iq_frequency.jpg„Gut Ding will Weile haben“! Diese althergebrachte Weisheit scheinen sich die britischen Proggies von IQ sehr zu Herzen genommen zu haben. Seit der 1993er Comebackscheibe „Ever“ haben sich die Briten immer mindestens drei Jahre Zeit genommen, um ein neues Studioalbum einzuspielen. Doch ein kurzer Blick zurück zeigt, dass sich das Warten stets gelohnt hat, „Subterranea“ (1997), „The Seventh House“ (2000) und „Dark Matter“ (2004) waren allesamt Sternstunden des progressiven Rocks, die IQ endgültig zur erfolgreichsten und besten Britprog Band machten (MARILLION mal ausgeklammert). Nach der Veröffentlichung von „Dark Matter“ zogen allerdings einmal mehr ein paar dunklere Wolken im Lager der Band auf, zuerst verließ 2005 Schlagzeuger Paul Cook die Band (der aber für die laufende Tour wieder zurückgekehrt ist), 2007 folgte ihm Gründungsmitglied, musikalischer Kopf und Keyboarder in Personalunion Martin Orford, um sich verstärkt seinen Soloaktivitäten zu widmen (sehr empfehlenswert „The Old Road“) bzw. um sich aus dem Musikbusiness zurückzuziehen. Ein eigentlich nicht zu kompensierender Verlust. Oder etwa doch?

Man ist jedenfalls schwer gespannt, als man das inzwischen neunte Studioalbum „Frequency“, auf das man geschlagene fünf Jahre warten musste, zum ersten Mal in den Player schiebt. Diverse Fragen schießen einem durch den Kopf. Können IQ den Verlust des Ausnahmemusikers Martin Orford irgendwie verkraften? Kann sein Nachfolger Mark Westworth ähnlich schöne klangliche Farbtupfer setzen? Ist Peter Nicholls immer noch so gut bei Stimme? Können IQ zumindest halbwegs an das Meisterwerk „Dark Matter“ anknüpfen? Usw. Das Schöne ist, auf alle diese Fragen, kann es nur eine einzige Antwort geben: JA!
Ich war seltener bereits nach erstmaligem Hören eines Albums so von der Qualität überzeugt wie bei „Frequency“. Im Grunde genommen ist man sich bereits nach den ersten drei Minuten des eröffnenden Titeltracks sicher, dass gar nichts schief gehen kann. Ein typischer songdienlicher Groove der Herren Edwards und Jowitt, die melodischen Gitarrenleads von Michael Holmes (der Mann kann mit seiner Gitarre Berge bewegen), die warmen Keyboard-, Synthie- und Orgelklänge des Neuen an den Tasten, eine wunderschöne Pianomelodie und der eindringliche, nach wie vor an Peter Gabriel erinnernde Gesang von Peter Nicholls, der nach 120 Sekunden einsetzt. Mit diesen „Zutaten“ beginnt „Frequency“ und man wird in den Bann gezogen, ob man will oder nicht. Und an diesem Zustand ändert sich auch nach einem Dutzend Hörversuchen von „Frequency“ nichts, eine Sache, die genauso für die anderen IQ Großtaten gilt.

Ganz egal, welchen der sieben Songs man herauspickt, man wird ihn als Progfan lieben. In Form von „Frequency“, „Stronger Than Friction“ und „The Provinence Of The King“ gehen IQ drei Mal episch zu Werke mit Spielzeiten um oder über der 10 Minuten Grenze. „Life Support“, „One Fatal Mistake“ und das abschließende „Closer“ kommen dagegen allesamt ruhiger, verträumter und balladesker daher, und mit „Ryker Skies“ streift man sogar ein wenig die Moderne und orientiert sich an Arjen Lucassen's AYREON. Das waren die Songs im Schnelldurchlauf, das genauere Studieren überlasse ich euch, es lohnt sich!

Trotz der Besetzungswechsel und trotz der langen Zeit zwischen „Dark Matter“ und „Frequency“, bleibt fast alles beim Alten, und da man von einer Band wie IQ nun wirklich keine revolutionären Veränderungen mehr erwartet, ist das gut so. IQ waren gut, sind gut und werden es vermutlich bis zu ihrer Auflösung bleiben!
Bei aller Euphorie, dass IQ immer noch so großartig sind wie eh und je, hat „The Frequency“ aber doch zwei kleinere Makel, die ihr gerne unter der Kategorie „Jammern auf hohem Niveau“ einordnen dürft. Zum einen leistet man sich im 13-minütigen „The Provinence Of The King“ die ein oder andere Länge, so dass besagter Song im Vergleich zu den restlichen sechs Songs des Albums ein wenig abfällt, zum anderen leidet das gesamte Album ein wenig unter seiner ruhigen Ausrichtung. Gibt es Prog Rock Bands wie bspw. SPOCK'S BEARD oder PENDRAGON, die auch für den Metaller interessant sind, so fallen diesbezüglich IQ gerade mit „Frequency“ fast durch's Raster, denn dazu gehen sie einfach an zu vielen Stellen zu soft und zu entspannt zu Werke. Im Prinzip hat jeder der sieben Songs einen ruhigen Teil. Ein paar Eruptionen mehr wie in „Stronger Than Friction“ oder in „The Provinence Of The King“ hätten meiner Meinung nach zumindest nicht geschadet.
Berücksichtigt man diese klitzekleine Schwächen, so fällt „Frequency“ unterm Strich ein wenig schwächer aus als sein Vorgänger, was ehrlich gesagt aber nicht überraschen dürfte, denn zumindest besser ging's fast gar nicht. Zusammen mit PENDRAGON's „Pure“ regiert „Frequency“ das erste Halbjahr des Progressive Genres, was wieder mal zeigt, dass gute Musik nicht zwangsläufig auch heavy sein muss. (Maik)


Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 62:02 min
Label: Inside Out Music/SPV
Veröffentlichungstermin: 22.05.2009 
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