alestorm_backthroughtimeWas macht man als passionierter Piratenmetaller, wenn man schon zwei Alben auf dem Markt hat, eigentlich schon alle sieben Weltmeere befahren und beraubt hat, sich mit leichten Mädchen umgeben und bei Met und Bier ordentlich zugelangt hat und man dann eine weitere Platte veröffentlichen soll? Man bastelt sich einen kleinen Kasten, nennt den Zeitmaschine und reist mal eben rund 600 Jahre in die Vergangenheit um sich mit seinen Wikingerkollegen zu treffen und denen die Beute streitig zu machen. Genug gesoffen hat man mit denen ja schließlich schon auf den vergangenen Tourneen. Ja, ihr habt richtig gelesen. ALESTORM reisen auf „Back Through Time“ in der Zeit zurück, um Wikinger zu bekämpfen. Ein Konzeptalbum ist die Scheibe aber trotzdem nicht geworden (wie könnten die Schotten auch irgendein Konzept ausarbeiten). Im Grunde fiedelt und klimpert man sich munter wie eh und je durch die Botanik – äh - über die hohe See und bereitet so manchen Ohren ordentlich Schmerzen.

Songschreiberisch sieht es bei ALESTORM wie eh und je nicht wirklich prall aus. Man hat ein paar echte Mitsinghymnen („Shipwrecked“, „Barrett’s Privateers“), aber ansonsten dümpelt man in seinem abgehalfterten Kahn mehr oder weniger leckgeschlagen über die See. Nach Met wird nun auch der Rum mit einem eigenen, gleichnamigen, Song beehrt. Allerdings möchte Sänger Chris den Rum gerne brauen. Ob da was Vernünftiges rauskommt, bleibt abzuwarten. Relativ sicher bin ich mir jedoch, daß der Song live gut ankommen und begeistert mitgesungen werden wird.

Der Song „Swashbuckled“ ist nicht - wie zu erwarten - ein Seitenhieb auf die amerikanischen Möchtegernpiraten, nein es ist ein Song ÜBER die Mitglieder der Konkurrenzfreibeuter. Denn die beiden Bands sehen sich mitnichten als Rivalen sondern trinken zusammen gerne mal einen über den Durst und haben sich zum Songschreiben gern. Dafür ist dann der 6-Sekunden-Song „Rumpelkombo“ seinem Namensgeber GRAVE DIGGER-Frontmann Chris Boltendahl gewidmet, der auf der gemeinsamen Tour mit ALESTORM anno 2009 diesen gerne mal einen besonders miesen Sound schenkte und auch sonst nicht gerade mit Sympathiebekunden glänzte, was den erklärten (nun wohl ehemaligen) GRAVE DIGGER-Fans doch zusetzte. Tja, wie man in den Wald reinruft, so schallt’s auch wieder raus. Selbst schuld, Herr Boltendahl.

„Barrett’s Privateers“ ist einer der besten Songs der Platte. Denn er hat alles, was so ein besoffene-Piraten-Mitgrölsong zum Überleben braucht. Midtempo, Ohrwurmmelodien und ein einprägsamer Refrain (auch wenn ich zu Beginn immer Wolpertier verstanden und mich gefragt habe, was ALESTORM jetzt mit ’nem Wolpertinger wollen). Und es ist der einzige (zumindest mir bekannte) Song, in der eine Band ihren Gastmusiker auch auf Platte vorstellt. Heri Joensen von den Dauertourkumpanen TÝR hat hier nämlich ein ziemlich geniales Gitarrensolo beigesteuert, das dem Song sehr gut zu Gesicht steht. So was sollten ALESTORM öfter mal in ihre Songs einbauen.

Daß die lustigen Schotten auch richtig böse sein können, beweisen sie mit „Death Throes Of The Terrorsquid“ (Angriff der Riesenkalmare?? Wo ist eigentlich die Knoblauchsoße?), dem letzten Song der Platte, zu dem Abigail Williams-Fronter Ken Sorceron fiese Screams beigesteuert hat, die dem Song eine ganz eigene Atmosphäre verleihen. Hier klingen ALESTORM nicht mehr wie ALESTORM sondern fast schon nach DIMMU BORGIR. Stark!

Mit „Back Through Time“ wird man seine angestammten Fans sicher zufrieden stellen können, Hasser werden die Band nach wie vor nicht leiden können. Besonders innovativ ist man bis auf die Gastmusiker auch nicht, aber das erwartet auch niemand von den Schotten. Allerdings hat man auch weniger Mitsinglieder im Gepäck als auf den vorangegangenen Scheiben und dümpelt überwiegend im Mittelmaß herum. Auf der anderen Seite kann man Alestorm aber auch nicht mit normalen Maßstäben messen. Hier ist Spaß das Hauptkriterium und mit genug Bier (wahlweise auch Met, Rum oder irgendeinem anderen alkoholischen Getränk) im Schädel wird man den auch bei den meisten Songs der Platte haben. Und sicher auch live, wenn die Band im Herbst im Rahmen des Heidenfestes wieder die Hallen Europas unsicher macht. (Anne)


Bewertung: 6,5 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 43:00 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 03.06.2011
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