brotherf_heart.jpg Der Sommer steht vor der Tür, die Sinne erwachen, den Menschen zieht es nach draußen. Beste Zeit, sein Cabrio fit zu machen, oder das große Panoramadach zu nutzen. Dann geht es ab auf die einsame Landstrasse wahlweise tut es auch der breite Prachtboulevard einer Metropole. Nur was werfe ich in den Player? Die neue KATAKLYSM ist etwas zu derb, bei der neuen OPETH kann man sich nur schwerlich auf das Lenken oder die Frauen am Straßenrand konzentrieren. Die MY DYING BRIDE-Livescheibe scheidet völlig aus! Die Altvordern der Achtziger hatten doch mal so Zeug, wie FOREIGNER, LOVERBOY oder SURVIVOR, aber das gibt es heut zu Tage nicht mehr.
Doch? Aus Finnland? Die haben aber auch alles da oben! Ein NIGHTWISH-Seitenprojekt, das ist nicht wahr, oder? Ist es, denn deren Gitarrist Emppu Vuorinen gründete mit LEVERAGE-Frontmann Pekka Ansio Heino während der Pause seiner Hauptband BROTHER FIRETRIBE, die diesen Sound originalgetreu in die Jetztzeit katapultieren. Schon das Debüt „False Metal" sorgte für Begeisterung jetzt steht der Nachfolger „Heartfull of Fire in den Startlöchern.

Und der knüpft genau dort an, wo das Debüt aufgehört hat, bei unbeschwerter stark gegen Mainstream gebürsteter Melodicrock-Mucke. Hier finden sich alle Trademarks wieder, die diese Musik groß gemacht haben. Unglaubliche flüssige Harmonien, traumhafte Melodien gibt es gleich fassweise dazu eine saubere und druckvolle Produktion. Und was für Songs, die auch das gewisse Etwas nicht vermissen lassen.
Schon der Opener „Who will you run to now" überrascht nach einem getragenen Keyboard-Intro mit einer flotten Strophe. Der Refrain füllt dann wiederum den ganzen Raum fällt alles andere als flach aus. Noch besser machen sie es bei der Hymne „Wildest Dream", klar den Songtitel hatten sie schon alle, aber welch eine Hymne.
Dabei bedienen sich BROTHER FIRETRIBE ganz unverhohlen an den Top-Acts der damaligen Zeit, vor allem denen, die viele Key-Fanfaren am Start hatten. Stadion-Rock in der besten Bedeutung dieses Wortes wird dem Hörer hier präsentiert. Klar, ist Eigenständigkeit nicht der Trumpf der Finnen, aber bei solchen Songs ist das egal, hier regiert der Spaß und den hatte ich bei solch einer Mucke schon seit der zweiten FIREHOUSE nicht mehr.

Neben vielen amerikanischen Einflüssen scheinen auch immer wieder die Klassiker von den Inseln herüber, manches erinnert an ASIA oder TEN. Das atmosphärische „Game they call Love" hingegen hätten sie locker an MAGNUM verkaufen können, wenn es die Formation nicht geben würde.
An ihre Stammbands hingegen lassen nur wenig Passagen denken, und wenn dann eher an LEVERAGE, die ja auch im Hardrock zuhause sind. Lediglich das Riff im Titelstück hat einen Hauch von NIGHTWISH. Hier kommt auch eine weibliche Stimme zum Einsatz, die sich mit Pekka Ansio Heinos klarer hochmelodischer perfekt ergänzt. Hier verdichtet sich der verdacht es könnte sich um eine wohl bekannte in Schweden wohnhafte Dänin handeln, die Ähnlichkeit ist schon da und es läge ja auf der Hand.

Weiterhin haben die Fünf jetzt mit Kalle Torniainen einen festen Schlagwerker in ihren Reihen. Ansonsten sind die selben Leute vom Debüt am Start, allen voran Tastenmann Tomppa Nikulainen. Der drängt sich auf „Heart full of Fire" noch mehr in den Vordergrund, was einige Songs, wie die Single „Runaways" verdächtig in die Popschiene drängt. Aber keine Angst, auch die strotzen nur so vor Power und Spielfreude, haben mit Plastik-Kompositionen nichts zu tun.
Mit „Play it from the Heart" gibt es dann auch die Quotenballade, die dem Album die nötige Abwechslung verleiht. Auch sonst verweigert man sich allzu vorhersehbarer Strukturen, hat immer mal ein paar Wendungen eingebaut. Nikulainen überzeugt auch mit ein paar schönen Soli, duelliert sich hin und wieder mit Vuorinens Axt.

Mit dieser Musik hätte man vor zwanzig Jahren die Stadien der Welt gefüllt, das wird heute nicht mehr gelingen. An der Qualität der Scheibe liegt das sicher nicht, denn Jon Bon Jovi wäre froh, er würde heute noch einen Song wie „Going out with a Bang" hinbekommen, vom abschließenden  programmatischen „I am Rock" ganz zu schweigen. Wer mit solcher Musik etwas anfangen kann, kommt um diese Band nicht herum, vor allem, wenn bei den alten REO SPEEDWAGON-LPs schon die Rillen abgeschleift sind und neues her muss.
Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die Truppe live-technisch für zwei Jahre auf Eis liegt, weil ihre Protagonisten ihren anderen Verpflichtungen nachkommen müssen. Da kann man froh sein, dass der Sechssaiter dieses Projekt nicht aufgegeben hat, seit er bei seinem Hauptbrötchengeber wieder voll da sein muss. Wie wäre es mit einer Verpflichtung aller drei Bands im nächsten Sommer auf einem Festival. Bis dahin bleibt nur der CD-Schacht im Cabrio und lange Autofahrten um diese Scheibe zu genießen. Verdammt, warum habe ich einen Kombi? Festivals! Ach so, man muss Prioritäten setzen. (MetalPfälzer)

 

Bewertung: 8,5 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 44:22 min
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichungstermin: 30.05.2008

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