cover_artwork_unseen160Der Titel von Album Nummer sieben passt nicht gerade zu akustischen Eindrücken, aber ungehört ist die Musik ja auch nicht gerade. Eher unerhört.

Aber von Anfang an: THE HAUNTED haben 1998, zwei Jahre nach der Gründung aus Überresten von AT THE GATES, einen Meilenstein in Sachen Thrash vorgelegt. Das Debütalbum bot frischen, wegweisenden Thrash Metal anno 90er, mit vielen schwedischen Finessen, einem herrlich angepissten Sänger namens Peter Dolving und einem schiebenden drückenden Sound, den man schon als vermisst ansah.

13 Jahre später nun geht die Entwicklung einen Weg, den bestimmt nicht nur ich sowohl vorausgesehen als auch befürchtet haben: THE HAUNTED streifen die letzten Erinnerungen an die glorreichen Anfangstage ab und präsentieren sich in einem neuen Gewand. Und mit neu meine ich neu. Jetzt noch musikalischer. Jetzt noch emotionaler. Jetzt noch abwechslungsreicher. Jetzt noch besser?

 

Was sich schon bei „rEVOLVEr" abzeichnete und danach fortsetzte, wird nun mit „Unseen" manifestiert: THE HAUNTED wollen immer weiter weg von ihren Wurzeln, stattdessen wird ein akustisches Inferno höchster Ansprüche angekündigt, vollgepackt mit Ideen und Rafinessen. THE HAUNTED auf ihrem künstlerischen Climax? Nein, eher Klimakterium. Ja, genau, hier ist nichts mehr wie vorher. Der Auftritt auf dem hiesigen Rock Am Bach – Festival im vergangenen Jahr machte noch mal Hoffnung, ebenso hat ihnen vielleicht die SLAYER-Tour die Flausen ausgetrieben.

Aber es passierte anders. Man besann sich auf die „innovative" Seite der musikalischen Potentiale. Aber sogar ich erkenne diese „innovativen" Songelemente aus Bands wieder, die ich nur kennen muss, aber nicht will. Man orientiert sich dabei ohrenscheinlich an erfolgreichen Bands wie LINKIN PARK oder AVENGED SEVENFOLD, Peter's zugegebenermaßen talentiertes und vielseitiges Gesangsorgan klingt nun verwässert und unmännlich. Die Riffs sind seicht und beschränken sich auf Melodiepixel oder dahinplätscherndes Geschraddel. Bei manchen Songs denke ich keine Nuance mehr an Metal, sondern an Disco- und Dancefloormucke mit Gesangsohrwürmer à la ABBA. Hier kann bisher jeder Song locker im Radio laufen, PAPA ROACH oder HIM sind härter. Bei Track Nummer vier muss ich mal genervt ausschalten, da mir die Tränen der Wut und Trauer bis in die Ohren stehen, man will es einfach nicht wahrhaben, was man da geboten bekommt. Aber dennoch beiße ich mich bis zum letzten Track gequält durch, allerdings ohne einen Schimmer Hoffnung.

Es soll sich um eine Überraschung handeln – diese Überraschung ist so angenehm wie plötzlich eintretende Verdauungsschwierigkeiten. Die Fans werden es sicher ebenso übel nehmen und die Entwicklung als Frechheit ansehen, nicht nur ich sind da der Meinung, dass ein neuer Bandname Sinn macht. Mogelpackung fällt mir da spontan ein. Das Logo von THE HAUNTED, sinnbildlich mit der Silhouette des Serienmörders, verpufft hier in einer Wolke der Entrüstung und des Unverständnisses. Ist das noch eine musikalische Weiterentwicklung oder schon eher ein neu gefundener Jungbrunnen?

Und damit gebe ich endgültig eine Thrash Metal Band mehr auf; der neue Weg ist bestimmt nicht von mangelnder Musikalität geprägt, aber so gar nicht mehr mein Tanzbereich.
Dafür gehen also die Björlers dann noch mal mit AT THE GATES auf die Bühne und Jensen muss mit WITCHERY neu erlernen, was verdammter Thrash Metal ist? Ich bin maßlos enttäuscht!
Ich geh so denn dahin und trauere um das Verglimmen einer meiner neuzeitigen Hochheilighelden des Thrash Metal. Radiorock 1, Metal 0. (Jochen)


Bewertung: 5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 42:29 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 21.03.2011

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