, bleibt unterm Strich ein ziemlich gutes Power Metal-Album, das durchaus den ein oder anderen Lichtblick zu bieten hat. Zum Beispiel „Killer Gear“, der härteste Song der Platte, der es schafft sowohl an ATROCITY als auch an MICHAEL JACKSON zu erinnern und durchaus über eine gewisse Dramatik verfügt und sogar mit so was wie Growls aufwarten kann. Oder „Rockin’ Radio“, das vor allem mit seinem durchaus interessanten Beginn besticht und ein leichten Hang zu 80er-Jahre-Stadionrock aufweist. Auch „Sun In The Dark“, das phasenweise leicht an VOLBEAT erinnert, ist ein Song, den man sich durchaus ohne Ohrenschmerzen und ja, sogar mit leichtem Genuß (v.a. dank der Gitarrenläufe und –soli), anhören kann.

Andererseits gibt es aber auch Songs wie „Back Into The Land Of Light“, bei dem mir schlicht die Worte fehlen – ganz, ganz gruselig. Alles in allem kann man jedoch sagen, daß Leute, die auf GAMMA RAY, RHAPSODY OF FIRE, LUCA TURILLI und Konsorten stehen, bei der neuen Scheibe von FREEDOM CALL ruhig zugreifen können. Bei allen anderen haben sich FREEDOM CALL wahrscheinlich sowieso einen Ruf erspielt, der vor dem Griff ins Regal zurückschrecken läßt. Daß die Band das alles zumindest nicht zu 100 % ernst meint, zeigt sie ja schon in ihrem Video zu „Hero On Video“. Das rechtfertigt aber noch lange nicht die lyrische Mißhandlung unschuldiger Zuhörer! Und deshalb hier die Doppelwertung: Musik: 7, Texte: 2. (Anne)


Bewertung: 6 / 10

Anzahl der Songs: 14
Spielzeit: 63:03 min
Label: SPV
Veröffentlichungstermin: 24.02.2012
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