houseoflords_bigmoneyManchmal ist die zweite Karriere länger als die erste. HOUSE OF LORDS hatten damals das Pech der späten Geburt, wobei ihr Oberhaupt Greg Giuffria mit ANGEL und seiner eigenen Band schon längst den Durchbruch hätte schaffen müssen. So erschien ihr famoses Debüt 1988 als sich der Melodicrock schon auf dem Rückzug befand. Auch der kleine Hit „Can´t Find My Way Home" ihres Zweitwerkes konnte nicht verhindern, dass sich die Truppe ein Album und diverse Besetzungswechsel später auflöste.
Anfang des Jahrhunderts versuchte man sich an einer Reunion, bei der nach zäher Arbeit 2004 das eher modern ausgerichtete „Power And The Myth" heraus sprang. Abermals zerstreuten sich die Herren in alle Winde, aber Frontmann James Christian hatte wieder Blut geleckt. Er sicherte sich die Rechte am Bandnamen und trommelte eine neue Mannschaft zusammen. Seine wichtigsten Stützen dabei sind Drummer BJ Zampa und Sechssaiter Jimi Bell, beide bislang Umherreisende in der Rockwelt und versierte Songwritingpartner. Mit Scheiben wie „World Upside Down" und „Come To My Kingdom" gelang es Christian sowohl qualitativ als auch stilistisch dem Namen HOUSE OF LORDS gerecht zu werden. „Cartesian Dreams" fiel vor zwei Jahren etwas härter, düsterer und auch schwächer aus, nun erscheint „Big Money". Damit hat man schon mehr Alben auf dem Buckel als im ersten Anlauf, wo ordnet sich die neue ein?

Zu Beginn mit dem fast schon obligatorischen Titelsong als Opener erstmal da wo der Vorgänger aufgehört hat. Schwerere Riffs und teilweise verzerrte Vocals, dazu fast alternative Melodien in der ruhigen Bridge. In dieselbe Kerbe schlägt „One Man Down", welches mit den akustischen Gitarren am Anfang vom Aufbau her an „Demons Down" erinnert. Die schweren, dezent orientalisch angehauchten Keyboard-Schwaden tönen dann mehr nach der neuen, tendenziell modernen JOURNEY, wobei das bei den Meistern des Fachs besser kommt. Das liegt daran, dass diese schon immer die innovativeren Songwriter waren, während HOUSE OF LORDS schon immer im Mainstream zuhause waren.

 

Nur nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, das locker rockende „First To Cry" bringt endlich die bislang vermisste Unbeschwertheit ins Spiel. Die unaufdringliche, lässige Melodieführung steigert sich im knalligen Refrain bis zum hymnischen Ausbruch. Wenn ich sehe in welchen Clubs die Jungs heute solche Titel bringen müssen, tut es einem weh, so was gehört in die Arenen.

Die Key-Fanfaren beim folgenden „Someday When" hat man so schon seit dem BON JOVI-Debüt nicht mehr gehört, was definitiv zu lange ist. Nun scheint das Warten vorbei, auch wenn ich zugeben muss, dass das Kitsch ohne Ende ist. Hey, das ist Rock´n´Roll, das muss Spaß machen und das tut es nun endlich. Ab ins Cabrio, Backstein auf das Gaspedal und ab über die Landstrasse dem Sonnenuntergang entgegen, das Leben kann so einfach so schön sein.

Und es geht ebenso weiter, sei es beim rockigen von Synth-Tupfern garnierte „Hologram" oder dem treibenden „Run For Your Life". Von den Harmonien gut nach vorne gebracht glänzt der Chorus mit dramatischen Ansätzen. Weniger dramatisch fällt die Pianoballade „The Next Time I Hold You"aus, das hat man schon besser aus der Feder von James Christian gehört. Da können auch Streicher nicht verhindern, dass die Nummer ein wenig belanglos vor sich hin plätschert.
Nicht vor sich hin plätschern tun die letzten drei Songs von „Big Money", denn hier wird verhältnismäßig viel Gas gegeben. Bei „Seven" durchzieht das Eröffnungsriff die komplette Strophe, während sonst ein wenig das Tempo heraus genommen wird. Dennoch stehen auch hier die Melodien im Vordergrund und mit Ausnahme des leicht düsteren „Blood" auch die positive Ausstrahlung.

Und darum geht es hier, einfach um Spaß zu haben, das große Geld von Albumtitel machen heute ohnehin andere. Sicherlich ist das Album gefüllt mit diversen Plattitüden und die Kompositionen auch einfach strukturiert. Aber das erwartet auch keiner und irgendwie will das auch kein Fan. Zumal an der gewohnt druckvollen und voluminösen Produktion nichts zu bemängeln ist. In Zeiten in denen Retro-Prog fast wieder zeitgemäß ist stellt diese Mucke die wahre Zeitreise dar. Nicht ganz so stark wie die ersten beiden Alben in dem Line-Up, Melodicrock-Fetischisten kommen dennoch an der Scheibe nicht vorbei. (Pfälzer)

Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 49:32 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 23.09.2011

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