kscope106_-_cover_hr.jpgDie Liverpooler ANATHEMA muss man wohl niemandem mehr im Detail vorstellen.
Das nahende 20-jährige-Jubiläum der Band ist mittlerweile in Sichtweite und in dieser Zeitspanne wandelte sich die Band vom Doom-/Death-Metal der Gründungstage langsam aber stetig zur anspruchsvollen (Art-)Rock-Band.
Den Schwermut der Anfangstage konnte man im Sound konservieren; versteht es aber heutzutage, diese in andere musikalische Hüllen zu verpacken.
Für mich völlig unverständlich, daß diese Band lange ohne Plattendeal da stand und deshalb die Fans auf den Nachfolger zu "A Natural Disaster" so lange warten müssen - denn gerade diese Scheibe zeigt die drei Cavanagh-Brüder und Co in ihrer gereiftesten Verfassung.
Um die Wartezeit auf das noch für dieses Jahr angekündigte "Horizons" zu verkürzen, schiebt man mit "Hindsight" ein Bonbon für die Fans ein: Neun Tracks aus dem Songpool ANATHEMA´s spielte man semi-akustisch neu ein und fügte gar einen brandneuen Track hinzu. Und das alles in kompletter Eigenregie; von den Arrangements bis zur Produktion blieb alles in den eigenen Händen der Band.
Ob dies als eventueller Rip-Off in Zeiten der Veröffentlichungschwemme oder als Goldstück für die Fans zu verstehen ist, lest ihr in diesem Review.

Eines ist schon nach dem ersten Track "Fragile Dreams" klar: ANATHEMA haben sich viele Gedanken gemacht, wie sie die Tracks auf die semi-akustische Ebene heben können. Das Grundgerüst der Songs und die Vocals bleiben zwar nahezu erhalten, aber viele Spannungsbögen wurden neu gezogen und die Instrumentierung überarbeitet.
Dabei sticht vor allem der Gast Dave Wesling (normalerweise beim "Royal Liverpool Philharmonic Orchestra" beschäftigt) mit seinen warmen Cello-Tönen hervor, die in beinahe jedem Song zu hören sind. So übernehmen sie im bereits erwähnten Opener die Ohrwurmmelodie, die mich damals beim allerersten Hören schon verzauberten und die "Alternative 4"-Platte eine Stunde später im Laden erwerben ließ. Und auch hier funktioniert der Zauber: Diese Melodie ist immer noch einfach sagenhaft und schmeichelt durch das Saiteninstrument dem Ohr noch mehr.

Es ist nicht weiter verwunderlich, daß die weiteren Tracks alle im Original zu den ruhigen und getrageneren Stücken ANATHEMA´s gehören. So wurde aus dem ursprünglich klagenden und schleppenden "Are you there" eine FOLKIGE Akustik-Gitarren-Ballade erster Güte, aus dem eh schon zerbrechlichen "One Last Goodbye" eine auf Klavier, zarten Gitarren und schwebenden Streichern basierende Ballade, in der Vincent seine seelischen Schwächen zu offenbaren scheint und zerbrechlich wie nie singt.
Und wer bei "A Natural Disaster" und der elegischen Stimme von Keyboarderin Lee keine Gänsehaut bekommt, der wird wohl generell mit solcher Musik nicht viel anfangen können. Bei "Leave no Trace" ist Lee selbstverständlich auch wieder mit dabei.
Weiterhin erfreulich: Mit "Angelica" hat es auch ein älterer Track (von der "Eternity", 1996) in die Tracklist geschafft; auch wenn hier nicht wirklich viel umarrangiert wurde - ein klasse Song bleibt es natürlich trotzdem! Mit "Unchained (Tales of the Unexpected)" wird sogar ein neuer Track vorgestellt, der sich nahtlos in das Konzept einfügt.

Es gibt also einiges auf "Hindsight" zu entdecken - mit jedem Durchlauf erschließen sich Details, die vorher übersehen wurden, Feinheiten, die man nur durch genaueres Hinhören zu entdecken vermag und seelische Abgründe, die einmal mehr offenbart werden - alles in allem also wieder einmal ein delikates Hörerlebnis aus dem Hause ANATHEMA!
Für Fans ein Muss, für Freunde der relaxteren Schiene ein heißer Tipp und gleichzeitig vielleicht die Einstiegsdroge in die melancholische, teilweise verzweifelte aber auch immer mit einem Funken Hoffnung versehene Welt der Liverpooler. 

Ganz groß!

(Brix) 

Bewertung: 9 / 10 Punkten 

Spielzeit: 52:38 Minuten
Anzahl Songs: 10
Label: Kscope Music/SPV
Release: 29.08.2008

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