Mehrfach-Wertung der Redaktionheaven__hell_-_the_devil_you_know_artwork.jpgGanze 14 verdammte Jahre ist es her, dass BLACK SABBATH mit dem wegen der Produktion umstrittenen “Forbidden” ihr letztes Studioalbum abgeliefert haben. Nun hat man es nach einigen Touren mit wechselnden Besetzungen in der zweiten großen und wohl musikalisch besten Formation mit Ronnie James Dio als Sänger geschafft wieder ein Studio zu entern.
An der Stelle kann jetzt jeder der sich genötigt fühlt klugscheißen und sagen, dass es sich um eine HEAVEN & HELL – Scheiblette handelt. Die Gründe für den Namenswechsel sind so nebulös wie vieles in der Geschichte der Band und mir so egal wie die Meinung zu meiner Ansicht.
Wenn diese vier Herren, deren Namen fett auf dem Cover prangen gemeinsam Musik machen, Tony Iommi seine modernen Soloanwandlungen stecken lässt und sich auf seine düsteren majestätischen Riffs konzentriert, dann hat das für mich nur einem Namen. Und der ist gleich mit den Begründern des Heavy Metal.
Vor zwei Jahren absolvierte man bereits eine umjubelte Festival-Tour in dem Line-Up, welche auf der DVD „Live from Radio City Music Hall“ dokumentiert wurde. Davor nahm man als Bonus für die Compilation „The Dio Years“ noch drei neue Songs auf, die einen wieder auf den Geschmack brachten. Sowohl die Band als auch die Fans, zwei Jahre später steht nun „The Devil you know“ in den Läden und wurde von NECKBREAKER ausgiebig getestet.

Und genau diese schleppende, düstere, an die doomigen Anfangstage erinnernde Ausrichtung der drei Bonustracks beherrscht auch den Großteil von „The Devil You Know“. Die zähen Lava-Riffs prägen fast alle Titel, lediglich drei Ausnahmen finden sich auf der Scheibe.
Das groovende „Neverwhere“, „Eating The Cannibal“, das mit seinen fulminanten Leadläufen wie der Nachfolger von „Turn Up The Night“ oder „Die Young“ klingt. Man muss sogar bis zum sechsten Song warten, bis zum ersten Mal das Tempo anzieht, dann wird „The Turn Of The Screw“ von Butlers Basslinien, über die Iommi spärliche Akkorde streut nach vorne gebracht.

Trotz der gebremsten Geschwindigkeit ist das Album alles andere als eine langweilige Angelegenheit, dafür sorgen zum einen die vielen kleinen Details die man eingebaut hat. Sei es die starke, hochmelodische Bridge beim Opener „Atom And Evil“, die ruhigen Soli beim bluesig angehauchten „Rock And Roll Angel“ oder das nach einem typischen getragenen Intro mächtig schiebende „Bible Black“.
Doch vor allem leben die Songs von ihren Riffs, die sich zwar nur langsam, dafür umso unaufhaltsamer nach vorne wälzen. Wie eine Wand bauen sie sich vor einem auf, undurchdringlich, unumstößlich, alles zermalmend, bestes Beispiel hierfür sicherlich das heftige „Double The Pain“.

Das ist die Essenz dieser Band, und dafür ist seit 40 Jahren ein Mann verantwortlich, Tony Iommi. Wie kein andere versteht er es derart erhabene, majestätische Riffs aus seiner Gibson zu zaubern, die eine unglaubliche Atmosphäre verbreiten. Auch beim neunzehnten Longplayer bildet sein unverkennbarer Stil die tragende Säule im Soundgerüst.
Aber nicht nur als Zeremonienmeister der dämonischen Riffs, auch als Leadgitarrist weiß er Legionen an Nachahmern hinter sich zu lassen. Sein warmer Ton ist gleichfalls sofort rauszuhören und seine Soli sind pure Magie, strahlen mit einer unglaublichen Präsenz.

Ihm gegenüber steht sein kongenialer Partner Ronnie James Dio, der schon vor 35 Jahren im Vorprogramm von DEEP PURPLE von der Fachwelt über den grünen Klee gelobt wurde. Daran hat sich bis heute nichts geändert, was umso beachtlicher ist, da der Mann auf die siebzig zugeht. Unfassbar wie er auf „The Devil You Know“ die Lieder mit einer Gänsehautgarantie interpretiert, wie er mit einer Kraft jeden Ton zelebriert.

Zusammen sorgen sie für den einzigartigen dichten Sound, für den BLACK SABBATH seit jeher stehen. Und mit all ihrer Erfahrung wurde der neue Dreher sehr stilsicher mit dem nötigen Feingefühl in Szene gesetzt. Damit man bei allem Verzicht auf knallige Elemente nicht Gefahr läuft zu routiniert und abgeklärt zu klingen hielt man sich lediglich drei Wochen in den Rockfield-Studios auf. Dadurch erhält man sich die Spontanität der Kompositionen, korrigierte wenn überhaupt nur am Klangbild.
Das fällt unglaublich wuchtig und dennoch erdig aus, die Drums von Vinnie Appice donnern mächtig, treiben voran, ohne sich aufzudrängen. Dazu knarzt der Bass von „Geezer“ Butler wie in ganz frühen Zeiten, gibt den Songs die nötige Tiefe, die Rhythmusfraktion verleiht eine zusätzliche Schwere. Keyboards kommen nur sehr selten zum Einsatz, um die Atmosphäre zu erzeugen, aber Scott Warren dürfte eh das Schicksal das Geoff Nicholls 20 Jahre ereilte teilen. Auf der kommenden Tour wird sein Platz hinter den Kulissen sein.

Ein tonnenschwerer Brocken, den HEAVEN AND HELL da auf die Hörer los lassen, nicht eben leicht verdaulich. Doch ihr blindes Zusammenspiel, ihre technische Raffinesse, ihr Händchen dafür was der Song braucht schälen wunderbare Momente heraus. Natürlich kommt man an das namensgebende Meisterwerk nicht heran, das durfte man nicht erwarten, aber mit „The Mob Rules“ und „Dehumanizer“ kann sich „The Devil You Know“ auf alle Fälle messen.
Bleibt zu hoffen, dass dann nicht wieder für lange Jahre Schicht ist und man die Story weiterschreibt. In der Form bereichern die vier Herren die Szene immer noch, stehen ihr sogar weiter vor, egal welchen Namen man ihnen gibt. Man könnte auch sagen: BLACK SABBATH sind tot, lang lebe HEAVEN AND HELL! (Pfälzer)

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 54:12min
Label: Roadrunner Records
Veröffentlichungstermin: 24.04.2009

Wertung der Redaktion
Brix Mika Holger Seb Reini Bernie Maik
7,5 7,5 8 8 8,5 8 8,5
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