myindigo myindigoAuf das erste Soloalbum von Sharon Den Adel hatte ich mich im Vorfeld wirklich sehr gefreut, denn die Frontfrau von WITHIN TEMPTATION ist nicht nur eine beeindruckende Persönlichkeit, sondern auch eine großartige Sängerin, was im bombastischen Kontext von WITHIN TEMPTATION ab und an etwas untergehen mag. Auch die Tatsache, dass es nicht nur ein Soloalbum werden sollte, sondern gleich ein eigenes Projekt namens MY INDIGO gestartet wurde, deutete in eine vielversprechende Richtung. Glaubt man der Pressemitteilung, dann hat Sharon Den Adel eine ganze Menge Zeit und Energie in dieses Album investiert.

Nachdem „My Indigo“ nun vorliegt und ich es in den letzten Wochen regelmäßig hören durfte und konnte, bin ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht von diesem Album. Um es mal auf dem Punkt zusammenzufassen, der Gesang der niederländischen Sängerin ist natürlich großartig, die Songs, die Sharon Den Adel vor allem mit ihrem Produzenten Daniel Gibson geschrieben hat, gehen im Großen und Ganzen auch in Ordnung, aber die Produktion von „My Indigo“ ist einfach nur sowas wie ein Tritt in den Arsch für jeden Musikliebhaber und das tut hier richtig weh.

Betrachtet man die Songs für sich, dann hätte „My Indigo“ ein wunderbares Singer/Songwriter Album werden können, aber mit diesem Sound geht alles in eine Electropop-Richtung und man fragt sich permanent, ob man gerade eine Single von ROBIN SCHULZ oder FELIX JÄHN hört, die mit ähnlich gelagerten Produktionen/Produkten dick Kohle scheffeln.

Wenn das Material dann ab und an einen melancholischen LANA DEL REY Einschlag nimmt, dann ist es gerade noch so erträglich, ansonsten wirkt „My Indigo“ von vorne bis hinten überproduziert, die ganzen Computersounds und Samples rauben dem gesamten Album die theoretisch vorhandene Natürlichkeit und damit logischerweise auch die Emotionen, denn „My Indigo“ ist durchaus auch ein persönliches Album einer Sängerin, die sich in den letzten Jahren eine Auszeit genehmigen musste, um demnächst wieder mit WITHIN TEMPTATION weitermachen zu können.

Ich wiederhole mich, das tut richtig weh, diese Dancebeats passen vielfach einfach nicht zu dieser warmen Stimme der Sängerin und wenn man dann noch berücksichtigt, dass ein Titel wie „Someone Like You“ durch das gottgleiche Stück von ADELE am besten nie wieder Verwendung finden wird und sich dann anschaut, was sich hier hinter „Someone Like You“ (kein Cover!) verbirgt, dann fragt man sich ernsthaft, warum nicht irgendjemandem während der Albumproduktion mal aufgefallen ist, dass man hier gerade mit voller Wucht gegen eine Wand rennt.

„My Indigo“ hat seine wenigen großen Momente am Anfang von „Lesson Learned“ und „Out Of The Darkness“, da gibt es nur eine schöne Pianomelodie und die Stimme von Sharon Den Adel, irgendwann setzen dann aber wieder Samples und der programmierte Drumcomputer ein und der ganze Mist beginnt von vorne.

„My Indigo“ ist so ein typischer Fall von „hätte, wäre, wenn“, unter anderen Voraussetzungen könnte jetzt hier eine Bewertung von 9 Punkten folgen, aber so bleiben maximal 5 Punkte übrig für ein Album, das Rätsel aufgibt, auch deshalb weil sich einem nicht erschließt, wer die Zielgruppe für „My Indigo“ sein soll. (Maik)

Bewertung: 

Maik 20165,0 5 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 38:43 min
Label: BMG/Warner
Veröffentlichungstermin: 20.04.2018

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