runninwildbest.jpgKaum eine Band in der Rockgeschichte hat je so einen Hype ausgelöst wie die Australier von AIRBOURNE. Was wurde da im Vorfeld ihres Debüts „Runnin´wild“ schon alles an Promotion aufgefahren. Bereits im Februar gingen die Jungs auf eine Promotour nach Europa mit Interviewterminen und Konzerten. Dazu läuft ihre erste Single „Too much, too young, too fast“ schon überall rauf und runter und ein Video, das dazu gedreht wurde wird sogar von Musiksendern schon gespielt. Der Höhepunkt dürften aber die Auftritte beim diesjährigen Rock am Ring / Rock im Park sein, das größte deutsche Festival, bei dem selbst altgediente Rockacts kaum eine Chance haben. Hier will es scheinbar jemand ganz genau wissen und wir fragen uns: „Was ist dran am Hype um die Truppe?“

Wenn man sich mal die musikalische Ausrichtung der Vier aus Warnabool im District Victoria genauer anschaut, kommt man der Sache schon näher. Pub Rock mit viel Blues und Rotz wie er in ihrer Heimat Tradition ist wird einem hier serviert. Und das lässt einen sofort an zwei Namen denken, nämlich AC/DC und ROSE TATTO. Und da erstere eine der legendärsten Rockbands unserer Tage sind aber uns seit Jahren auf neues Material warten lassen, hat man anscheinend AIRBOURNE schon mal als ihre Nachfolger ausgesucht.
Und das ist sicherlich nicht zu weit hergeholt, denn schon das „Thunderstruck" auf Speed-Intro von „Stand up for Rock´n´Roll" zeigt den Weg und der führt nur über die Young-Brüder. Dann 1,2,3, und los geht´s mit besagtem Opener, und wie. Die Riffs knallen, die Hi-Hat rasselt, das Tempo drückt unnachgiebig nach vorne, Frontmann und Gitarrist Joel O´Keeffe überschlägt sich fast vor Energie. Hier ist Dampf dahinter, einfach und simpel daher kommend aber voll in die Magengegend zielend.

Mit dem folgenden Titelsong geht es gleich ähnlich heftig weiter, die Nummer treibt unaufhaltsam nach vorne, im Refrain wird O´Keeffe von seinen Kollegen mit fetten Gangshouts unterstützt. Und hier wird auch mehr die Nähe zu den mehr dem Stadionrock frönenden Schweizern KROKUS deutlich. Denn die Truppe von „Down under" hat auch ein Paar Versatzstücke von US-Formationen der Achtziger in ihrem Sound.
Aber im Vordergrund stehen sicher die Wurzeln, die so nur in der trockenen Hitze des fünften Kontinents gedeihen können. Die schon angesprochene Single folgt einem satten Groove, der nur typisch dafür ist. Und auch sonst ist alles wie bei den großen Vorbildern, wenig Abwechslung in den recht kurzen Songs, das Schema wird voll durch gezogen, lediglich das Tempo wird variiert. Da gibt es ruppiges wie „Diamonds in the Rough" beschwingtes im Stile von „Fat City" oder der relaxten Hymne „What´s eatin´you". „Cheap Wine & cheaper Women" groovt sehr lässig während bei „Blackjack" wieder gnadenlos Vollgas gegeben wird.
Langeweile kommt trotzdem nicht auf, denn dafür ist das Songmaterial zu stark. Immer wird mit einfachen Mitteln das Optimale heraus geholt. Die Melodien greifen sofort und lassen einen so schnell nicht los, die Arrangements sind sparsam aber sehr effektiv und knallen an allen Ecken.

Doch wie schaut es im Vergleich, der einfach immer kommen muss aus? Hier haben die sich gerade mal in den frühen Zwanzigern befindenden Jungs in punkto Power die Nase sicher weit vorne. Denn „Runnin´wild" verpasst einem so richtig einen Tritt in den Allerwertesten. Nur mit dem unwiderstehlichen Groove will es nicht ganz so hinhauen und das Feeling der alten Herren ist auch noch weit weg. Sicher haben AIRBOURNE davon genug, aber sie werden immer daran gemessen werden.
Und ein wenig fehlt da einfach, hier wird zu sehr auf rifftechnische Kompatibilität geachtet, so dass der Rest auf der Strecke bleibt. Zwar ist die kraftstrotzende Art bewundernswert, aber kann man so ein Energielevel über all die Jahre halten? Was ist, wenn die Herren älter werden und den Blues nicht für sich entdecken. Immer nur so ein Hammer rauszurotzen klappt nicht immer, dann ist Substanz gefragt.
Die zeigen sie auf dem Erstling durchaus, aber die Frage ist einfach reicht die auf Dauer aus? Was ist wenn man im Lager der Konkurrenz plötzlich wieder Lust am Musik machen hat und deren Platz nicht mehr vakant ist? Abgesehen von solchen Überlegungen kann man natürlich mit der Scheibe einen Höllenspaß haben, egal ob beim Autofahren, im verschwitzten Club, bei der Grillparty, am Baggersee in der Sonne, ja selbst beim Matratzen-Sport kommt das gut. Also kauft und hört, sicher eine der Platten, die den Sound dieses Sommers bestimmen werden. Wie viele Sommer sie tanzen steht auf einem anderen Blatt! (MetalPfälzer)

 

Bewertung: 8,0 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 36:17 min
Label: Roadrunner Records
Veröffentlichungstermin: 30.05.2008

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