beardfish_mammothDa sind sie wieder, meine Lieblings-Weirdos von BEARDFISH und sie legen wieder ein enormes Tempo an den Tag. Es sind noch keine drei Jahre vergangen seit ich den zweiten Part ihres "Sleeping In Traffic" besprochen habe und nun erscheint bereits das zweite Werk danach. Dazwischen lag "Destined Solitaire" mit dem die Schweden vor allem bei der Fachpresse euphorische Reaktionen ernteten. Mir war das ganze doch eine Spur zu viel des musikalischen Wahnsinns auch wenn man ihrem Hauptsongschreiber Rikard Sjöbolm konstatieren muss ein Händchen für feine Melodien zu haben. Nun steht mit "Mammoth" das nächste Schwergewicht in den Läden. Wo geht die Reise diesmal hin, reizt man die Möglichkeiten noch mehr aus oder schaltet man einen Gang zurück?

Könnte man schon nach den ersten Klängen meinen, denn verhaltene psychedelische Weisen lassen es erst einmal ruhig angehen, bevor diese auf Gitarrentexturen prallen. Diese Komponenten kollidieren im Verlauf des Albums noch öfter, stecken damit aber auch die beiden bestimmenden Pole ab.
Dazu gesellen sich gerne schwerfällige bluesige Ausflüge und markante Rock-Riffs, die ähnlich wie das was man von BEARDFISH bisher gewohnt ist tief in den Siebziger wurzeln. Davon ist auf  "Mammoth" noch viel übrig geblieben, denn auch hier sind die Vier eine der Formationen welche den traditionellen ProgRock authentisch und frisch in die heutige Zeit transportieren.

Das liegt auch daran, dass man vor aktuellen Strömungen nicht halt macht. Gerade im Gesangsbereich geht man streckenweise recht kernig zu Werke. Dass die Jungs Metal mögen hört man diesmal bei manchen Ausbrüchen doch heraus. Ansonsten bedient man sich bei den Zutaten, die schon KING CRIMSON oder GENTLE GIANT vor 40 Jahren verwendet haben. Da hat das gute alte Mellotron seine Auftritte, verfrickelte Passagen oder Solo-Duelle sorgen für Tupfer und die Orgel fügt schöne Flächen ein, die sich unter die ruhigeren Gesangslinien legen.

Überhaupt schweben die Vocals gerne mal in psychedelischen Weiten wie auch viele Teile des Albums. Und genau das lässt den Melodien, die gerne einmal fast poppig werden dürfen ein Stück weit mehr Luft zum Atmen als es vor allem auf dem Vorgänger der Fall war. Die schönen Harmonien aus perlenden Pianos, analogen Synthesizern, Gitarrenleads, sphärischen Elementen und dezenten Bassläufen kommen so besser zur Geltung. Und genau da liegen die Stärken der Schweden, vor allem weil sich die Themen auch in Longtracks öfter wiederholen und so für einen gesteigerten Wiedererkennungswert sorgen.

Jazz spielt natürlich auch eine Rolle in deren Klangkosmos, der vor allem durch den Einsatz des Saxophons geprägt wird. Dieses vermischt sich gerne mal mit dem übrigen Instrumentarium hat aber auch seine Solo-Momente. Gerade durch die Hinwendung zu rockigeren sowie relaxteren Momenten kommt man so wieder näher an die Label-Kollegen von THE TANGENT heran.

Welche Richtung, die BEARDFISH einschlagen man nun lieber mag muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf alle Fälle ist "Mammoth" trotz seines mächtigen Namens zugänglicher als die letzten Alben, wirkt nicht mehr so abgedreht und schlüssiger in den Songstrukturen. Dadurch bleibt natürlich nicht mehr so viel Platz für die Ideenvielfalt der jüngsten Vergangenheit. Mir persönlich gibt das neue Werk mehr als das was ich bislang von der Truppe hörte. Wer "Destined Solitaire" für den großen Wurf hielt könnte hier aber auch ein wenig enttäuscht werden. (Pfälzer)


Bewertung: 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 52:30 min
Label: InsideOut
Veröffentlichungstermin: 25.03.2011

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015