doro_callingthewild.jpgDas Düsseldorfer Fräuleinwunder, das weibliche Metal-Aushängeschild schlechthin DORO feierte jüngst ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Ohne sie wäre für Frauen vieles unbestreitbar anders in der Metalwelt, sie hat mit ihrer Karriere jede Menge Türen geöffnet, nicht nur in Deutschland. Schon in den Anfängen mit WARLOCK hat sie der Szene Impulse gegeben und wurde als Solokünstlerin eine ihrer Führungsfiguren.
Da das letzte Album erst ein Jahr her ist gibt es momentan nur Wiederveröffentlichungen ihrer alten Alben vom wirtschaftlich wieder genesenen Label SPV. Den Anfang macht „Calling The Wild“, zeitgleich mit „Fight“, das in dieser Woche auch noch besprochen wird. Die Scheibe markierte einen Wendepunkt in DOROs Karriere und wird dementsprechend aufgemotzt.

Die Neuauflage kann sogar zwei Silberlinge vorzeigen, auf der allerlei selten oder nie veröffentlichtes Material zu hören ist. Die Scheibe war nach den elektronischen Experimenten der Neunziger, die nicht nur die Deutsche machte die Rückkehr zu ihren Metalwurzeln. Hier präsentierte sie sich eher in rockigem Gewand mit vor allem von der Rhythmusgruppe getriebenen Songs.

Los geht es mit dem ruppigen "Kiss Me Like A Cobra", das von leicht modernen Powerchords nach vorne getrieben wird. Treibender geht es bei "Dedication (I Give My Own Blood)" zu, bevor mit "Burn It Up" eine Hymne folgt, die heute noch zum festen Bestandteil ihrer Live-Shows gehört. Ursprünglich wurde die Nummer als Einmarschhymne für das Football-Team von Düsseldorf Rhine Fire geschrieben. Das Team existiert mittlerweile nicht mehr, da die gesamte NFL Europe pleite ging. Kein Wunder wer vor ein paar Tagen beim Superbowl gesehen hat wie es richtig geht, wird mir recht geben wenn ich die zusehends zur NFL Germany mutierte Veranstaltung als Retortenprodukt bezeichne.

Zurück zur Musik, da folgt mit "Give Me A Reason" die erste Ballade des Albums, die mit zunehmender Spieldauer immer öfter kommen. Während das melancholische "Black Rose" noch zu überzeugen weiß, ist "Danke" doch sehr kitschig ausgefallen. Besonders heraus zu heben ist das MOTÖRHEAD-Cover "Love Me Forever", bei dem sich DORO ein Duett mit Lemmy liefert, mit dem sie privat befreundet ist.
Weitere Gastspiele liefern Al Pitrelli (ASIA, ALICE COOPER, SAVATAGE) mit seinen Soli in "Dedication (I Give My Own Blood)" und dem bluesigen "Who You Love". Bei der MOTÖRHEAD-Ballade ist Bob Kulick zu hören und Slash steuert ein paar Leads zu "Now Or Never (Hope In The Darkest Hour)" bei.

Mit "Ich Will Alles" hat man auch zum ersten Mal eine deutsche Rocknummer auf ein Album gebannt, bisher komponierte DORO ja nur ruhige Stücke in ihrer Muttersprache. Abgerundet wird das Album von einer weiteren Coverversion, BILLY IDOLS "White Wedding" wird in Richtung SISTERS OF MERCY gebürstet. Anleihen an die elektronischen Vorgänger gibt es eigentlich nur noch bei der Halbballade "Scarred".
Etwas verwunderlich, aber zum Glück fing DORO mit "Calling The Wild" wieder an zu rocken, denn mit ex-KRUPPS Jürgen Engler ist derselbe Produzent am Werk gewesen. Aber auch mit ihren anderen Co-Writern Jimmy Harry und Gary Scruggs arbeitete die Düsseldorferin im Studio. Dadurch wurde das Album ein wenig zerfahren und uneinheitlich, was aber auch auf die späteren Werke zutraf.

Auf der zweiten CD, die als Bonus bei der Wiederveröffentlichung im aufklappbaren Digi beiliegt finden sich elf weitere Lieder. Mit "Alone Again" steuert Lemmy eine weitere, rein akustische Ballade bei, auf der er auch die Gitarre übernimmt. "I Want More" ist die englische Version von "Ich Will Alles", "Rip Me Apart" noch eine weitere Ballade und "I Adore You" eine Metal-Nummer mit Double-Bass-lastigem Ende.
Wozu man allerdings fünf Remixe von "Burn It Up" braucht, weiß ich allerdings nicht, zumal sie sich diese nicht groß unterscheiden. Eine komplette Neuinterpretierung sucht man vergebens, der "Lightning Mix" bietet ein paar Beats und der "Burning Hot Mix" viel Hall-Effekte. Ein weiteres Wiedersehen gibt es dann noch einmal bei den zwei akustischen Stücken, das andere stromlose Stück "Ich Will Alles" kennt man auch schon. Da dabei aber die Schlagzeugunterstützung fehlt, wirken die Lieder doch zu harmlos. Abgerundet wird das Re-Release-Digi durch Liner-Notes von DORO und ihrem langjährigen Bassisten Nick Douglas. (Pfälzer)


Bewertung: -/-

Anzahl der Songs: 26
Spielzeit: 90:32 min
Label: SPV
Veröffentlichungstermin: 22.01.2010

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