whitesnake_donington90Oh ja, das waren noch Zeiten, Monsters Of Rock, das einzige und wahre Metalfestival des Jahres lange vor Wacken und Konsorten. Da hatte ich gerade mal ein Konzert auf der Vita und dann stand dieses Großereignis an, noch dazu mit WHITESNAKE als Headliner. Als damals glühendster Verehrer von David Coverdale und Co. musste ich dahin, und sei es im Laderaum des Citroen 2CV Kastenwagen meines Kumpels. Was eine Paniktour, alleine das Hinkommen war eine Odysse und mein Anhang ging mir in meiner Aufregung auch schnell verloren.
Mit der heutigen Abgeklärtheit muss ich allerdings gestehen, dass AEROSMITH den eindeutig besseren Gig hinlegten. Ob es daran und an anderen nicht gerade wohlwollenden Kritiken lag, dass nie ein Mitschnitt davon veröffentlicht wurde lässt sich nicht genau sagen. Aufgenommen wurde die Scheibe wie der Titel „Live At Donignton 1990" schon sagt auf der Mutter aller Monsters of Rock, im englischen Donington und nicht auf dem Mannheimer Maimarktgelände. Drehen wir also das Rad der Zeit zurück als ein kleiner Pfälzer selig vor der Bühne stand.

Der Einstieg kommt mir selbst heute noch bekannt vor, der Titelsong des damals aktuellen Longplayers eröffnete die Shows, gefolgt von „Slide It In". Nur wurde der Kracher „Judgement Day", der sich als einziger „Slip Of The Tongue"-Track bis heute in der Setlist halten kann in Mannheim später rausgeballert. Da wurde zuvor viel soliert, was mit der mächtigen Produktion bei dem die zwei Saitendehner hinter Vorhängen auf Rampen thronten schon geil wirkte. Leider liegt uns nur die Audio-Version vor, deswegen kann ich nicht sagen wie man das in Donington präsentierte. Denn bei dem Gig liefern sich Vai und Vandenberg kein Duell, sondern haben ihre eigenen Solo-Spots.

Genau jener Steve Vai, der bei mir die meiste Zeit der Neunziger wegen Tierquälerei hinter Gittern verbracht hätte. Schließlich hat er nach der Tour die weiße Schlange ermordet, sein selbstverliebtes Spiel passt bis heute nicht zu der Formation. Zum Glück hat dann Coverdale vor ein paar Jahren die Jesus-Nummer durchgezogen, seitdem sind WHITESNAKE wieder eine Macht. Nur lief das neue wirklich starke Album „Forevermore" nicht wie erwartet, vielleicht will man mit der Live-Scheibe das Interesse daran etwas anheizen.

Die Setlist besteht zum großen Teil aus Liedern von den letzten zwei Alben, welche man zu der Zeit veröffentlicht hatte. Auch Titel wie „Crying In The Rain", „Here I Go Again" sowie „Fool For Your Loving" erklingen eher in den näher am Metal geschulten Richtung, die man mit „1987" eingeschlagen hat. Neben zwei Songs vom ebenfalls schon etwas kommerzielleren „Slide It In" kommt von den alten Klassikern nur noch das Cover des Standards „Ain´t No Love In The Heart Of The City" zum Zuge.
Allerdings vermute ich, dass das Konzert hier nicht komplett wieder gegeben wird, denn einige Songs fehlen, die bei den damaligen Konzerten immer im Set waren. Zwischen dem Vandenberg-Solo und „Is This Love" klafft irgendwie eine Lücke, in der man eine flotteres Stück erwarten könnte, wird wohl „Give Me All Your Love" gewesen sein.

In Sachen Qualität liefert „Live At Donington 1990" ein hervorragendes Ergebnis. Die Zuschauer sind gut eingefangen, die Stimmung grandios, die Band gut aufgelegt und für Open Air-Verhältnisse ist „The Cov" außerordentlich gut bei Stimme. Der Klang läst ebenfalls keine Wünsche offen, auch wenn da sicherlich nachgebessert wurde, Stichwort Komprimierung. Dennoch fängt man den Live-Sound prima ein, alles klingt sehr plastisch, aber die sehr gute Abmischung kann nicht von den Original-Aufnahmen stammen. Und wenn war man schön blöd diese bei der Klasse mehr als 20 Jahre zurück gehalten zu haben, das knallt ganz schön und macht Spaß.

Noch mehr Spaß könnte die DVD-Version machen, schon alleine weil Tommy Aldriges Drum-Solo mit bloßen Händen besser anzuschauen ist als anzuhören. Aber als Zeitdokument einer der größten Hardrockbands des Planeten ist diese Scheibe ein Ohrenschmaus. Ja, das waren noch Zeiten, vor allem wenn man sich das Billing bei dem sich Coverdale in der Schlussansage bedankt auf der Zunge zergehen lässt. In Deutschland war es ähnlich grandios und auch hier wurde unsinnigerweise wegen den Vorkommnissen 1988 auf Bands aus dem Thrash-Bereich verzichtet. Und wenn sich jemand fragt wo die „Slayer"-Rufe entstanden sind, ich war dabei! (Pfälzer)

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 17
Spielzeit: 103:45 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin:03.06.2011

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