thunder-cover-web.jpgÜber das baldige Dahinscheiden des britischen Hardrockflaggschiffes THUNDER wurde in letzter Zeit genügend berichtet. Nach 20 Jahren hielt man es aufgrund persönlicher Differenzen, familiärer Verpflichtungen und anderer Projekte für einen geeigneten Moment das Thema endgültig zu den Akten zu legen. Somit wird „Bang!“ aus dem Vorjahr das finale Studioalbum bleiben, die Abschiedstour in Europa ist auch schon gespielt (Neckbreaker berichtete ). Ein paar Englanddaten werden noch folgen, bevor die Truppe noch einmal nach Deutschland zurück kehrt und am 31. Juli auf dem Rock of Ages ihren Schlussakkord erklingen lässt.
Doch so ganz ist auf dem Tonträgersektor ebenfalls nicht Schicht im Schacht. Neben der zu erwartenden Farewell-DVD wird noch einmal Studiomaterial veröffentlicht. In den beiden Jahren zwischen „Bang!“ und seinem Vorgänger „Robert Johnson´s Tombstone“ nahmen THUNDER aus der Laune heraus drei EPs für ihre Fans auf und vertrieben sie über ihre Homepage. Diese werden nun zusammen auf einer Scheibe von Metal Heaven unter dem Titel „The EP Sessions 2007-2008“ auf den Markt gebracht.

Warum man damals die Songs nicht für ein weiteres Album verwendete ist unklar. Möglich wäre, dass man eben aufgrund anderer Sachen wie der Produzententätigkeit von Gitarrist / Keyboarder Ben Matthews keine Zeit hatte um mehr Ideen auszuarbeiten. Es könnte auch daran gelegen haben, dass man das Material nicht für auf einen THUNDER-Longplayer passend fand.

Das ist zwar eher unwahrscheinlich, da man stilistisch immer mal wieder Ausreißer auf die Scheiben gepackt hat. Auf der anderen Seite präsentieren sich Songs wie „Survivor“ und „Chain Reaction“ für deren Verhältnisse ziemlich gradlinig nach vorne rockend. Vor allem der Opener, der von der Hi-Hat nach vorne getrieben wird und bei dem in Intervallen kraftvolle Akkorde rein schneiden raucht ganz schön.
Dennoch wäre er nicht ungewöhnlich gewesen auf einem der neun bisherigen Alben, hätte eher für Abwechslung gesorgt. Für die ist bei „The EP Sessions 2007-2008“ reichlich gesorgt, denn neben insgesamt 10 neuen Kompositionen enthält die Zusammenstellung noch vier Livetitel, vornehmlich vom damals aktuellen Album, aber mit „Like A Satellite“ auch einen Klassiker. Die Nummern sind tontechnisch von guter Qualität und bringen die gute Liveatmosphäre eines THUNDER-Gigs rüber.

Dazu gesellen sich noch zwei alternative Versionen von neuen Titeln, diese befinden sich auf dem letzten Abschnitt, der ein wenig ruhiger ausfällt als der Rest. Eingeleitet vom Skiffle „See My Baby Walking“ über Bluesballaden wie „So Sad Today“ bis hin zu einer Akustikversion von „Yesterday´s News“ kommen hier die krachenden Gitarren kaum zu Zuge. Im Original ist aber Letzterer einer der urtypischen Rocker, wie man ihn von den Briten kennt, mit rauem, urwüchsigem Gitarrensound.
„Make My Day“ wirkt schwermütiger, „Midlife Crisis“ hat einen sexy Groove und „Bette Davis Meltdown“ wartet mit einem schön melodischen Refrain auf, bei dem Frontmann Danny Bowes zu glänzen weiß. Gerade in der Interpretation liegen die Stärken von THUNDER, die einfach auf der Bühne zuhause waren.

Musikalisch mag das schon ein wenig Staub angesetzt haben, aber das wird mit viel Herzblut mehr als wett gemacht. Bowes singt wie ein junger Gott mit einem unglaublichen Feeling, Matthews und sein Nebenmann Luke Morley bilden eines der besten Axtgespanne der Rockgeschichte.
Hier stimmt jeder Ton, hier wird ohne viel Effekt los musiziert, den unnützen Ballast abgeworfen, so dass am Ende purer Rock´n´Roll bleibt. Beeindruckend auch immer wieder der sehr natürliche druckvolle Schlagzeugklang von Harry James, in Zeiten in denen allzu viel getriggert wird eine Wohltat.

Wenn dies das letzte sein soll was man von THUNDER hören soll, dann ist es ein würdiges Vermächtnis, vereint es noch einmal alle Trademarks der Formation. Auf „The EP Sessions 2007-2008“ findet sich auch kein B- oder Füllmaterial, es ist eine prallvolle CD mit feinstem Blueshardrock, wie ihn Kenner lieben. Wir werden sie vermissen (Pfälzer)


Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 16
Spielzeit: 73:50 min
Label: Metal Heaven
Veröffentlichungstermin: 22.05.2009

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