alestorm_blacksailsatmidnight.jpgEntweder man liebt oder hasst sie. Diese Aussage passt hervorragend zu den Schotten von ALESTORM, die seit ihrem letztjährigen Debüt „Captain Morgan's Revenge“ innerhalb der Szene polarisieren wie sonst nur Metalcore Bands. Für die einen sind ALESTORM die beste Erfindung seit RUNNING WILD, und die Band schlechthin, die endlich wieder neuen Schwung und Spaß ins müde Power Metal Genre bringt. Für die anderen stehen ALESTORM stellvertretend für den in den vergangenen Jahren eingetretenen Verfall der Metalszene, in der sich der Wackentourismus nur noch rudimentär vom Ballermann unterscheidet (für diesen Vergleich krieg ich Haue :)), und durch den die Musik immer mehr zur Nebensache geworden ist. Ganz egal wie man nun zu den Schotten (inklusive dem quasi eingebürgerten Iren) steht, zwei Dinge muss man ihnen auf jeden Fall lassen. Erstens war oben genanntes  Debüt ein Album, das sich wirklich hören lassen konnte, und zweitens haben sich ALESTORM in den vergangenen 12 Monaten wie kaum eine Band den Arsch abgespielt, um auf sich aufmerksam zu machen. Zwischendurch fand man sogar Zeit, ein paar neue Songs zu schreiben (man fragt sich wirklich wann), denn nach dem Vorgeschmack in Form der „Leviathan“ EP steht nun seit einigen Tagen „Black Sails At Midnight“, der zweite Longplayer, in den Regalen, der erneut für Gesprächsstoff sorgen wird.

Also rein damit in den Player, und beim ersten Höreindruck fallen einem direkt drei Dinge auf, mit denen „Black Sails At Midnight“ bereits gut beschrieben werden kann. Zum großen Erstaunen bleibt auf „Black Sails At Midnight“ so ziemlich alles beim Alten, sprich der Großteil der Songs hätte auch auf „Captain Morgan's Revenge“ stehen können. Spaß beiseite, von einer Band wie ALESTORM sind genausowenig Innovationen zu erwarten wie von AC/DC. Zweitens fällt auf, dass ALESTORM ein wenig am Tempo gedreht haben und eine gute Portion an Heavyness zugelegt haben, der Titelsong hat sogar was von Thrash Metal (aua, auch dafür setzt es Schläge). Ich für meinen Teil hätte eher das Gegenteil erwartet, dass ALESTORM gemäßigter zu Werke gehen, und verstärkt auf mitgröl- und mitschunkelbare Songs der Marke „Nancy The Tavern Wench“ setzen. So irrt man sich. Und drittens hat man an einigen Stellen den Eindruck, dass „ALESTORM goes NIGHTWISH“ gehen. Nein keine Sorge, Christopher Bowes ist nicht zu einer holden Maid mutiert, sondern man hat einfach bei vielen Songs (v.a. „Leviathan“, „The Quest“, „Black Sails At Midnight“) ein „Orchester“ in den Hintergrund eingebaut, was dem Ganzen etwas mehr Tiefe verleihen soll. 

Man sieht schon, „Black Sails At Midnight“ ist ganz einfach der logische nächste Schritt nach dem Debüt, denn trotz dieser kleinen Veränderungen, wird auch Album Nummer zwei von partytauglichen Krachern dominiert, von denen es so einige zu entdecken gibt. Angefangen bei der Doublebasshymne „The Quest“ bis zum abschließenden PIRATES OF THE SEA Cover „Wolves Of The Sea“, der Spaßfaktor wird nach wie vor groß geschrieben. Von daher hauen auch im folgenden das bereits bekannte  „Leviathan“, und die wirklich guten „That Famous Ol' Spiced“ und „Keelhauled“ in die gleiche Kerbe. Aus dem Gros an Partynummern fällt lediglich die Halbballade „To The End Of Our Days“ heraus, die in der Tat sogar so etwas wie Anspruch besitzt.

Und herausfallen ist kein verkehrtes Stichwort, denn mit „Chronicles Of Vengeance“ haben ALESTORM auch eine absolute Nullnummer mit auf's Album gepackt, die so gar nicht zünden will, und da ich gerade am Meckern bin, das Instrumental „No Quarter“ ist ebenfalls verzichtbar, lebt doch die ALESTORM'sche Musik vor allem vom Gesang. Und was den angeht, muss ich Sänger Chris Bowes attestieren, dass er den größten Fortschritt gemacht hat. Seine Vocals, die mich an einigen Stellen an den unvergleichlichen Martin Walkyier erinnern (für diesen Vergleich kassiere ich den verdienten Niederschlag), kommen jetzt noch charismatischer rüber; der Alk scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen.

Insgesamt erreicht „Black Sails At Midnight“ nicht ganz die Hitdichte seines Vorgänger, dafür klingen ALESTORM inzwischen reifer und abwechslungsreicher. Ich bin mal gespannt, ob die vier Schotten dieses spielerische Niveau auf die Bühne übertragen können. Bis auf die genannten Ausnahmen funktioniert das Konzept, das ALESTORM verfolgen, auch auf „Black Sails At Midnight“ ausgezeichnet, so dass Freunde des Debüts zuschlagen müssen. Ob man langfristig erfolgreich in diesem Fahrwasser segeln kann, wird man in den nächsten Jahren sehen.
Abschließend zitiere ich für diejenigen unter euch, an denen ALESTORM tatsächlich bisher vorbeigegangen sind, aus dem Beipackzettel. „ALESTORM spielen eine Mischung aus Folk und Power Metal im Stile von TURISAS und KORPIKLAANI – allerdings mit einer guten Portion an Säbeln, Enterhaken und Rum! Eine mitreißende Mixtur, welche die Freibeuter als „True Scottish Pirate Metal“ bezeichnen.“ So jetzt wisst ihr's! „Remember Piracy Is A Crime!“ (Maik)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 46:19 min
Label: Napalm Records
Veröffentlichungstermin: 29.05.2009
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